Wie löst Anglo American die Probleme bei der südafrikanischen Platintochter? Experten rechnen damit, dass man Standorte stilllegen will. Doch das wird die Arbeiter und Gewerkschaften vor Ort provozieren und könnte neue, schwere Auseinandersetzungen bringen. Es ist noch nicht lange her, dass in Südafrika Streiks und sie begleitende schwere Unruhen weite Teile des Platinbergbaus lahm legten. Die Auswirkungen des harten Arbeitskampfes, der zahlreiche Todesopfer gefordert hat, sind noch heute zu spüren. In Südafrika müssen sich viele Konzerne entscheiden, wie sie mit den nun veränderten Bedingungen zurecht kommen wollen. Steigende Kosten und ein schwieriges Marktumfeld setzen die Unternehmen unter Druck, viele Bergwerke arbeiten defizitär und mit den neuen, höheren Löhnen, die ein Ergebnis der Streiks sind, wird die Situation für die Platinförderer nicht einfacher.

Einer der wichtigsten Konzerne im südafrikanischen Platinbergbau, der sich der Frage nach der Zukunft der eigenen Aktivitäten in dem Land stellen muss, ist Anglo American (WKN: A0MUKL) über die Tochtergesellschaft Anglo American Platinum (WKN: 856547), kurz Amplats. Produktion im Wert von knapp 0,4 Milliarden Dollar ging dem weltgrößten Platinförderer im Laufe der Streiks verloren, hinzu kommen weitere Belastungen, die der Arbeitsausstand mit sich gebracht hat. Letzten Statements der Gesellschaft zufolge hatte die Produktion Mitte Dezember immer noch nicht wieder das Niveau erreicht, das vor den Auseinandersetzungen gefördert wurde.

Nun stellt sich die Zukunftsfrage, zumal Anglo American und Amplats im Januar die Details zur neuen Strategie bekannt geben wollen. Wahrscheinlich in der kommenden Woche wird es soweit sein – und viele Optionen hat der britisch-südafrikanische Rohstoffriese nicht. Die einfachste Option, schlicht weiter zu machen wie bisher und bis zu einer Markterholung und besseren Zeiten zu warten, dürfte die wenigste Wahrscheinlichkeit haben. Wenig Aussicht auf Realisierung schreiben Beobachter auch den Spekulationen zu, dass Anglo American einen Spinoff von Amplats ins Auge fassen könnte. Das würde den Konzern zwar von den Problemen in Südafrika befreien, aber die Probleme vor Ort nicht lösen.

Die schmerzhafteste, aber zugleich wahrscheinlichste Option dürfte es sein, defizitäre Bergwerke zu schließen, um so Belastungen los zu werden und Kosten zu senken – ein Faktor, der vor allem vom Markt gefordert wird. Vor allem Großanleger drängen bei den Rohstoffkonzernen darauf, dass die Profitabilität und der Cashflow verbessert werden. Dazu gehört, dass sich die Gesellschaften von ihrem Streben nach Mengenwachstum bei der Förderung verabschieden und einzelne Projekte genau auf ihre Rentabilität und Cash-Generierung unter die Lupe nehmen.

Für eine Reihe von Analysten steht bereits fest, dass Amplats um den Schritt, Bergwerke zu schließen, nicht herum kommen wird. Nicht das „ob“ ist die Frage, sondern wie viele Schächte wo schließen müssen und wie viele weitere Arbeitsplätze dabei verloren gehen werden. Der Platinförderer steckt dabei allerdings in der Zwickmühle, denn Schließungen von Standorten dürften neue Proteste von Seiten der Gewerkschaften nach sich ziehen. Die Furcht vor neuen, schweren Auseinandersetzungen und möglicherweise weiteren Toten ist spürbar.
 

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