Arizona im Kupferfieber: Milliardenprojekte für die US-Versorgungssicherheit
Die Meldung schaffte es bis auf die Titelseite des Wall Street Journal. Die Rio Tinto GB0007188757 852147 Tochter Nuton hat in der Johnson Camp Mine (JCM) in Arizona erstmals Kupfer produziert. Dabei kommt ein neuartiges Haufenlaugungsverfahren zum Einsatz, das als besonders effizient, kostengünstig und umweltschonend gilt. Ein Abnehmer für das Kupfer ist auch schon gefunden: Amazon Web Services (AWS) benötigt das Metall für den Bau von Rechenzentren.
JCM gehört dem Kupferexplorer Gunnison Copper CA4028801088 A40TP4. Das Unternehmen hat gemäß den Vereinbarungen mit Nuton das Recht, im Anschluss an eine mehrjährige Produktionsphase ein Joint Venture zu gründen und daran 51 % der Anteile zu erhalten. Der Aktienkurs von Gunnison Copper hat sich seit Ende November in etwa verdoppelt. Dies liegt zum einen an den Erfolgen bei JCM, zum anderen am günstigen Marktumfeld für Kupferproduzenten und Explorer.
Arizona ist das Kupferherz der USA
Es ist kein Zufall, dass Amazon auf der Suche nach Kupferlieferanten ohne Lieferkettenrisiken in Arizona fündig geworden ist. Der US-Bundesstaat wird Projektionen des US Geological Survey zufolge in diesem Jahr 60 % des inländisch produzierten Kupfers herstellen.
Der Bundesstaat blickt auf eine lange Bergbautradition zurück. Laut Arizona Geological Survey waren bereits 1864 fast 25 % der männlichen, nicht einheimischen Bevölkerung als Goldsucher tätig. 1912 gab es 445 aktive Minen, 72 Aufbereitungsanlagen und 11 Schmelzhütten mit einem Bruttowert von fast 67 Millionen US-Dollar (heutiger Wert: 1,4 Milliarden US-Dollar). Zu den wichtigsten Metallrohstoffen Arizonas zählen, in absteigender Reihenfolge ihres Wertes, Kupfer, Gold, Silber, Molybdän und Blei.
Die bekannteste Lagerstätte ist Resolution Copper, die als Joint Venture durch Rio Tinto (55 %) und BHP AU000000BHP4 850524 (45 %) betrieben wird. Resolution gilt als eines der wichtigsten unerschlossenen Kupfervorkommen weltweit und könnte bis zu 25 % des US-Kupferbedarfs decken.
Rio Tinto, BHP, Ivanhoe Electric: Das Who-is-Who des Kupferbergbaus setzt auf Arizona
In Arizona ist das Wettrennen um neue US-Kupferminen mit den Händen zu greifen. Ivanhoe Electric US46578C1080 A3DNSS will noch vor Ende 2028 mit dem Verkauf von Kupfer aus der im Bau befindlichen Santa Cruz Mine beginnen.
Auch dort soll – über eine Minenlaufzeit von 23 Jahren – Kupfer mittels eines 100-%igen Haufenlaugungsverfahrens produziert werden. Die vorläufige Machbarkeitsstudie taxiert die wahrscheinlichen Mineralreserven auf 136 Millionen Tonnen mit einem Kupfergehalt von 1,08 % für 1,5 Millionen Tonnen enthaltenes Kupfer. Die angezeigten Mineralressourcen enthalten weitere 1,5 Millionen Tonnen Kupfer. Die abgeleiteten Mineralressourcen in den Lagerstätten Santa Cruz, East Ridge und Texaco erhöhen die Kupfervorkommen um weitere 3,3 Millionen Tonnen. Die erwarteten durchschnittlichen Produktionskosten werden auf 1,32 USD geschätzt.
