China setzt immer stärker auf die Atomkraft. Die Katastrophe von Fukushima hat in dem Land nur einen kurzfristigen Schock ausgelöst, seitdem werden immer neue Pläne für Atomanlagen vorgelegt. Hatte die Kapazität aller gebauten, im Bau befindlichen, geplanten oder angedachten Atomkraftwerke vor Fukushima eine Kapazität von 206 GW, liegt diese inzwischen bei 223 GW, mit steigender Tendenz. Rund 190 Anlagen fallen in die oben beschriebenen vier Kategorien. 15 Atomkraftwerke laufen, 26 sind im Bau, 51 Stück in der Planung. Hier soll der Bau in den kommenden drei Jahren starten. Somit sind rund 100 mögliche Anlagen noch in einem sehr frühen Vorbereitungsstadium, bis 2030 sollen jedoch auch diese ans Netz gegangen sein. Derzeit trägt der Atomstrom rund 1 Prozent zum chinesischen Energiemix bei, bis 2020 soll der Wert auf 6 Prozent steigen. Entsprechend muss die Leistung der Anlagen von rund 12 GW auf bis zu 75 GW erhöht werden.

China bekommt dabei jedoch ein immer größer werdendes Problem. Es muss sich um Uran-Nachschub kümmern. Die derzeitigen Anlagen benötigen jährlich rund 6.550 Tonnen Uran, das Land fördert jedoch nur 1.500 Tonnen. Damit gibt es schon jetzt eine Schieflage, die noch größer wird, wenn die Kapazitäten ausgedehnt werden. In China ist man sich dessen sehr bewusst. Daher fördert die Regierung sowohl inländische Explorationen nach Uran als auch ausländische Aktivitäten von chinesischen Unternehmen.

OECD-Statistiken von 2011 zeigen, dass China die eigene Nachfrage kaum selber befriedigen kann. Im Land befinden sich nur Uranlagerstätten mit einem Volumen von 166.000 Tonnen. Damit liegt das Land auf Rang 10 in der Welt. Einsamer Spitzenreiter ist Australien mit Uranlagerstätten im Volumen von 1,66 Millionen Tonnen. Es folgen Kasachstan (629.000 Tonnen) und Russland (487.000 Tonnen). Mit dem Niger (421.000 Tonnen), Südafrika (279.000 Tonnen) und Namibia (261.000 Tonnen) liegen drei afrikanische Länder in den Top 10. Gerade Afrika hat es chinesischen Investoren angetan, viele Rohstoffvorkommen auf dem Kontinent sind in chinesischer Hand. Doch in diesem Fall muss China weiter diversifizieren, reichen afrikanische Quellen auf Dauer nicht aus. Schon jetzt halten chinesische Gesellschaften Anteile an 15 großen Urangesellschaften weltweit. Damit hat man Zugriff auf etwa 230.000 Tonnen Uran.

Das löst die Probleme in China jedoch nur begrenzt. Denn wenn die Hochrechnung stimmen, benötigt das Land 2020 rund 17.000 Tonnen Uran. Durch nationale Produzenten kann man nach den Berechnungen 4.000 Tonnen besorgen, die internationalen Partnerschaften bringen weitere 8.000 Tonnen ins Land. Somit muss man unverändert aktiv werden und etwa 5.000 Tonnen auf dem freien Markt erwerben. Für den Urankurs kann dies zum Preistreiber werden. Es wird jedoch gemutmaßt, dass China schon jetzt große Uranlagerbestände aufbaut. Denn die Käufe auf dem Weltmarkt haben in den letzten Jahren den Bedarf klar überstiegen. So rüstet man sich für die Zukunft.