Kolumne von Florian Grummes

Silber: Von einer Trendwende sind wir weit entfernt

Silber in USD

Erwartungsgemäß konnte sich der Silberpreis in den letzten vier Wochen bis in meine Zielzone zwischen 17,20US$ – 17,50US$ nach oben arbeiten und erreichte vor fünf Handelstagen bei 17,35US$ ein markantes Hoch.

Die Aufwärtsbewegung entstand allerdings unter großen Schwankungen. Vor allem der Montag nach der Abstimmung über die Schweizer Goldinitiative dürfte in Erinnerung bleiben. In den frühen Morgenstunden wurde Silber zunächst panikartig bis auf 14,15US$ ausverkauft, nur um dann für den Rest des Tages bis auf 16,69US$ zu explodieren. Damit wurde an einem Handelstag zunächst der tiefste Stand seit August 2009 markiert, gleichzeitig gelang aber auch mit zwischenzeitlich +15% einer der größten Tagesgewinne aller Zeiten. Im Anschluss lief der Silberpreis zunächst seitwärts. Heute vor einer Woche folgte dann der Sprung über die Marke von 17.00US$. Zu Beginn der laufenden Handelswoche meldeten sich die Bären jedoch wieder zurück und drückten die Notierungen deutlich in der Spitze bis auf 15,53US$ tiefer.

Damit sollte klar geworden sein, dass die volatile Erholung in den letzten Wochen vor allem auf einer Schwäche der Bären begründet war und eben nicht auf einer Stärke der Haussiers. Zahlreiche spekulative Akteure hatten seit August ihre Wetten auf weiter fallende Gold- und Silbernotierungen ständig ausgeweitet und mussten diese in den letzten Wochen eindecken. Die Kursanstiege waren also vor allem von Leerverkaufseindeckungen (Shortsqueeze) getrieben. Natürlich kann damit auch ein Markt in die andere Richtung kippen und ein neuer Aufwärtstrend begründet werden. Bis jetzt fehlen dafür aber klare und nachhaltige Signale. Ich bin weiterhin der Meinung, dass die mittlerweile dreieinhalbjährige Baisse zumindest beim Goldpreis mit einem großen Paukenschlag in Form einer schnellen Umkehrformation beendet werden müsste. Dahinsiechende Kurse mit gelegentlichen steilen Kursanstiegen sind eher ein Indiz dafür, dass die Bären weiterhin am Steuer sitzen.

Auf dem logarithmischen Monatschart für den Silberpreis kam es tatsächlich zu dem Rücklauf an die gebrochene blaue Aufwärtstrendlinie. Die Situation spitzt sich hier langsam aber sicher zu, denn ein Ausbruch über 17,35US$ müsste nun einen Anstieg bis an die rote Abwärtstrendlinie (aktuell ca. 22,00US$) nach sich ziehen. Davon ist der Silberpreis mittlerweile aber wieder weit entfernt. Gleichzeitig ist der Platz unter der blaue Aufwärtstrendlinie (aktuell ca. 17,40US$) und dem unteren Bollinger Band (15,34US$) ziemlich eng. Gut möglich, dass Silber auf Sicht der nächsten Wochen erst einmal in dieser Range gefangen bleibt. Allerdings wurde das untere Bollinger Band in den letzten Wochen nach unten aufgebogen, so dass es an stützender Kraft verloren hat und der Silberpreis hier jetzt theoretisch auch nach unten rutschen könnte. Bei den Indikatoren ergeben sich widersprüchliche Signale. Während sich der "MACD"-Indikator von einem Kaufsignal wieder entfernt hat, bewegt sich der "RSI" klar im Bärenmarktmodus. Die "Stochastik" jedoch dreht mit völlig überverkauften Werten nach oben. Insgesamt verharrt der Monatschart weiter klar im Abwärtstrend. Allerdings ist doch absehbar, dass 2015 das Jahre der Trendwende werden sollte. Das verbleibende Abwärtsrisiko beim Silberpreis ist mittlerweile sehr begrenzt.

