Kolumne von Ingrid Heinritzi

Öl-Preis-Szenarien mit Venezuela

Am Sonntag (7. Oktober) fand in Venezuela die Wahl des neuen Präsidenten statt. Bald dürften die Wahlergebnisse feststehen. Ein Grund genug, um Szenarien für den Ölpreis je nach Ausgang der Wahl zu entwerfen.

"Ich würde Obama wählen, weil Obama mich wählen würde," scherzte Hugo Chavez noch vor wenigen Tagen. Ob dem Präsidenten Venezuelas das Scherzen nach der Wahl zum neuen Präsidenten vergehen wird, bleibt abzuwarten. Die offiziellen Ergebnisse der Wahl dürften in den nächsten Stunden bekannt gegeben werden. Zum ersten Mal in seiner Amtszeit kann Chavez sich nicht sicher sein, dass er wieder gewählt wird. 14 Jahre war er nun schon im Amt. Doch Unzufriedenheit in bürgerlichen Kreisen und die Unsicherheit aufgrund einer Krebserkrankung von Chavez haben die Position des Sozialisten deutlich geschwächt.

In den jüngsten Umfragen lag der Herausforderer der konservativen Opposition, Henrique Capriles Radonski, sogar mit 51,8 Prozent gegenüber 47,2 Prozent für Chavez vorn. Das bedeutet von den rund 18 Millionen Wahlberechtigten könnten zirka 600.000 mehr Capriles als Chavez wählen. Es kommt daher sehr stark auf die Wahlbeteiligung an.

Unter der Annahme, dass die Umfragen das richtige Ergebnis zeigten, könnte also Venezuela unter Capriles eine neue nicht mehr sozialistische Regierung bekommen. Da Venezuela ein großer Ölexporteur ist, könnte dies starke Auswirkungen auf den Ölpreis haben. Folgende Szenarien wären denkbar:

1. Capriles gewinnt und die Präsidentschaft geht reibungslos ins konservative Lager über: Der Ölmarkt könnte entspannt darauf reagieren. WTI-Öl dürfte im Preis nach unten gehen, da zu erwarten wäre, dass noch mehr Öllieferungen aus Venezuela in die USA kommen könnten. Zudem dürften ausländische Investitionen in die Ölindustrie des Landes kommen und so die Kapazitäten ausgebaut werden.

2. Chaves bleibt Präsident: Am Ölmarkt dürfte dies keine Überraschung hervorbringen.

3. Capriles gewinnt knapp und Chaves erkennt das nicht an: Es dürfte zu Protesten kommen. Auch die staatliche Ölgesellschaft PDVSA, die von Anhängern Chaves' kontrolliert wird, dürfte einbezogen werden. Streiks und damit eine fallende Ölproduktion des Landes wären wohl die Folge. Der WTI-Ölpreis dürfte zwischenzeitlich zulegen.

4. Capriles gewinnt, doch das Militär will Chaves Chaves hat in den vergangenen Jahren seine Anhänger überall in der Bürokratie und auch im Militär verankert. Es wäre daher auch ein Militärputsch gegen Capriles oder zumindest Säbelrascheln der Militärs nicht ausgeschlossen. Eine Staatskrise wäre Programm. Der Ölpreis, insbesondere WTI-Öl, dürfte stark mit steigenden Preisen darauf reagieren.

Zu hoffen ist, dass Szenario 1 oder 2 kommen wird. Wahrscheinlich ist aber auch 3. Wie können Anleger darauf reagieren? Bei Szenario 1 könnte ein WTI-Öl-Put als Absicherung gekauft werden. Ein short-ETC oder noch besser gängige Put-Optionsscheine, wie sie von nahezu allen Emittenten herausgegeben werden, wären auf kurze Zeit sinnvoll. Da im Nahen Osten mit dem Kämpfen zwischen Syrien und der Türkei ein gewisser Riskoaufschlag bei Brent-Öl bestehen bleiben sollte oder sogar zunehmen könnte, wäre auch eine Spekulation auf einen steigenden Spread zwischen WTI und Brent möglich. Diese Spread-Spekulation kann auch in Szenario 2 lukrativ sein. Bei Szenario 3 und 4 wäre dagegen ein Investment, dass auf einen steigenden WTI-Preis abzielt sinnvoll. ETCs und Call-Optionsscheine, ja nach Risikoneigung, wären Möglichkeiten.

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