Die Wiederaufbereitung, also das Recycling, von Gold aus Industrieabfällen wie Handys, Computer, oder Schmuck, Bruchgold und aus anderen Bereichen ist ein eminent wichtiger Faktor bei der gesamtheitlichen Betrachtung des Goldmarktes. Denn die produzierenden Minen schaffen nur zum Teil eine Deckung des Gesamtbedarfes. Der Rest kommt eben aus dem Recycling. Ohne diesen Markt zu berücksichtigen sind alle Aussagen zu globalen Minenproduktionen und weltweiten Käufen nur halb so wertvoll.

Wer, wenn nicht das World Gold Council (WGC) ist imstande, durch seine globalen Erhebungen und Statistiken den Interessierten einen besseren Überblick zu verschaffen. Am 5. März 2015 hat das WGC zu diesem Markt eine eigene Studie veröffentlicht, die wesentlich dazu beiträgt die aktuelle Situation aber auch kommende Trends ´nicht nur zu verstehen sondern auch als Trendvorschau für mittel- bis langfristige Investorenentscheidungen nutzen zu können.

Als Basis und Vorbereitung dieser Studie sollte man den Trend der Minenproduktionen parallel betrachten, denn beide Teile – also Produktion plus Recycling – bilden zusammen erst einen gültigen Überblick. Wie die Trendvorschau zur Goldproduktion in den kommenden Jahren gesehen werden kann, haben wir Ihnen bereits in einem früheren Bericht am erläutert.

Da von fallenden Produktionsgrößen ab 2016 gerechnet werden kann, erhebt sich natürlich die Frage, ob und in welchem Ausmaß Gold aus dem Recycling imstande ist und sein wird, den fehlenden Bedarf zu bedecken. Immer natürlich unter der Voraussetzung, dass der Kaufwille der großen Käufer weiterhin ungebrochen bleibt, und wir von zumindest gleichbleibenden bis leicht steigenden Abnahmen rechnen dürfen.

Welche Mengen werden durch Recycling gewonnen?

Betrachtet man die letzten statistischen Auswertungen, so betragen die jeweiligen Größenordnungen für die letzten 3 Jahre:

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Die nachstehende Grafik, auch wenn sie noch für eine andere Aussage dient, zeigt in der 10-Jahresübersicht sehr deutlich, dass rund ein Drittel des Angebotsmarktes aus dem Recycling stammt.

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Interessant ist, wenn man die oben angeführte 3-Jahresstatistik und die vorstehende Grafik parallel vergleicht, dass speziell mit dem steigenden Goldpreis im den Jahren 2004 bis 2009 die Wiederverwertung von Gold anstieg und ihren Höhepunkt im Jahr 2009 erlebte. Gleichzeitig sieht man aber auch, dass in den Jahren ab 2010 der Goldpreis zwar weiter stieg, die Recyclingmengen aber abnahmen. Analysten schreiben dies der Tatsache zu, dass infolge des Crashes im Jahr 2008 und den damit einhergehenden Investorenverlusten viele Anleger versuchten ihre Barbestände durch Verkauf von Bruchgold oder Altgold in Zeiten guter Goldpreise aufzubessern. Ein typischer Trend für schlechte Wirtschaftszeiten. Die danach folgenden Jahre mit fallenden Anteilen am Gesamtnachschub für Gold sehen die Experten als klares Zeichen für eine sich erholende Wirtschaft und somit weniger Zwang sich durch Verkauf von Altgold finanzieren zu müssen.

Woher stammt das Gold für Recycling und welche Märkte nehmen es auf?

Einen Gradmesser für eventuelle Trends bieten die Ströme, die durch Wiederaufbereitung von Gold abgeleitet werden können. Dazu ist es jedoch notwendig zu erfahren woher das Gold für diesen Prozess stammt und wohin es nach Aufbereitung wandert.

Dies leitet sich natürlich von den Gesamtmengen, die am Markt vertreten sind ab, wofür die nachstehende Grafik einen guten Überblick bietet.

Gold nach Sparten

Nicht nur die Veränderungen im 10-Jahresvergleich, sondern auch durch die Aufteilung in Sparten ist leicht zu erkennen, dass der Juweliersmarkt der eindeutig stärkste ist, gefolgt vom privaten und dem industriellen Besitz. Diese sind es auch, die den Großteil des Goldes auf den Markt bringen, der durch Recycling aufbereitet und dem Markt anschliessend wieder zur Verfügung gestellt wird. Diese Sparten sind es auch, die zu überwiegendem Maße die Mengen auch wieder abnehmen. Ob die Käufe der Nationalbanken auch Gold aus dem Recyclingzyklus beinhalten wird in keiner offiziellen Statistik erfasst.

Welchen Markteinfluss hat Gold aus Recycling?

Was natürlich in den Statistiken vom WGC nicht enthalten ist, sind ableitbare Erkenntnisse für Trendvorschauen und Zusammenhänge mit der Bergbausituation. Daher wagen wir vom Miningscout hier eine Zusammenführung von Tatsachen um zu künftigen Trends kommen zu können.

Wie man aus obiger Darstellung erkennen kann, so fallen in Zeiten guter konjunktureller Lage die Mengen an Gold für Recycling. Geht man nun von einer sich global langsam erholender Weltwirtschaft aus, so würde dies bedeuten, dass in den kommenden Jahren die Recyclinganteile an der gesamten zur Verfügung stehenden Jahresmenge an Gold weiter schrumpfen sollten. Setzt man dies in Kontex zu den zu erwartenden geringeren Produktionsmengen ab 2016, so sollten sich die gesamt verfügbaren Goldmengen insgesamt reduzieren. Von einer aktuen Verknappung kann man noch nicht sprechen, denn dazu müssten die Käufe der östlichen Hemisphere, allen voran China und Indien, weiter auf so hohem Niveau verbleiben wie bisher. Auch wenn dies angenommen werden darf, so ist dies doch eine aus heutiger Sicht unkalkulierbare Größe. Geht jedoch der eingeschlagene Trend weiter, so kommt es unweigerlich zu einem sich langsam aufbauenden Angebotsdefizit, was aus unserer Sicht vorteilhaft für den Goldpreis sein würde.

Setzen sich jedoch die von den Politikern verkündeten positiven Signale nicht in der Realwirtschaft durch, so dürften auch zu niedrigeren Goldpreisen viele Anleger dazu gezwungen sehen Gold in Geld zu tauschen, da Cash in Krisenzeiten zum Überleben notwendiger ist als der Besitz von Edelmetallen. In diesem Fall würden sich die Recyclingmengen wieder erhöhen und das Angebotsdefizit der Minen ausgleichen. Auch ist es hier fraglich, ob dann die Staatsbanken ihren Trend der massiven Käufe fortsetzen werden. Diese Entwicklung würde insgesamt negativ auf Gold und seine Kursbildung wirken.

Da jedoch, egal welches Wirtschaftsszenario vorherrschen wird, der Anteil aus dem Goldreycling zwischen 25 und 40 Prozent liegen sollte, so ist es klar, dass diese Menge immer das Zünglein an der Waage bedeutet und maßgeblichen Enfluß auf den Goldmengenumsatz und der Preise für dieses Edelmetall haben wird.

Daher finden wir es absolut richtig, sich regelmäßig über den Recyclingmarkt zu informieren, auch wenn er zumeist nur wenig Beachtung findet. Erst die geamtheitliche Betrachtung des Goldmarktes, also auch die des Recyclingmarktes lässt Aussagen über Trends zu und danach handeln. Auch hier gilt: Der Trend ist dein Freund.