Kiruna - eine 2.000m dicke Magnetitplatte als Lebensader für 20.000 Menschen

Die nordschwedische Stadt Kiruna gilt seit mehr als 100 Jahren als das europäische Mekka des Eisenerzes. Der schwedische Staatskonzern LKAB baut hier jährlich rund 27 Millionen Tonnen Eisenerz ab. Die Stollen wurden über die Zeit immer tiefer in den Felsen getrieben. Zur Zeit findet der Erzabbau auf der neuen Hauptsohle in 1365m Tiefe im Untertagebau statt. Die gewaltige Magnetitplatte weist Eisenerzgehalte bis zu 66% Fe auf, so dass es sich, zumindest in großen Teilen, um sogenanntes DSO (Direkt Shipping Ore) handelt, also Eisenerz, welches ohne weitere Aufbereitung marktfähig ist. Hier ruht eine wahre Schatzkammer im schwedischen Teil Lapplands.

In den letzten 100 Jahren wurden für den Erzabbau natürlich zahlreiche Arbeitskräfte benötigt, so dass sich eine Stadt mit ca. 20.000 Einwohnern entwickelt hat, mit einem gewachsenen Ortskern, Einkaufspassagen, Hotels und Restaurants, dem Kulturzentrum, dem Rathaus, der historischen Kirche und dem Bahnhof. Den Einwohner von Kiruna ist klar: Ohne den Erzabbau hat Kiruna keine Zukunft. Doch inzwischen hat sich die Mine soweit vorgearbeitet, dass jetzt große Teile der Stadt dem Erzabbau weichen müssen und einige Kilometer entfernt wieder neu aufgebaut werden sollen. Auch wenn sich prinzipiell alle Parteien einig sind, dass dieser Schritt notwendig ist, so gibt es doch heftige Diskussionen, wie diese Pläne umgesetzt werden sollen.

Bislang hat sich der Bergbaukonzern bereit erklärt, 20 architektonisch besonders wertvolle Gebäude zu retten, darunter die Kirche, die dazu in Teile zerlegt und an einem neuen Ort wieder aufgebaut werden soll. Obwohl die schwedische Gesetzgebung entsprechend Entschädigungen über dem aktuellen Marktwert der vertriebenen Einwohner für ihre Häuser vorsieht, regt sich in der Bevölkerung widerstand. Zum einen liegt der aktuelle Bahnhof mitten in der Stadt, der neue soll etwa 4 km vom neuen Zentrum errichtet werden, eine Anbindung ist nicht vorgesehen. Dazu kommt, dass heute attraktive Wohnlagen in Zukunft eher unattraktive Randlagen transformiert werden. Zudem lieben die Bürger ihre Stadt und würden gern noch deutlich mehr historische und architektonisch wertvolle Gebäude erhalten.

Der Erzabbau an sich wird nicht kritisiert, zu sehr wissen alle hier im strukturschwachen Norden, wie wichtig das Erz für die Stadt ist. Auch wenn im dritten Quartal 2012 die Erzpreise wieder unter 100USD/t gefallen sind, hat sich in den letzten Wochen eine Belebung im Eisenerzsegment abgezeichnet. Der Eisenerzpreis wird entscheidend darüber sein, wie lange in Kiruna noch Eisenerz abgebaut wird, aktuell befindet sich das Hauptabbaugebiet auf 1365m Tiefe, Bohrungen haben gezeigt, dass sich der Eisenerzkörper jedoch mindestens bis auf 2000m Tiefe fortsetzt. Damit könnte sich der Erzabbau in Kiruna noch mindestens bis ins Jahr 2100 fortsetzen lassen. Bis dahin wird dann auch der Rest der Stadt und sogar das jetzt neu gebaute Kiruna den Erzbaggern weichen müssen.

Schwer vorstellbar, wie unsere Welt in 50, 80, oder 100 Jahren aussehen wird, aber es ist nicht schwer vorzustellen, dass Eisen auch dann noch eine bedeutende Rolle spielen wird. Und wenn Europa weiter zusammenwächst, was vor dem Hintergrund der vor uns liegenden Herausforderungen nicht unwahrscheinlich ist, dann ist es sicherlich von Vorteil, eine solch potente Lagerstätte für Eisenerz vor der Haustür zu haben.

Ihr Manuel Giesen

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