Zu Anfang des Jahrtausends, als der Goldpreis mal mehr mal weniger deutlich über der Marke von 200 USD je Unze dahin vegetierte, war es nicht unüblich, dass die angeseheneren Goldaktien mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 30 oder mehr gehandelt wurden.

Einer der Hauptgründe dafür war, dass die Goldfans kein Problem damit hatten „zu viel“ zu bezahlen, da sie ja glaubten, dass der Goldpreis wieder deutlich steigen würde. Jetzt, da der Goldpreis wieder einmal ein neues Hoch markiert und zurzeit bei 1.608,25 USD notiert, kann man wohl sagen, dass diese Annahme berechtigt war.

Doch während der Goldpreis seit dem Jahr 2000 erheblich gestiegen ist, ist es den Goldaktien nicht gar so gut ergangen. Denn während der Goldpreis von seinem Tief bei 252,80 USD pro Unze im Juli 1999 einen Sprung von rund 636% auf das gestrige Hoch von 1.607,01 USD hinlegte, stiegen die Goldaktien – gemessen am Philadelphia Gold and Silver Index  – von 67,3 Punkten Anfang 2000 auf 216,95 Punkte am vergangenen Freitag – ein Zuwachs von „nur“ 322%.

Doch angesichts einer zu erwartenden anhaltenden Stärke des Goldpreises, jetzt da sowohl Europa als auch die USA mit massiven Schuldenkrisen zu kämpfen haben, und steigender Nachfrage aus Ländern wie Indien und China, sehen einige Analysten eine Chance in dieser Underperformance.

John Licata, CEO und Chefinvestmentstratege von Blue Phoenix Inc, weist darauf hin, dass, obwohl es mit Sicherheit ein Ungleichgewicht bei der Bewertung der Goldbranche gebe, es auch wichtig sei zu sehen, welche Margen die Goldfirmen ausweisen. Viele Goldunternehmen würden ihre Berechnungen nicht auf Basis eines Goldpreises von 1.500 USD je Unze anstellen, sondern ihre Kalkulationen noch auf Basis eines Goldpreises von 1.000 USD anstellen. Das bedeutet nach Ansicht von Licata, dass noch eine Menge ungehobenes Potenzial im Goldsektor besteht.

Auch die Analysten von Dundee Capital Markets sind der Ansicht, dass im Goldsektor Werte zu heben sind. Sie sprechen sogar von „Schnäppchenpreisen“. Ihre Analyse deute darauf hin, so die Experten, dass die meisten Goldproduzenten zu niedrig bewertet seien und zurzeit deshalb exzellente Investmentchancen darstellen würden. Sie empfehlen Goldaktien überzugewichten, jetzt da der Sommer bald zu Ende gehe und der Herbst beginne. Dieser sei traditionell eine gute Zeit, um Goldaktien zu besitzen.

Von den 17 Goldaktien, die Dundee beobachtet, bewerten die Analysten 2 mit „neutral“ – Goldcorp und Eldorado Gold – und 14 mit „kaufen“: Barrick, Kinross, Agnico-Eagle, Yamana, IAMGOLD, Osisko, Allied Nevada, AuRico Gold, Kirkland Lake Gold, San Gold, Aurizon Mines, International Minerals und Aura Minerals. Für Dundee Precious Metals hat man kein Rating vergeben.

Und auch RBC Capital Markets erklärte in der vergangenen Woche, dass Goldaktien relativ zum Goldpreis unterbewert seien. Von den Produzenten der ersten Reihe seien die meisten 10 bis 20% unter ihrem 52-Wochenhoch. Das größte Potenzial für Kursgewinne sieht RBC bei AngloGold Ashanti, Gold Fields und Kinross Gold . In der zweiten und dritten Reihe weist RBC auf einige Goldfirmen mit niedrigeren Bewertungen, die rund 30% unter ihrem 52-Wochenhoch notieren.

Jaguar Mining, Centamin Egypt und Great Basin Gold allerdings hätten zwar 55 – 70% Potenzial bis zu ihrem jeweiligen 52-Wochehoch, doch gebe es bei diesen Unternehmen spezifische Gründe für die schwache Entwicklung des Aktienkurses. Deshalb seien dies auf kurze Sicht vielleicht nicht die attraktivsten Investments. Man ziehe eine Gruppe von Unternehmen vor, die aus Agnico-Eagle, Alamos Gold und Lake Shore Gold bestehe. Diese hätten kurzfristig bessere Aussichten von einem möglichen Aufschwung der Goldaktien zu profitieren.

Abschließend erklärt die Bank in Bezug auf die volatileren, noch nicht produzieren den Goldaktien, dass man beobachte, dass einige der aktiver gehandelten Aktien sich ihren 52-Wochenhochs nähern würden und andere erhebliche Zuwächse (+50%, +100%) in Richtung ihrer Hochs erzielen würden. Die Favoriten von RBC aus dieser Gruppe sind East Asia Minerals, Premier Gold und Sabina Silver&Gold.

Es ist allerdings – trotz der offensichtlichen Ungleicheit in der Bewertung von Gold und Goldaktien – wichtig darauf hinzuweisen, dass sich das Investitionsklima in den vergangenen fünf Jahren erheblich verändert hat. Zum einen sind die so genannten ETF (Exchange Traded Funds) auf der Bühne erschienen, die potenziellen Investoren eine weitere Möglichkeit verschafft haben, sich auf dem Goldmarkt zu bewegen. Und es ist schon beeindruckend, wie viel Kapital von Anfang an in diese Instrumente floss. Es steht außer Zweifel, dass zumindest ein Teil dieses Geldes sonst in Goldaktien geflossen wäre.

Und zum anderen, da Goldaktien mehr und mehr zum Mainstream geworden sind und weniger spezialisierte Anleger sich für sie interessieren, wird es schwieriger die hohen Aufschläge zu rechtfertigen, die diese Papiere vor allem in der Vergangenheit erhalten haben. Nicht nur, weil der standhafte Glaube an immer höhere Goldpreise so nicht mehr vorhanden ist, sondern auch, da die Kosten auf Grund tieferer Minen und höherer Rohmaterialkosten deutlich gestiegen sind. So schrumpfen dann auch die Margen, die die Goldfirmen erzielen können.

Abschließend: Während ein höherer Goldpreis höhere Gewinne bedeutet, bedeutet er auch eine gesunkene Wahrscheinlichkeit für weitere, signifikante Zuwächse. Das sieht auf einem Niveau von 1.600 USD pro Unze anders aus als bei 250 USD pro Unze Gold.

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