Die Stahlbranche sorgt weltweit wieder für Sorgen an den Börsen. Das ist vor allem auf die Entwicklungen in China zurückzuführen. Das Land ist mit Abstand der wichtigste Produzent und Konsument von Stahl und damit auch von dessen wichtigsten Ausgangsstoffen, Eisenerz und Kohle. Kein Wunder also, dass die ohnehin sehr konjunktursensitiven Preise für diese Rohstoffe sehr empfindlich auf Nachrichten aus dem asiatischen Land reagieren.

Diese Nachrichten waren zuletzt, was die chinesische Konjunktur betrifft, negativ. Natürlich wächst die chinesische Ökonomie weiterhin deutlicher, als man dies zum Beispiel von europäischen Daten gewohnt ist. Dass die Wachstumsraten in einer langjährig boomenden Wirtschaft nach und nach schrumpfen, ist ein natürlicher Verlangsamungsprozess, der auf dem mathematischen Basiseffekt beruht. Dennoch haben die chinesischen Konjunkturdaten der vergangenen Wochen am Markt für deutliche Ernüchterung gesorgt.

China fällt Ankurbelung der Wirtschaft immer schwerer

Immer deutlicher wird, dass die Wachstumserwartungen der letzten Jahre für die chinesische Konjunktur viel zu hoch gegriffen waren. Der optimistische Ausblick hat für einen gewaltigen Kapazitätsaufbau in der Rohstoffbranche gesorgt, mit dem die Branche die erwartete Nachfrageschwemme bewältigen wollte. Zusammen mit der allerdings ausbleibenden Nachfrage aus China sorgen unter anderem diese Überkapazitäten für einen gewaltigen Druck auf die Preise zum Beispiel für Eisenerz. Da es der chinesischen Regierung durch die Schuldenprobleme im Land immer schwerer fällt, die Wirtschaft anzukurbeln, wenn sie unter ein bestimmtes Mindestwachstumsniveau zu fallen droht, nehmen die Sorgen am Markt mehr und mehr zu. Da das Problem der faulen Kredite in China größer wird, könnten auch die Sorgen weiter wachsen.

Längst befinden sich die Eisenerzpreise wieder auf Talfahrt. Zuletzt ist der Preis für eine Tonne 62-prozentiges Eisenerz, das im chinesischen Hafen Tianjin ankommt, wieder unter die Marke von 100 Dollar gefallen. So schlecht stand der Preis für den Rohstoff zuletzt im Jahr 2012, es folgte ein größerer Anstieg auf mehr als 150 Dollar. Zu keinem Zeitpunkt im vergangenen Jahr drohte der Preis unter die 100-Dollar-Marke zu fallen. Das zeigt, wie dramatisch der Preisrutsch ist, der Ende 2013 eingesetzt hat. Auch andere der diversen asiatischen Eisenerz-Benchmarks zeigen einen starken Preisdruck, so zum Beispiel der Terminmarkt und die Börse in Singapur.

Weiterer Preisrutsch beim Eisenerz befürchtet

Der Preisrutsch unter die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar birgt natürlich weitere Risiken für den Markt. Die Abwärtsbewegung bei den Eisenerzpreisen ist intakt, von einem Trendbruch ist bisher keine Spur. Der offensichtliche Pessimismus und die Nachfrageschwäche könnten die Kurse weiter unter Druck bringen. Daher scheint es alles andere als unmöglich, befürchten Marktinsider, dass Eisenerz noch einmal in Richtung der Marke bei 86,70 Dollar fallen könnte – hier drehte im Jahr 2012 der Trend wieder nach oben, es kam anschließend zu starken und schnellen Gewinnen.