Kolumne von Ingrid Heinritzi

Neuer europäischer Agrar-Riese

In München steht die Schaltstelle der BayWa. Aus dem einst sehr bodenständigen bayrischen Baustoff- und Getreidehändler wird nun ein international zu beachtender Agrar-Konzern mit zusätzlich starken Baustoff- und Neue-Energien-Standbeinen.

Die immer weiter wachsende Weltbevölkerung muss mit Lebensmitteln versorgt werden, ist die Devise von BayWa-CEO Klaus Josef Lutz. Die weltweite Getreideproduktion zum Beispiel dürfte daher in den nächsten 8 Jahren um 11,3 Prozent wachsen. Um sich in diesem Umfeld gut zu positionieren, hat Lutz nun im Agrarsektor kräftig zugekauft. Ein deutscher und ein holländischer Konkurrent werden geschluckt. Rund 160 Millionen Euro lassen sich die Münchner diesen Rundumschlag in Europa kosten. Bezahlen wollen sie dies mit dem Verkauf von Immobilien, so dass keine Verwässerung oder Zinsbelastung fällig wird.

Die Deals (Cefetra in den Niederlanden und Bohnhorst in Norddeutschland) machen durchaus Sinn. Nicht nur, dass das Handelsvolumen der BayWa sich im Agrarbereich von knapp 6 auf rund 28 Millionen Tonnen erhöhen wird, ist interessant. Der Umsatz im Agrarsektor dürfte sich von rund 4,5 Milliarden auf rund 10 Milliarden Euro erhöhen. Da zudem ein Gewinnpotenzial vor Steuern und Zinszahlungen von – falls nichts unvorhergesehenes dazwischen kommt – zirka 150 Millionen Euro "eingekauft" wird, scheinen die Käufe nicht zu teuer. Zudem kommen die zugekauften Gesellschaften wie die BayWa aus dem Bereich der Genossenschaften, so dass der Führungsstil und die Philosophie ähnlich sein dürfte.

Auch die Möglichkeiten in der Logistik werden enorm gestärkt. So kauft sich die BayWa an der Nord- und Ostsee, von Irland bis Lettland, etliche Hafenanlagen hinzu. Damit kann der Handel mit Getreide und Co. von den Binnen-Gewässerstraßen in Süddeutschland und Österreich, wo die BayWa bisher Verladungsmöglichkeiten hatte, auf die Meere ausgeweitet werden. Da Schiffstransport deutlich günstiger ist als andere Arten, ist das ein enormer Vorteil für die Zukunft. Die BayWa erreicht damit mit einem Schlag alle Regionen der Erde. Wie wichtig gute Logistik ist, hat die BayWa bereits mit dem Kauf des Großen Apfel- und Kiwi-Händlers Turners & Growers in Neuseeland mitbekommen.

So kann zum Beispiel von dem Hafen Mukran (gehört zu Bohnhorst), der tiefeetauglich ist und wo Schiffe bis zu 25.000 Tonnen Ladekapazität be- und entladen werden können, das russische Schienennetz bedient werden. In Russland sind die Eisenbahnschienen weiter auseinander verlegt, so dass nicht einfach ein Zug von Deutschland nach Russland durchfahren kann. Da Russland einer der größten Getreidelieferanten der Erde ist, kann die BayWa nun auch deren Ressourcen in der Zukunft nutzen.

Es ist ein Player auf den weltweiten Handelsrouten des Agrarsektors entstanden – oder zumindest ist er im Entstehen. Denn die Kartellbehörden könnten immer noch Stöcke zwischen die Beine werfen. Aber mit großen Auflagen ist nicht zu rechnen, denn dafür ist eine BayWa im Vergleich zu einer Glencore immer noch ein Zwerg.

Wer dennoch auf einen immer stärkeren internationalen Handel mit Getreide und anderen Agrarprodukten wie Äpfeln und anderen Obstsorten – vorangetrieben durch den Abbau von Regulierungen und Protektionismus – setzen will, kann dies daher von nun an auch mit der BayWa-Aktie (ISIN: DE0005194062) tun. Eine Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,2 (KGV 2013; Quelle: Onvista) scheint nicht zu hoch. Vor allem da darin die zwei Akquisitionen noch nicht von den Analysten eingearbeitet sind und auch Synergien entstehen dürften.

Wer rein auf den höheren Bedarf an Agrar-Rohstoffen setzen will, kann dies mit einem ETC tun. RICI Enhanced Agriculture (NL0009360726) und ETFS Agriculture DJ-UBSCI (DE000A0KRKB8) sind Beispiele dafür.

 

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