Kolumne von Björn Junker

Des einen Leid, des anderen Freud: Silver Wheaton & Co. machen das Geschäft ihres Lebens

Während viele Bergbaufirmen unter den schwierigen Marktbedingungen leiden, profitieren die so genannten Royalty- und Streaming-Firmen und schließen die größten Deals ihrer Geschichte ab. Diese Gesellschaften stellen den Bergbaufirmen vorab Kapital zur Verfügung und erhalten dafür das Recht an (Teilen) der zukünftigen Produktion von Minen der Transaktionspartner. Und insbesondere Branchenprimus und Pionier Silver Wheaton (WKN A0DPA9) ist nach Aussage von CEO Randy Smallwood so ausgelastet wie nie zuvor. Und, das betonte Smallwood besonders, die Qualität der Projekte, die an sein Unternehmen herangetragen würden, sei ebenfalls besser als in der Vergangenheit.

Erst gestern kündigte Silver Wheaton einen Gold-Streaming-Deal mit dem Bergbaugiganten Vale SA (WKN 897136) im Wert von 1,9 Mrd. USD an – bei Weitem der größte solche Deal, der je abgeschlossen wurde. Vor weniger als sechs Monaten hatte Wettbewerber Franco-Nevada (WKN A0M8PX) bereits einen Deal im Wert von 1 Mrd. USD mit Inmet Mining (WKN 873251) abgeschlossen.

Die Minenfirmen wenden sich aus mehreren Gründen verstärkt an Firmen wie Silver Wheaton und Franco-Nevada. Zum einen ist es äußerst schwierig und führt zu einer enormen Verwässerung, im aktuellen Marktumfeld Kapital über die Ausgabe von Aktien einzunehmen. Zum anderen aber machen die hohen Investitionskosten es wichtiger als je zuvor, das Finanzierungsrisiko insbesondere für größere Projekte aufzuteilen. Die Tatsache, dass ein gigantischer Konzern wie Vale zukünftigen Cashflow aufgibt, um sich Kapital zu sichern, zeigt, mit was für Problemen die Branche derzeit zu kämpfen hat.

So war es allerdings nicht immer. Als Smallwood im April 2011 bei Silver Wheaton seinen CEO-Posten antrat, konnte das Unternehmen keinerlei Deals festzurren. Die Edelmetallpreise befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Höhenflug und die Unternehmen wollten ihre zukünftige Silber- und/oder Goldproduktion wenn überhaupt nur viel zu teuer verkaufen. Damals hatten die Unternehmen einfach besser Finanzierungsoptionen, meint denn auch Smallwood.

Doch als die Märkte drehten und die "normalen" Finanzierungsquellen austrockneten, waren die Minenfirmen auf einmal deutlich eher bereit, ihre Beiproduktion an Gold und Silber im Tausch für dringend benötigtes Kapital abzugeben.

Zwar waren Franco-Nevada und Silver Wheaton auch damals schon große und angesehene Unternehmen, doch die jüngsten Mega-Deals könnten ein entscheidender Schritt nach vorn sein und die Branche auf ein ganz neues Niveau heben. Denn bis 2004, bis zur Gründung von Silver Wheaton, existierte das Streaming-Geschäft noch nicht einmal.

Auch Analysten bewerten den neuesten Deal des Unternehmens sehr positiv. So sind die Experten von TD Securities beispielsweise der Ansicht, dass Silver Wheaton sich mit dieser Transaktion den Markt für Streaming Deals mit den ganz Großen der Bergbaubranche erschlossen haben könnte. Silver Wheaton sei ein Pionier in dieser Hinsicht und man glaube, dass dieser Schritt dem Unternehmen eine mögliche signifikante Quelle neuer Deals eröffne.

Die Analysten weisen zudem darauf hin, dass der Deal auch für Vale Bedeutung über die reine Kapitalbeschaffung hinaus habe. Denn er demonstriere den Wert der Bunt- und Edelmetallprojekte des Konzerns. Vale werde von den Investoren als Eisenerzfirma betrachte, während die anderen Projekte mehr oder weniger ignoriert würden. Schließlich habe sich der brasilianische Konzern wegen dieses Deals an Silver Wheaton gewendet, was zeige, dass man sehr interessiert gewesen sei, eine Transkation abzuschließen. Deshalb könnte Vales Schritt dazu führen, dass die großen Wettbewerber der Brasilianer ihre Strategie überdenken, meinen die Analysten von BMO Capital Markets.

Silver Wheatons CEO ist zuversichtlich, dass, sollten sich die Marktbedingungen weiter als schwierig erweisen, der Deal mit Vale im laufenden Jahr nur einer von vielen für Silver Wheaton sein wird. Bislang, so Smallwood, sei das Problem immer gewesen, Assets zu finden, die man in Betracht ziehen könnte und nicht die Finanzierung der Deals. Nun aber, zum ersten Mal überhaupt, beginne er, sich zu fragen, ob man überhaupt alle Transaktionen finanzieren könne, die möglich seien.
 

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