Der Jahreswechsel rückt näher und damit auch für Investoren die Frage, wie sie sich im kommenden Jahr verhalten sollen. Das gilt vor allem für den von enormen Unsicherheiten geprägten Goldmarkt. Mehr als zwei Jahre Baisse beim Feinunzenpreis haben ihre Spuren hinterlassen. Doch es gibt Chancen auf eine Wende, immerhin kann sich der Goldpreis an der wichtigen Unterstützungszone oberhalb des Baissetiefs bei 1.180 Dollar stabilisieren.

Auf der jüngsten Branchenmesse Mines & Money, auf der auch die Miningscout-Redaktion vertreten war, dominierte insgesamt die Zuversicht, dass man vor wieder besseren Zeiten steht. Dabei musste nicht einmal die Charttechnik bemüht werden. Auf den Panels, in denen es um den Goldpreis ging, dominierten andere Themen, allen voran die US-Notenbank, ihr Quantitative Easing und vor allem der geplante Ausstieg aus der Liquiditätsflut für die Märkte, bekannt geworden als „Tapering“.

Warnende Stimmen zur Politik der US-Notenbank

In den Diskussionsrunden waren die Optimisten nicht unter sich. Trotz der deutlichen Verluste beim Feinunzenpreis gibt es weiterhin warnende Stimmen. Eine solche gehört Kunal Shah, der Head of Commodity Research von der indischen Nirmal Bang. Shah warnt vor möglichen weiteren Kursverlusten bei der Feinunze Gold bis an die 1.000-Dollar-Marke, ausgelöst durch das angedachte Tapering-Programm der US-Notenbank Fed. Wann und in welchem Ausmaß dies konkret starten wird, ist allerdings weiterhin unklar.

Shah, und genau das war natürlich zu erwarten, wurde von anderen Diskussionsteilnehmern heftig widersprochen. Noch immer gibt es bei einigen Marktbeobachtern reichlich Zweifel daran, dass die Fed überhaupt mit dem Tapering starten kann. Zu sehr hängt der Markt, so die Argumentation, derzeit an den monatlichen, milliardenschweren Liquiditätsspritzen der Fed. Würden diese dem Markt nicht mehr in der aktuellen Höhe zur Verfügung gestellt, würden die Aktienkurse einbrechen und die US-Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen.

Das aber wäre genau das Gegenteil dessen, was die Fed eigentlich erreichen will. Für ihre Politik erhalten die Notenbank-Manager aus der Goldbranche ohnehin keine guten Noten. Michael Belkin, Autor des Belkin Report, bezeichnet sie schlicht als Wahnsinn. Die Fed-Manager hätten mit Quantitative Easing unter anderem an der Aktienbörse eine Blase geschaffen, kritisiert Belkin – Ausweg unbekannt. Gold dagegen leidet seit mehr als zwei Jahren unter dem Favoritenwechsel zum Aktienmarkt, den die Liquiditätsflut im Jahr 2011 ausgelöst hat.

Goldmarkt: Der Schwanz wackelt mit dem Hund

Die Baisse beim Goldpreis stellt nun mehr und mehr Goldförderer vor Probleme. Die Preise sind schlicht zu niedrig, um rentabel zu fördern und zugleich neue Goldvorkommen zu entdecken und zu erforschen, mit denen die zukünftige Produktion sicher gestellt wird. Gleichzeitig findet eine enorme Nachfrage nach physischem Gold statt. Zugleich sorgt vor allem der Gold-Terminmarkt für fallende Preise des Edelmetalls. Dass der Schwanz, sprich Terminmarkt, mit dem Hund, sprich dem physischen Gold, wackelt, dürfte indes ein temporäres Problem sein. Und so könnten der Nachfrageboom aus Asien sowie der Angebotsengpass in der nächsten Zeit enorm wichtige Faktoren werden, wenn es um den Feinunzenpreis geht.