Am 10. September wurde die Zusammenfassung der auf den 8. September 2014 datierten Ressourcenschätzung für das Pinion Gold Projekt von Gold Standard Ventures veröffentlicht. Dabei nennt APEX Geoscience Ltd. aus Edmonton, Canada eine angezeigte Ressource von 423.000 Unzen Gold (20,84 Mt @ 0,63 g/t Au) sowie eine vermutete Ressource von 1.022.000 Unzen Gold (55,93 Mt @ 0,57 g/t Au) unter Einbeziehung eines Cut-Off-Gehaltes von 0,14 g/t Au. Grund genug für das Team von Miningscout, die Lizenzgebiete von Gold Standard Ventures vor Ort genauer unter die Lupe zu nehmen.

Im Anschluss an die Ankunft am Flughafen in Salt Lake City wurde die Reise Richtung Nevada auf vier Rädern fortgesetzt. Nach der Durchquerung der Salzwüste kündigte sich der „Silver State“ mit aus der Ebene empor ragenden Bergen und der Neonreklame diverser Casinos an, ein Bild, das bis in die vom Bergbau geprägte Stadt Elko erhalten blieb.

Bei der Annäherung an Elko wurde der Übergang von einer schwach besiedelten Landschaftsidylle hin zu einer florierenden Region deutlich, charakterisiert durch zahlreiche Güterzüge und LKW, Niederlassungen von Liebherr und Caterpillar zur Bereitstellung von Bergbauequipment sowie durch die Abraumhalden historischer und aktiver Minen in den Flanken der Berge der Umgebung. Und auch die mit kleinen orangen Fahnen ausgestatteten Pick-Up Trucks der großen Konzerne Barrick und Newmont wurden zu einem vertrauten und nahezu allgegenwärtigen Anblick.

Und so war es keine Frage zum Auftakt den nördlichen Ausläufer des Carlin-Trends zu besichtigen, um sich einen Überblick über die Flaggschiffprojekte von Newmont (unter anderem Carlin und Leeville) und Barrick (u.a. Goldstrike, Betze-Post und Meikle) zu verschaffen.

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Überblick über die Flaggschiffprojekte von Newmont (unter anderem Carlin und Leeville) und Barrick (u.a. Goldstrike, Betze-Post und Meikle)

Und bereits kurz nach der Ankunft wurde die Strategie der Branchengrößen ersichtlich. Zahlreiche Straßen und Bohrplätze in den an die Minen angrenzenden Hügeln sowie aktive Bohrgeräte lassen nur eine Schlussfolgerung zu: Die großen Produzenten sind auf der Suche nach neuen Goldvorkommen!

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Bohrgerät von Newmont und Barrick

Und obwohl sich bereits Mine an Mine reiht, scheint selbst hier unter den Hügeln noch ausreichend Potential vorhanden zu sein, um die Explorationsteams zu aktivieren.

Entlang der Straßen fällt auf, dass die überwiegend weißen bis gelblichen Ton-Schluffsteine hier intensiver geklüftet und gebrochen sind und auf den Trennflächen rotbraune Ablagerungen von Eisenoxiden aufweisen. Auch die eingerichteten Bohrplätze zeigen diese auffällige Färbung im angeschnittenen Untergrund, die unter anderem durch die Alteration mit heißen Fluiden sowie auch durch die Oxidation von Sulfidmineralen zustande kommen kann. Die schiere Anzahl der Bohrungen sowie die Ausdehnung der Fläche machte eines ganz deutlich: In Nevada ist trotz der seit Jahrzehnten andauernden Produktion und Erkundung noch nicht das letzte Goldvorkommen gefunden worden.

Damit sollte einem ersten Eindruck der Größe und der Eigenheiten der Lagerstätten im Carlin Trend genüge getan sein und die Reise wurde in Richtung des südlichen Ausläufers des Trends fortgesetzt, um die Lizenzgebiete von Gold Standard Ventures zu besichtigen.

Doch auch im südlichen Teil des Carlin Trends erwarteten uns mit der Rain Mine und der Emigrant Mine zwei große und profitable Projekte von Newmont. Und erneut fiel unser Blick auf die rotbraun verfärbten Ton-Schluffsteine der Webb Formation, die hier die oxidischen Goldvorkommen überlagern.

