Kolumne von Ingrid Heinritzi

Übernahmen treiben Öl-Aktien

In Kanada schnappt sich Exxon den Öl- und Gas-Konzern Celtic Exploration, in Russland greift sich Rosneft den Konkurrenten TNK-BP. Weitere Zusammenschlüsse und Aufkäufe werden kommen. In der Öl- und Gasbranche Kanadas rauchten vergangene Woche die Köpfe. Analysten rechneten ihre Excel-Listen durch, CEOs überlegten Abwehrstrategien – oder, wie sie ihr Unternehmen attraktiv herausputzen könnten. Was war geschehen?

Der US-Ölmulti blätterte rund 3 Milliarden Dollar auf den Tisch, um den aussichtsreichen Öl- und Gasproduzenten Celtic Explortation zu übernehmen. Das machte mit einem Schlag alle in der Nähe von Celtic aktiven Gesellschaften für Anleger interessant. Celtic ist in Alberta vor allem in den Schiefer-Öl- und -Gas-Gebieten des Montney Shale und des Duverney Shale aktiv. Pro Tag produziert Celtic derzeit rund 4000 Barrel Öl und 72 Millionen Kubikfuß Gas. Das erscheint für Exxon Mobil, den größten Öl- und Gaskonzern der Erde, relativ gering. Daher kam aber eben auch zu dieser Unruhe im kanadischen Öl-Sektor. Denn wenn die Exxon-Experten diese Liegenschaften kaufen, muss extremes Potenzial in ihnen stecken, so der Gedanke.

Die Analysten der kanadischen Broker machten sich daher sofort auf die Suche nach neuen potzenziellen Übernahmekandidaten. Namen wie Tpurmaline Oil, Donnycreek Energy, Paramount Resources, ARC Resources, Delphi Energy und Peyto Exploration & Development machten in den vergangenen Tagen die Runde, obwohl nicht alle von diesen genau in dem wohl von Exxon favorisierten Gebiet ihre größten Stärken haben.

Was interessanter Weise wegen der Exxon Mobil-Offerte etwas untergegangen ist, ist ein zweiter großer Deal im Ölsektor. Eigentlich sogar der größere Deal. In Russland will die staatlich kontrollierte Rosneft den durch die britische BP teilweise kontrollierten Konkurrenten TNK-BP übernehmen. Die Übernahme könnte rund 56 Milliarden US-Dollar schwer sein. Dieses Geschäft dürfte den gesamten russischen Ölsektor deutlich aufwerten. Denn Rosneft wird mit einem Marktanteil an der russichen Ölproduktion von 39 Prozent der mit weitem Abstand größte Player in Russland – vorausgesetzt die Übernahme geht tatsächlich über die Bühne.

Wie können Anleger davon profitieren? Der russiche Ölsektor weist noch immer im internationalen Vergleich sehr niedrige Bewertungen auf. Und sollte einer der großen nicht staatlich kontrollierten Produktionegesellschaften ebenfalls übernommen werden oder eine Fusion zwischen ihnen stattfinden sollte, dann besteht großes Aufwärtspotenzial für die Aktien. Die zwei größten Unternehmen aus diesem Bereich sind Lukoil mit einem Marktanteil von 17% und Surgutneftegaz mit 12%.

Ein Vergleich der Bewertungen gegenüber den internationalen Größen zeigt die Unterbewertung. So werden die Reserven der westlichen Ölkonzerne mit durchschnittlich etwa 15 US-Dollar je Barrel bewertet. Exxon Mobile zum Beispiel mit knapp 16, Chevron sogar mit zirka 20, Shell Royal Dutch mit etwa 17. Total (13) und BP (gut 9) ziehen den Durchschnitt etwas nach unten. Die russischen Konzerne sind mit einem Durchschnitt von rund 3 zirka um das 5-fache billiger bewertet. Rosneft ist mit knapp 4 Dollar noch am teuersten, Lukoil ist 3,2 Dollar je Reserve-Barrel wert und Surgutneftegaz erscheint mit knapp 2 Dollar extrem billig. Bei der Bewertung der Produktion im Vergleich zum Unternehmenswert zeigt sich ein ähnliches Bild. Exxon und Co. werden mit knapp 200 US-Dollar je produziertem Barrel Öl bewertet, Rosneft und Co. dagegen nur mit rund 75 Dollar.

Ein gewichtiger Grund für die niedrigere Bewertung ist sicherlich eine höhere Besteuerung der russischen Unternehmen. Auch Unsicherheiten über politische Machenschaften dürften an den Bewertungsgrößen knabbern. Dennoch erscheint es, als ob gerade Lukoil und Surgutneftegaz noch deutliches Aktienkurspotenzial nach oben haben. Als Alternative zu den kanadischen Übernahmekandidaten oder zumindest als attraktive Beimischung taugen die Russen allemal.

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