Auf dem Wochenchart ist gut zu erkennen, dass die wichtige Unterstützungszone um 15,00US$ bisher trotz dem "Schweizer"-Ausreißer klar gehalten hat. Das ist grundsätzlich schon mal ein positives Zeichen. Auch die Indikatoren machen einen leicht hoffnungsvollen Eindruck. Der "MACD" steht kurz vor einem Kaufsignal, der "RSI" hat sich dynamisch aus der überverkauften Zone nach oben gearbeitet und die "Stochastik" hat ein Kaufsignal geliefert. Dennoch verläuft der Silberpreis auch hier weiterhin in einem klar definierten Abwärtstrendkanal. Eine eher unwahrscheinliche Erholung könnte bis an das gebrochene Dreieck (ca. 18,20US$) laufen. Realistischer ist aber eine Fortsetzung des Abverkaufes bis an die Zone um die 15,00US$. Ein Unterschreiten der Marke von 14,00US$ sehe ich eigentlich nicht mehr, allerdings wäre ein zweiter Test der Kurstiefen zwischen 14,00-15,00US$ auf Sicht der kommenden Monate durchaus realistisch. Zusammen mit einem dann tieferen Goldpreis (ca. 1.030,00US$) könnte dies schließlich das Ende der Baisse bedeuten.

Kurzfristig, und damit sind wir beim Tageschart, hat der Silberpreis gestern nicht nur den jungen Aufwärtstrend gebrochen, sondern auch den seit Mitte Juli etablierten Abwärtstrendkanal nach unten verlassen. Auch die 50-Tagelinie (16,58US$) ist bereits wieder ein gutes Stück entfernt. Allesamt keine guten Vorgaben. Stützend dürfte auf dem aktuellen Preisniveau das untere Bollinger Band (15,60US$) wirken. Der "MACD"-Indikator steht jedoch kurz vor einem Verkaufssignal und bestätigt damit die drohende Trendwende. Das "MACD"-Histogramm dreht schon seit mehreren Tagen nach unten. Der "RSI" ist eher neutral einzustufen, die Stochastik jedoch hat mit dem gestrigen Kurssturz den "embedded" Status verloren und ist nun überkauft. Sollte es im Umfeld der heutigen FED-Zinsentscheidung allerdings zu einer klaren Erholung kommen könnte der bullische "embedded" Status noch einmal zurückgewonnen werden. Insgesamt mehren sich die Zeichen, dass die Erholung der letzten sechs Wochen bereits beendet ist.

Trotz mehrerer Umkehrsignale, negativer Divergenzen sowie einer möglichen Schulter-Kopf-Schulter-Formation kommt das Gold/Silber-Ratio nicht in bullisches Fahrwasser. Der gestrige Handelstag war ein klarer Rückschlag, denn dass Ratio fiel erneut auf 76 Punkte zurück. Damit bewegt es sich wieder außerhalb der Bollinger Bänder. Erst Werte unterhalb von 70 würden die SKS-Formation bestätigen und ein Kursziel von ca. 62 Punkten aktivieren.

Der "Global X Silver Miners ETF" bildet den Sektor der Silberminenaktien sehr gut ab. Bereits seit knapp drei Wochen laufen die Silberaktien hier nach unten. Mit dem gestrigen Handelstag wurden die Tiefs von Anfang November wieder erreicht. Nun kommt es darauf an. Entweder gelingt hier ein typisches Doppeltief, dann müssten die Minenaktien allerdings zügig wieder nach oben drehen, oder die Korrektur geht mit neuen Tiefs weiter. Dies hätte natürlich negative Konsequenzen für den Silberpreis. Die positive Divergenz beim "RSI"-Indikator lässt jedenfalls durchaus die Hoffnung auf eine Trendwende nach oben zu.