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Eines der profitabelsten Projekte von Newmont ist die Emigrant Mine

Richtung Süden gewandt ragten nach einer tiefer gelegenen Ebene der Pine Mountain und der Bald Mountain empor, die sich im Nördlichen Bereich des Railroad-Pinion-Projekts von Gold Standard Ventures befinden.

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Pine Mountain und Bald Mountain im Nördlichen Bereich des Railroad-Pinion-Projekts

Auf dem Weg zum Gipfel des Bald Mountain passierten wir einen historischen Bergbau, der auf die oberflächennahe Produktion von Kupfer und Silber ausgelegt war. In diesem Umfeld, so wurde es uns mitgeteilt, erwartet sich Gold Standard Ventures ein zusätzliches Ressourcenpotential. Neben möglicher oxidischer Kupfer- und Goldmineralisationen am Bald Mountain wurde eine an einen Skarn gebundene Silber-, Kupfer-, Blei- und Zinkmineralisation identifiziert. Und es kam einem Déjà-vu gleich, als wir in den Flanken des Berges Bohrplätze, Bohrgerät sowie an der Oberfläche aufgeschlossene rotbraun bis schwarz alterierte Ton-Schluffsteine bemerkten.

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Bohrgeräte von Gold Standard Ventures auf Bald Mountain

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Aufgeschlossene rotbraun bis schwarz alterierte Ton-Schluffsteine

Systematische Erkundung hatte mit der Entdeckung der Carlin-Typ Goldmineralisation auf North Bullion das grundlegende Verständnis der relevanten Strukturen sowie der Lage der mineralisierten Horizonte bestätigt, nun soll neben der Erweiterung der bekannten Ressourcen auch zusätzliches Potential auf den angrenzenden Flächen getestet und verifiziert werden.

Diese im Norden des Lizenzgebietes liegenden Ziele sind im Railroad Projekt zusammengefasst. Doch selbst dieses Projekt mit seinen verschiedenen Möglichkeiten stellt nur einen Teil der insgesamt etwa 115 km² des Erkundungsgebietes dar. Nach dem geographischen Höhepunkt der Besichtigung auf dem Bald Mountain ging es deshalb an das südliche Ende der Projektflächen, um mit den oxidischen Goldvorkommen auf Pinion ein geologisches Highlight folgen zu lassen.

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Railroad-Pinion-Projekt von Gold Standard Ventures

Neben dem bereits bekannten Eisenoxidbelag auf Kluftflächen konnten im Aufschluss sowohl silizifizierte Karbonat-Brekzien mit Baryt-Mineralisation und Anflügen von Arsen-Verbindungen als auch Ton-Schluffsteine mit Liesegangschen Ringen gefunden werden. Beide Gesteinsarten zeigen damit eine chemische Alteration an, die in Kombination mit den tektonischen Systemen (Störungen, Überschiebungen, Horst-und-Graben Strukturen) sowie der Beschaffenheit und den Eigenschaften des Gesteins (einschließlich der stratigraphischen Position) das Potential auf oberflächennahe Mineralisation mit Gold erkennen lässt. Kein Wunder also, dass in diesem Bereich eine Ressourcenschätzung angefertigt wurde, zahlreiche Bohrplätze und in Beutel verpacktes Bohrklein zeugen von reger Aktivität. Und es verwundert auch nicht, dass weitere Bohrungen zur Bestätigung und Erweiterung der Ressource geplant werden, offenbart doch bereits ein Blick nach Süden weitere Aufschlüsse mit alterierten Gesteinen und damit zusätzliches Potential zur Erweiterung der oberflächennahen und oxidischen Ressourcen.

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Blick nach Süden zeigt weitere Aufschlüsse mit alterierten Gesteinen

Doch neben einer ersten Schätzung der Goldressource besitzt das Unternehmen noch einen Trumpf im Ärmel. Auf einer Fläche von ca. 5 km² konnten sowohl die Oberflächen- als auch die Wasserrechte gesichert werden – ein großer Vorteil, wenn man die überwiegend ariden klimatischen Verhältnisse in Betracht zieht.

Nach der Begehung der Liegenschaft wurde für den nächsten Tag das Büro der Firma als Ziel auserkoren, um weitere Informationen und einen Überblick über die gewonnenen Bohrkerne sowie deren Interpretation zu erlangen.

