Es ist ruhig in der südafrikanischen Platinindustrie. Doch die Ruhe darf nicht täuschen, unter der Oberfläche brodelt es weiter. Wahrscheinlich 34 Personen haben bei den Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Minenarbeitern in der vergangenen Woche in der Nähe von Rustenburg den Tod gefunden. Die Regierung von Südafrika hat daraufhin am Samstag ein Treffen mit Politikern, Unternehmen und Gewerkschaften angesetzt, um die Situation zu besprechen. Man hat sich darauf geeinigt, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die die weiteren Schritte vorbereiten soll.

Eine Gruppierung war zu dem Treffen jedoch nicht eingeladen worden: die neue Gewerkschaft Association of Mineworkers and Construction Union (AMCU), deren Verhalten die Gewaltwelle mit ausgelöst hat. Zwar gibt man sich bei AMCU gesprächsbereit, man ist jedoch zugleich irritiert, dass man nicht mit am Tisch in Johannesburg saß. Für die weiteren Gespräche sind das keine guten Aussichten.

Die Verantwortlichen von Lonmin (WKN: 856046) wollen einen Fonds gründen, um die Familien der getöteten Arbeiter zu unterstützen. Vor allem die Erziehung der Kinder soll dadurch gesichert werden. Unerbittlich gibt man sich dagegen bei den Forderungen der AMCU. Man ist nicht zu Gesprächen bereit, der Ruf nach höheren Löhnen wird ignoriert.

Stattdessen hat man den streikenden Arbeitern ein Ultimatum gesetzt. Sie sollen noch heute an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, ansonsten würde ihnen gekündigt werden. Wurde der Aufruf am Morgen zunächst nur vereinzelt befolgt, hat sich inzwischen jeder vierte Arbeiter auf der Mine eingefunden. Ob dies ausreicht, um die Produktion wieder hochzufahren, ist noch ungewiss.

Bisher hat Lonmin durch den Streik auf der Platinmine von Marikana eine Produktion von rund 15.000 Unzen Platin verloren. Dies scheint nicht mehr aufholbar zu sein, die Prognosen von Lonmin für das Gesamtjahr sind somit nicht mehr haltbar. Die Analysten der Deutschen Bank reagieren und stufen das Papier mit „verkaufen“ ein, bisher gab es für den Titel eine Halteempfehlung. Auch der Kurs von Lonmin sackt immer weiter ab. Ob die Probleme so gravierend sind, dass Lonmin als Konsequenz den Kapitalmarkt bemühen muss, um frisches Geld zu erhalten, ist unklar. Es gibt jedoch Spekulationen, dass eine große Kapitalerhöhung anstehen könnte.

Das Geschehen rund um die Mine von Marikana schadet nicht nur dem drittgrößten Platinproduzenten der Welt. Auch die südafrikanische Politik gerät in die Kritik. Vor allem Präsident Jacob Zuma wird von verschiedenen Seiten bedrängt. Aus seiner eigenen Partei kommen Rücktrittsforderungen, Zuma sei nicht mehr haltbar. Diese werden jedoch von radikalen Kräften geäußert, die schon zuvor mit Zuma gebrochen hatten. Ein Rücktritt des Politikers aufgrund dieser Forderungen ist somit unwahrscheinlich.
 

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