Am Dienstag der vergangenen Woche hielten die kommerziellen Händler bei einem Schlusskurs knapp oberhalb von 17.00US$ genau 35.357 leerverkaufte Silberkontrakte. Damit hat sich die Lage an den Terminmärkten deutlich verschlechtert, denn die "Profis" haben – wie befürchtet – die Kurserholung der letzten Wochen dazu genutzt, ihre Shortpositionen mit hoher Geschwindigkeit wieder auszubauen. Gleichzeitig halten die spekulativen Marktteilnehmer mittlerweile die höchste Netto-Long Positionen seit Mitte August. Der aktuelle Commitment of Traders Report (CoT) gibt damit ein erstes Warnzeichen, auch wenn die Positionierungen noch nicht extrem sind.

Die Stimmung an den Edelmetallmärkten bleibt pessimistisch. Die zuletzt leicht optimistische Tendenz bei den Sentimentwerten für den Silberpreis wurde durch den Kurssturz der letzten beiden Handelstage beendet. Antizyklisch betrachtet liegt aber noch keine Panik vor. Positiv ist die Ausverkaufsstimmung bei den Goldminenaktien, welche die Chancen auf ein mögliches Doppeltief deutlich erhöht. Durch die leichte Erholung des Euros gegen den US-Dollar liegen hier keine Extremwerte mehr vor.

Die saisonale Perspektive hellt sich für die Edelmetalle im kommenden Monat deutlich auf. Mit einem durchschnittlichen Kursanstieg von 2,2% ist der Januar statistisch betrachtet der zweitbeste Monat im Jahr für den Silberpreis.

Silber in EUR

Auch in Euro kämpfte sich der Silberpreis in den letzten Wochen nach oben und erreichte letzte Woche wie erwartet die ehemalige Unterstützungszone um 14,00€. Die laufende Handelswoche jedoch brachte bis jetzt jedoch einen heftigen Rücksetzer.

Auf dem Wochenchart läuft €-Silber weiterhin im unteren Bereich des Abwärtstrendkanals. Die massive Unterstützungszone um 11,50€ wurde Anfang Dezember kurz getestet. Insgesamt verharrt €-Silber klar in der seit Mai 2011 laufenden Korrektur. Nachhaltige Trendwendesignale sind bis jetzt nicht auszumachen. Die Indikatoren sind allesamt als neutral einzustufen.

Der Tageschart ist durch den scharfen Abverkauf der letzten beiden Handelstage kurzfristig ins Negative gekippt. Der junge blaue Aufwärtstrendkanal wurde gestern unterschritten, während der rote seit Juli etablierte Abwärtstrendkanal weiterhin das Maß aller Dinge ist. Positiv ist die Tatsache, dass die Erholung der letzten Wochen immerhin in den Bereich zwischen dem 50% und 61,8%-Retracement vordringen konnte. Die Bullen sind also noch am Leben und der €-Silberpreis steht nicht kurz vor dem völligen Zusammenbruch! Bei den Indikatoren hat der "MACD" hat ein frisches Verkaufssignal erzeugt. Die Stochastik notiert zudem im überkauften Bereich.

Für die kommenden Wochen rechne ich eher mit bärischen Tendenzen und leicht tieferen Kursen. Erst ab Mitte Januar sollte wieder ein klarer Trend präsentieren. Bis dahin erwarte ich eine Seitwärtsbewegung zwischen 12,25€ und 13,00€.

Übergeordnet befinden uns sehr hoher Wahrscheinlichkeit im letzten Akt des Bärenmarktes. Sobald die Trendwende einsetzt, werden sie den schnell steigenden Kursen hinterherlaufen. Nutzen sie daher die niedrigen Kurse weiterhin konsequent zum Ausbau ihrer physischen Bestände. Mein Nachkauflimit senke ich leicht auf 12,75€.