Wie es sich für eine Explorationsfirma gebührt dominieren die erbohrten Kerne sowie das Bohrklein aus den RC Bohrkampagnen die vorhandenen Lagerflächen. Nach einer ausführlichen Erläuterung der lokalen und regionalen tektonischen Strukturen sowie der stratigraphischen Abfolgen durch die Geologen der Firma wurden die theoretischen Erläuterungen anhand der Bohrkerne konkretisiert und visualisiert. So ist es auf Pinion gelungen, die Kollapsbrekkzie als wichtigsten Horizont für Goldmineralisation auszumachen, eine Erkenntnis, die anderen Unternehmen in der Vergangenheit entgangen war und zu Fehlinterpretationen und ungenügender Exploration (z.B. zu kurze Bohrlöcher) geführt hatte. Da die Mineralisation auch in Teile der unterlagernden Karbonate eindringen kann, wird nun mit einem entsprechenden Sicherheitspuffer gebohrt, um einen Abbruch der Bohrung im höffigen Bereich zu vermeiden und die gesamten Horizonte zu definieren.

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Sichtung der Pinion-Bohrkerne im Lager von Gold Standard Ventures

Im Gespräch wurde zusätzlich die schwierige Balance von Kosten und Erkenntnis diskutiert, die besonders beim Thema Bohrung zum Tragen kommt. Das Bohrklein aus RC Bohrungen lässt sich vergleichsweise kostengünstig und schnell gewinnen und ermöglicht chemische Analysen ohne weitere Einschränkungen. Echte Bohrkerne sind dagegen kostenintensiver, bedingt durch meist langsamere Bohrgeschwindigkeiten und aufwendigere Bohrverfahren. Als Vorteil ist allerdings die strukturelle Analyse des Gebirges zu nennen, die im Bohrklein einer RC Bohrung meist nicht durchgeführt werden kann. Es gilt folglich abzuwägen, die kostenintensiven Kernbohrungen an relevanten Stellen abzuteufen, um das im Vorfeld erarbeitete geologische Modell so gründlich wie möglich zu testen und so detailliert wie möglich zu verfeinern. Die Erfahrung des Teams in vergleichbaren Lagerstätten und Vorkommen sowie regionale Kenntnisse stellen dabei eine Grundvoraussetzung dar, um den Erkenntnisgewinn kosteneffizient zu maximieren.

Neben der Kollaps-Brekzie auf Pinion wurde unsere Aufmerksamkeit von den dunkelgrau gefärbten Bohrkernen von North Bullion gelenkt. Mit abschnittsweise über 10 g/t Gold bietet dieses Vorkommen eine aussichtsreiche sulfidische Mineralisation. Die dunkle Färbung des Gesteins ist durch Kohlenstoff bedingt, der eventuell einen Überrest eines historischen Ölvorkommens darstellt. Diese Art der Imprägnation des Gesteins mit goldführenden Sulfidmineralen und Kohlenstoff stellt bei Lagerstätten des Carlin-Typs keine Seltenheit dar. Durch den Kohlenstoff werden diese Mineralisationen als doppelt refraktär bezeichnet, da der Röstprozess wiederholt bzw. intensiviert werden muss, um das Gold sowohl vom Schwefel als auch vom Kohlenstoff zu trennen. Die attraktiven Gehalte dieser Art von Mineralisation haben die Aufbereitung von vergleichbarem Material jedoch nahezu zu einem Standardprozess werden lassen.

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Dunkelgrau gefärbte Bohrkerne von der North Bullion Liegenschaft

Nach der Erläuterung der strukturellen und stratigraphischen Interpretation der Bohrkerne durch das anwesende Personal wurden uns nach den Aufnahmeprotokollen einzelner Kerne auch die graphischen Interpretationen (Kombination von Stratigraphie und Grad der Mineralisation) nahe gebracht. Schrittweise wurde danach gezeigt, wie aus einem Datensatz von Bohrkernen erst einzelne Profilschnitte und letztlich ein digitales 3D-Modell entwickelt werden. Neben einer Grundlage für Ressourcenschätzungen stellt dieses 3D-Modell zudem eine hervorragende Möglichkeit dar, um anhand von stratigraphischen Grenzen, tektonischen Strukturen, geophysikalischen Messungen sowie der Verteilung der Gehalte bestimmter Elemente neue Erkundungsziele zu definieren.

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Aufnahmeprotokolle einzelner Bohrkerne aus denen ein digitales 3D-Modell entwickelt wird

Und nicht zuletzt ermöglicht ein detailliertes 3D-Modell auch erste Überlegungen für das Design eines Tagebaus, indem über bestimmte Durchschnittsgehalte ein möglicher Erzkörper gestaltet wird.

