Der Goldpreisanstieg, der seit Ende 2013 zu sehen ist, hat viele Marktteilnehmer überrascht. Von 1.182 Dollar ging es für die Feinunze des Edelmetalls bis auf knapp 1.355 Dollar nach oben, allerdings stockt hier die Aufwärtsbewegung seit Anfang März sichtlich. Um 1.350/1.355 Dollar ist Widerstand zu sehen, der aus charttechnischer Sicht bis 1.362 Dollar weitergehen dürfte. Ein Ausbruch hierüber und bestätigend über 1.375/1.385 Dollar könnte den Goldpreis weiter in Richtung 1.414/1.434 Dollar klettern lassen.

Längst rätseln Marktbeobachter, was diesen Anstieg tatsächlich ausgelöst hat. Deckungskäufe short positionierter Anleger sind sicherlich ein Faktor, ebenso die Hoffnung, dass die US-Notenbank Fed ihre expansive Geldpolitik nicht so stark wie angekündigt zurückfahren kann, weil die US-Wirtschaft zu schwach ist. Peter Rosenstreich, Chief FX Analyst bei Swissquote, sieht einen untypischen Anstieg des Goldpreises ohne große Schwankungen, der zudem lange gültige saisonale Muster außer Kraft gesetzt hat. Darüber hinaus hätte die Politik der neuen Fed-Chefin Janet Yellen für Goldverkäufe sorgen müssen. Seiner Meinung nach ist das Plus beim Goldpreis vergänglich, denn die Faktoren, die zum Anstieg beigetragen haben, sind nicht nachhaltig – trotz weiter expansiver Politik der Fed und der EZB.

Kann China die ETF-Schwäche ausgleichen?

Laut Rosenstreich geht es der Weltwirtschaft aber nicht so schlecht, wie es jüngste Daten suggerieren. Der Experte geht daher davon aus, dass die Fed „weiter auf eine Straffung zusteuert“. Zudem rechnet Rosenstreich nicht damit, dass die Gold-Schnäppchenkäufe aus Asien Lücken stopfen können, die in der letzten Zeit durch die Abflüsse aus Exchange Traded Funds (ETF) entstanden sind. Für einen nachhaltigen Goldpreisanstieg fehlen dem Analysten zudem deutlichere Zuwächse bei den Long-Positionierungen am Terminmarkt. Davon sei nichts zu sehen.

Die Lage am Goldmarkt kann man freilich auch völlig anders einschätzen. Zu den Gold-Bullen gehört Zweifels ohne Charles Oliver, Portfoliomanager bei Sprott Asset Management LP. Oliver verweist auf den enormen und ungebrochenen Anstieg der Goldnachfrage aus China. Wenn dieser Trend so weiter gehe, werde China rund die Hälfte der weltweiten Produktion von Goldbergwerken importieren. Oliver geht davon aus, dass große Teile der Abflüsse aus Gold-ETFs nach China gewandert sind. Zudem verweist der Fondsmanager auf die enorm gefallenen Goldlagerbestände an der US-Terminbörse COMEX. Das berge für die „Gold-Shorties“ Risiken, dass irgendwann einmal nicht so viel Gold geliefert werden kann, wie aus Terminkontrakten angefordert wird.

Für Oliver steht fest, dass der Goldpreis enormes Aufwärtspotenzial hat. Dabei vergleicht der Manager die Feinunze mit den Bewertungen am Aktienmarkt und historischen Verhältnissen des Dow Jones mit dem Preis der Feinunze Gold. In einer Situation ähnlich zum Goldpreispeak im Jahr 1980 könnte die Feinunze auf Preise von 5.000 Dollar steigen, glaubt der Experte – vielleicht sogar darüber hinaus. Als Zeitfenster gibt Oliver „einige Jahre“ an. Ausufernde Verschuldungen und die heiß laufenden Gelddruckmaschinen der Notenbanken sollen dabei den Goldpreis treiben, das Ganze wird nach Ansicht des Sprott-Fondsmanagers durch demographische Faktoren verschärft und durch eine steigende Goldnachfrage weiter auf die Spitze getrieben. Doch selbst wenn nur ein Teil dieser Hausse sich tatsächlich realisiert, wäre das für Gold-Bullen schon mit guten Gewinnen verbunden.