Platin

In den letzten vier Wochen konnte sich der Platinpreis erwartungsgemäß über die 50-Tagelinie (1.233,97US$) bis an das obere Bollinger Band (1.253,54US$) erholen. Das maximale Erholungsziel in Form der massiven Widerstandszone um 1.300,00US$ wurde aber bis jetzt deutlich verfehlt. Nach dem crashartigen Kurseinbruch zwischen August und Anfang November hat sich der Platinmarkt mittlerweile beruhigt und pendelt in ein Dreieck hinein. In der Regel handelt es sich bei einem Dreieck um eine Fortsetzungsformation. Notierungen unterhalb von 1.190,00US$ würden daher wohl einen weiteren Preisrutsch einläuten, dessen erstes Kursziel bei 1.090,00US$ läge. Die Chancen stehen aber gut, dass sich der Platinpreis vorerst innerhalb des Dreiecks, also oberhalb von 1.195,00US$ und unterhalb von 1.240,00US$, bewegen wird.

Beim "MACD"-Indikator scheint sich ein neues Verkaufssignal anzubahnen. Der "RSI" als auch die "Stochastik" sind als neutral zu bewerten.

Insgesamt ist die Erholung der letzten Woche sehr schwach und ein eindeutiges Warnsignal, dass die Bären weiterhin am Steuer sitzen und den Platinpreis in den kommenden Monaten auf neue Tiefs drücken werden. Kurzfristig müsste die Konsolidierung aber weitergehen. Sollten die Bullen das Dreieck nach oben aufbrechen können, bleibt die Widerstandszone um 1.300,00US$ das logische im ersten Anlauf aber unüberwindbare Ziel.

Palladium

Palladium präsentiert sich trotz der scharfen Korrektur im September und Oktober erneut als das stärkste der vier Edelmetalle. Die wichtige 200-Tagelinie (818,31US$) ist hier weiterhin am steigen. Allerdings sind die Notierungen zu Beginn der laufenden Handelswoche wieder in die entscheidende breite Unterstützungszone um 800,00US$ abgerutscht. Letztlich läuft Palladium seit Anfang Oktober mit leichtem Aufwärtsdrall volatil seitwärts.

Zur Stunde befindet sich der Palladiumpreis ziemlich genau an der 50-Tagelinie (785,15US$). Eine weitere Unterstützung bietet das untere Bollinger Band (768,08US$) eine Etage tiefer. Wichtig auf Sicht der kommenden Wochen ist jetzt, dass die mehrjährige Aufwärtstrendlinie (aktuell ca. 755,00US$) nicht unterschritten wird, sonst droht eine Ausweitung der Korrektur mit ersten Kurszielen bei 700,00US$. Auf der Oberseite stoppt die obere Begrenzung des Trendkanals (aktuell ca. 825,00US$) jegliche Kursavancen der Bullen.

Das frische "MACD"-Verkaufssignal sowie die seit Jahresbeginn immer deutlicher werdenden negativen Divergenzen beim "RSI" lassen auf einen baldigen erneuten Test der Aufwärtstrendlinie um 760,00US$ schließen. Da vom Terminmarkt derzeit aber kaum Gefahr ausgeht, sollte Aufwärtstrend zunächst verteidigt werden können.

Zusammenfassung & Konklusion

Nach der erwarteten aber bis jetzt doch überschaubaren Erholung hat sich das Bild in den letzten Tagen wieder deutlich eingetrübt. Von einer bestätigen Bodenbildung oder Trendwende nach oben sind wir sowohl beim Gold als auch beim Silber weit entfernt. Solange der US-Dollar stark bleibt wird den Edelmetallen auf Sicht der nächsten Wochen bestenfalls eine Seitwärtsbewegung gelingen.

Chart 16 Zusammenfassung 171214-1

Vor allem beim Gold gehe ich weiterhin von tieferen Kursen in der ersten Jahreshälfte 2015 aus. Für den Silberpreis bleibe ich etwas optimistischer und vermute, dass Silber das absolute Preistief der dreieinhalbjährigen Korrektur bei 14,10US$ bereits gesehen haben könnte. Ein erneuter Rückfall Richtung 15,00US$ muss aber eingeplant werden.

Übergeordnet näheren wir uns mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dem Ende des Bärenmarktes. Erst für den Sommer 2015 sehe ich derzeit die Geburt eines neuen Bullenmarktes. Bis dahin gilt es, Schritt für Schritt weiter physisches Material zu akkumulieren.