Zur Einordnung: Laut US Geological Survey belief sich der gewinnbare Kupfergehalt der US-Bergbauproduktion 2025 auf rund 1,0 Millionen Tonnen. Dies markiert einen deutlichen Rückgang um 5 % gegenüber dem Vorjahr und einen noch stärkeren Rückgang gegenüber 2021, als noch 1,23 Millionen Tonnen Kupfer produziert worden waren. Die USA decken einen wesentlichen Teil ihres Bedarfs an raffiniertem Kupfer durch Importe – vorwiegend aus Chile, Kanada, Peru und Mexiko.
Arizons Kupferexplorer treiben Projekte voran
Der steigende Kupferbedarf macht sehr viel mehr Projekte erforderlich, von denen sich ein erheblicher Teil in Arizona befindet – und Fortschritte verzeichnet.
Arizona Sonoran Copper CA04058Q1054 A3C8MS etwa legte im vergangenen November eine Vormachbarkeitsstudie für das Projekt Cactus vor. Diese sieht nachgewiesene und wahrscheinliche Mineralreserven von 513 Millionen Tonnen Erz für 5,304 Millionen Pfund Kupfer. Kürzlich hat das Unternehmen zudem die Optionsvereinbarung mit Rio Tintos Nuton einvernehmlich beendet und entwickelt das Brownfield-Projekt nun eigenständig weiter, mit einer Machbarkeitsstudie und einer möglichen Investitionsentscheidung bis Ende 2026.
Copper Fox Metals CA21749Q1046 A0HNEG startete im vierten Quartal ein Bohrprogramm auf dem Mineral Mountain Projekt. Faraday Copper CA3073571034 A3DK5Q präsentierte im Januar Bohrergebnisse für das Copper Creek Projekt, darunter 17,58 m mit 0,44 % Kupfer. Intrepid Metals CA46123W2031 A400ES hat im vergangenen Dezember Bohrergebnisse für das Coral Copper Kupferprojekt vorgelegt, darunter 55,5 Meter mit 1,13 % Kupferäquivalent.
Die großen Kupferlagerstätten des Bundesstaats befinden sich vor allem im Süden und Südosten des Bundesstaats. Dies gilt auch für die Projekte von Gunnison Copper, rund 60 km östlich von Tucson. Dazu gehören neben der Johnson Camp Mine auch das Gunnison-Projekt sowie das Projekt Strong & Harris.
Auf dem Gunnison Projekt können gemäß einer PEA aus dem vierten Quartal 2021 nach der Inbetriebnahme 175 Millionen Pfund Kupfer pro Jahr produziert werden. Eine Vormachbarkeitsstudie ist für 2026 geplant.
Für das Projekt Strong & Harris hat das Unternehmen ebenfalls eine PEA erstellt, die das Vorkommen auf 794 Millionen Pfund Kupfer und 858 Millionen Pfund Zink sowie zusätzliche Silbergehalte schätzt. Die Geologen gehen hier aufgrund ungetesteter Anomalien von einem erheblichen Aufwärtspotenzial aus.
Kupferexplorer genießen in den USA derzeit höchste Priorität. "Kupfer ist der zweithäufigste verwendete Werkstoff des Verteidigungsministeriums!", schrieb US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr. Und fügte hinzu: "Amerika wird erneut eine dominierende Kupferindustrie aufbauen."
Die Explorer in Arizona sehen sich auf gutem Weg dorthin. Stephen Twyerould, CEO und Präsident von Gunnison Copper, kommentierte anlässlich des Deals zwischen Nuton und AWS: "Diese Zusammenarbeit unterstreicht, wie Innovation, digitale Optimierung und die Kupferproduktion "Made in America" die US-Lieferketten stärken und gleichzeitig die wachsende Nachfrage nach kritischen Mineralien für die moderne Infrastruktur decken können."
Explorer wie Gunnison Copper profitieren naturgemäß vom aktuellen Marktumfeld. Die aktuelle Bewertung des Unternehmens in Höhe von gut 144 Millionen Euro könnte noch deutlich steigen, vor allem wenn die Kupferpreise hoch bleiben oder weiter steigen und entscheidende Katalysatoren wie die Vormachbarkeitsstudie für das Gunnison-Projekt 2026 starke Ergebnisse liefern.