Zur Definition eines entsprechenden Körpers wird ein sogenannter Cut-Off Gehalt festgelegt, also ein Gehalt an Mineralisation, ab dem ein modellierter Block in die Berechnung einbezogen wird. Blöcke mit Gehalten unterhalb des Cut-Off werden für die Berechnungen nicht berücksichtigt. Zu beachten ist dabei, dass dieser Minimalwert nicht dem durchschnittlichen Gehalt entspricht, der sich aus den Analysen der Bohrkerne ergibt.

Generell stellt der Cut-Off Gehalt einen Grenzwert dar, unterhalb dessen eine wirtschaftliche Förderung unter aktuellen technischen und finanziellen Rahmenbedingungen nicht rentabel ist. Je billiger und einfacher eine Extraktion der Wertelemente möglich ist, desto niedriger kann in der Regel auch der Cut-Off Gehalt angesetzt werden. Die Ressourcenschätzung auf Pinion nutzt beispielsweise einen Gehalt von 0,14 g/t Gold, der Durchschnittgehalt der Ressource liegt bei ca. 0,6 g/t Gold. Als Begründung für diesen niedrigen Cut-Off Gehalt lässt sich zum einen das oxidische Material auf Pinion nennen, das durch kostengünstige Haufenlaugung extrahiert werden kann. Zum anderen nutzt Newmont auf der Emigrant Mine, die in vergleichbarem geologischen Setting mit ähnlichen Gehalten und ebenfalls oxidischem Erz produziert, diesen Cut-Off Gehalt. Zwei Vorkommen aufgrund geographischer Nähe und vergleichbaren Rahmenbedingungen gleich zu setzen stellt natürlich eine Vereinfachung dar, bietet im Gegenzug jedoch einen ersten Anhaltspunkt zu möglichen Kostenstrukturen und für die benötigte Infrastruktur und Aufbereitung.

Zum Abschluss unseres Besuches bekamen wir mit David Mathewson einen Gesprächspartner, der anhand jahrzehntelanger Erfahrung in Bezug auf die Goldexploration in Nevada sowohl verständlich als auch ausführlich das weitere mögliche Potential der Liegenschaften erläutern konnte. Zusätzlich zu den Projekten von Gold Standard Ventures beantwortete er sowohl allgemeine Fragen zu den Carlin-Typ Lagerstätten, den Golddistrikten in Nevada als auch spezielle Fragen in Bezug auf Gesteinsproben oder den strukturellen Aufbau des Carlin-Trends und daraus resultierende Explorationsziele. Auf diesem Wege möchten wir uns herzlich für die informativen und unterhaltsamen Gespräche bedanken.

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Besuch bei Dave Mathewson (geologischer Berater von Gold Standard Ventures)

Fazit

Nevada, der „Silver State“ erlebt einen Gold-Boom, der sowohl auf die stabile und dem Bergbau wohlgesonnene Regierung als auch auf die hervorragende Infrastruktur zurückzuführen ist.

Newmont und Barrick als Branchengrößen intensivieren ihre Exploration und Produktion in politisch stabilen Regionen und besinnen sich auf ihre großen und profitablen Projekte, die sie zu den größten Goldproduzenten gemacht haben.

Explorationsfirmen mit aussichtsreichen Projekten und dabei vor allem günstig zu produzierenden Ressourcen bieten für die Branchengrößen lohnende Ziele

Gold Standard Ventures besitzt mit den oxidischen Goldvorkommen auf Pinion potentiell durch Haufenlaugung ausbringbare Ressourcen, sowie auf North Bullion sulfidisches Material, das durchaus zur Aufbereitung in einer Röstanlage von Barrick oder Newmont geeignet ist.

Die Lizenzgebiete von Gold Standard Ventures umfassen neben oxidischen und sulfidischen Mineralisationen vom Typ Carlin auch Skarnmineralisation und damit Potential für weitere (zum Teil auch oxidische) Mineralisation von Silber, Kupfer, Blei und Zink.

Fortschreitende Exploration und damit einhergehende Verfeinerungen und Anpassungen des geologischen Modells können sowohl Erweiterungen der bestehenden Mineralisation als auch die Identifikation neuer Ziele zur Folge haben.

Glück Auf!