Es gibt ein großes Geheimnis am Goldmarkt: Wie viel Gold hortet die chinesische Notenbank? Die Bestände von 1.054 Tonnen, die bekannt sind, dürften längst überholt sein, die Zahl veraltet. Doch wie viel der immensen Devisenreserven haben die Währungshüter der asiatischen Boomnation wirklich im Gold geparkt? Niemand weiß es genau und die Chinesen wissen, warum sie die Zahl geheim halten. Hohe chinesische Goldinvestitionen könnten vom Markt als Misstrauensvotum gegen den Dollar interpretiert werden. Damit würde sich China als größter Gläubiger der USA letztendlich selbst schädigen.

Dennoch warten die Anleger am Goldmarkt mit Spannung auf neue Daten. Im Interview mit Shanghai Daily wagt Albert Cheng, Managing Director beim World Gold Council für die Region Ferner Osten, eine Schätzung, zumindest was die Goldbestände bei chinesischen Bürgern angeht. Diese sollen zwischen 4.000 Tonnen und 5.000 Tonnen liegen, glaubt Cheng, aufgehäuft in den zehn Jahren seit der Liberalisierung des Goldmarktes in China.

China nutzt Goldpreis-Rutsch 2013

Zu einem nicht unwesentlichen Anteil an den Beständen dürfte die Kaufwut in der ersten Jahreshälfte 2013 beigetragen haben. Da haben Chinesen den Kurssturz ausgenutzt, den institutionelle Anleger mit ihrer Flucht aus dem Gold insbesondere im April ausgelöst haben. Die Statistiken zeigen für das zweite Quartal 2013 hohe Abflüsse aus Gold-ETFs, gleichzeitig sei, so Cheng, unter den chinesischen Anlegern eine Art Schlussverkaufsstimmung zu spüren gewesen.

Für den Goldpreis wird China eine immer wichtigere Rolle spielen, glaubt Cheng. Rund die Hälfte der jährlichen Goldnachfrage stammt aus dem Schmuckbereich – hier werden die Chinesen mit der zunehmenden Finanzkraft vor allem der Mittelschicht immer wichtiger. Hinzu kommt, dass die Bedeutung von China als Finanzplatz auch für den Goldhandel größer wird. Derzeit ist das Land bereits der größte Förderer des Edelmetalls.

China muss den Goldmarkt weiterentwickeln

Zum einen bleibt der Einfluss auf den Goldpreis, den die chinesische Notenbank ausübenkann, wenn sie einmal aktuell über ihre Bestände informieren würde. Cheng geht davon aus, dass eine solche Nachricht den Preis der Feinunze nach oben treiben würde. Zudem, so Cheng, sei der chinesische Goldfinanzmarkt auch zehn Jahre nach der Öffnung noch in den Anfangsstadien eines entwickelten Finanzplatzes. Die Liberalisierung habe sich zudem vor allem auf die Auswirkungen auf den Konsum orientiert, so der Regionalverantwortliche des World Gold Council.

China als Finanzplatz müsse nach Meinung des Gold-Branchenvertreters fortschrittlichere Mechanismen und Produkte auf dem Heimatmarkt zulassen. Alternativ könne China eine Infrastruktur aufbauen, die ausländischen Marktteilnehmern in Kooperation mit den lokalen Institutionen den Aufbau eines solchen Finanzmarktes ermögliche, zum Beispiel im Rahmen einer speziell abgesicherten Freihandelszone in Shanghai, um eventuellen negativen Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft vorzubeugen.