EU verbietet Import von sudanesischem Gold

EU verbietet Import von sudanesischem Gold picture alliance / AP Photo/Mohnd Blal

Der Rat der Europäischen Union hat am 13. Juli neue Sanktionen gegen Sudan beschlossen, die gezielt den Goldhandel des Landes treffen. Die Maßnahme verbietet den Kauf, die Einfuhr und die Verbringung von Gold sudanesischen Ursprungs sowie den Verkauf, die Lieferung, die Verbringung und die Ausfuhr von Quecksilber und Zyanid nach Sudan. Beide Chemikalien werden im Goldbergbau eingesetzt. Die Verbote erfassen auch verbundene Dienstleistungen, darunter technische Unterstützung, Vermittlungsgeschäfte und Finanzhilfen. Für Lieferungen von Quecksilber und Zyanid zu bestimmten humanitären Zwecken, bei Gesundheitsnotfällen und zur Katastrophenhilfe sind gezielte Ausnahmen vorgesehen.

Gold ist nach Einschätzung des Rats zu einer zentralen Finanzierungsquelle des Konflikts geworden. Der Krieg zwischen der sudanesischen Armee (SAF) und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) läuft seit April 2023. Der einschlägige EU-Sanktionsrahmen besteht seit Oktober 2023 und wurde im Januar 2026 durch Sanktionen gegen sieben weitere Personen verschärft. Die neue Maßnahme setzt eine Ankündigung der EU-Außenbeauftragten vom 21. April 2026 um, wonach weitere Sanktionen gegen die sogenannte Kriegswirtschaft folgen sollten.

Wie viel Gold aus Sudan wirklich in den Weltmarkt fließt

Sudan meldete für 2025 eine offizielle Goldproduktion von rund 70 Tonnen. Finanzminister Gibril Ibrahim bezifferte die offiziellen Exporte auf weniger als 20 Tonnen, Zahlen der sudanesischen Zentralbank weisen für die offiziellen Kanäle sogar nur 14,7 Tonnen aus, mit denen 2025 Erlöse von 1,536 Mrd. USD erzielt wurden. Wegen des umfangreichen informellen Kleinbergbaus und nicht erfasster Handelsströme dürfte die tatsächliche Fördermenge höher liegen, belastbare Schätzungen sind aber schwierig. UN-Experten und Marktanalysen gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte des sudanesischen Goldes außerhalb formeller Kanäle gehandelt oder außer Landes gebracht wird. Mit einer offiziellen Produktion von 70 Tonnen zählt Sudan zu den bedeutenden Goldproduzenten Afrikas, nicht aber zu den zehn größten Produzenten weltweit. Gemessen an einer globalen Minenproduktion von rund 3.672 Tonnen im Jahr 2025 entspricht das einem Anteil von knapp 2 %.

Der Großteil läuft über Dubai

Ein großer, wahrscheinlich überwiegender Teil des informell gehandelten Goldes gelangt nach Einschätzung von Chatham House und SWISSAID direkt oder über Nachbarländer in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dubai spielt dabei als internationales Handels- und Raffineriezentrum eine Schlüsselrolle. Nach dem Einschmelzen und Vermischen lässt sich die physische Herkunft des Goldes nur noch schwer feststellen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Material die Herkunfts- und Sorgfaltsanforderungen der LBMA oder die Lieferstandards der COMEX erfüllt. Vielmehr besteht das Risiko, dass Konfliktgold durch unzureichende Kontrollen, falsche Dokumentation oder Vermischung in formelle Lieferketten gelangt.

SWISSAID schätzt, dass zwischen 2012 und 2024 mindestens 400 Tonnen Gold aus Sudan geschmuggelt wurden. Etwa die Hälfte davon ging direkt in die Vereinigten Arabischen Emirate, ein großer Teil der übrigen Menge gelangte zunächst in Nachbarländer und von dort überwiegend ebenfalls in die Emirate. Einem von Sudan Tribune zitierten Bericht zufolge transportierte die RSF 2024 und Anfang 2025 zudem Gold im Wert von mehr als 850 Mio. USD aus Darfur und Kordofan.

Bereits vor der EU-Entscheidung hatten sich die offiziellen Beziehungen zwischen Sudan und den Emiraten verschlechtert. Sudans armeenahe Regierung brach im Mai 2025 die diplomatischen Beziehungen zu Abu Dhabi ab und warf den Emiraten Waffenlieferungen an die RSF vor. Die VAE weisen diese Vorwürfe zurück. Sudans registrierte Goldlieferungen an die Emirate sanken anschließend von 22,2 Tonnen im Jahr 2024 auf 8,2 Tonnen im Jahr 2025.

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Warum Analysten an der Wirksamkeit zweifeln

Mehrere Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die Wirkung der EU-Sanktionen entscheidend davon abhängt, ob auch große Handelsdrehkreuze wie Dubai ihre Kontrollen verschärfen. Die EU kann den Zugang zu ihrem eigenen Markt beschränken, hat aber keinen direkten Einfluss auf die globale Goldlieferkette. Gold lässt sich einschmelzen, umgießen und mit anderen Beständen mischen, was es zu einem der am schwersten regulierbaren Rohstoffe macht. Da schon jetzt ein Großteil des sudanesischen Goldes außerhalb offizieller Kanäle exportiert wird, dürfte das EU-Importverbot zunächst nur einen begrenzten Teil der tatsächlichen Handelsströme erfassen.

Kein neuer Ansatz, aber ein seltener Fokus auf Gold

Sanktionen gegen Konfliktrohstoffe sind kein neues Instrument. Die EU verpflichtet Importeure von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold aus Konflikt- und Hochrisikogebieten bereits seit 2021 über die Konfliktmineralien-Verordnung zu Sorgfaltspflichten in der Lieferkette, und nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 verhängten EU, USA und weitere G7-Staaten ein Importverbot für russisches Gold. Ein direktes, sektorweites Importverbot speziell für das Gold eines afrikanischen Konfliktlandes ist dagegen vergleichsweise selten und unterstreicht, welchen Stellenwert Brüssel dem Rohstoff inzwischen bei der Kriegsfinanzierung in Sudan beimisst.