Druck auf globale Silber-Lagerbestände wächst
Der Silberpreis hat 2025 ein Jahresmittel von 40 USD je Unze erreicht, ein Anstieg von 42 % gegenüber dem Vorjahr. Im Dezember notierte das Metall bei 84 USD, dem höchsten Stand seit 1980, bevor die Rally sich in den ersten Wochen des Jahres 2026 auf über 121 USD fortsetzte. Das geht aus dem World Silver Survey 2026 des Silver Institute hervor, erstellt von der Londoner Edelmetallberatung Metals Focus.
Das Jahr 2025 war das fünfte Defizitjahr in Folge. Das Angebotsdefizit fiel mit 40,3 Mio. Unzen (1.252 Tonnen) deutlich kleiner aus als im Vorjahr mit 137,9 Mio. Unzen, blieb jedoch hoch genug, um die bereits angespannten Lagerbestände weiter zu belasten. Das kumulative Defizit der vergangenen fünf Jahre summiert sich laut Survey auf 716 Mio. Unzen (22.253 Tonnen).
Minenproduktion steigt, Nachfrage gibt nach
Das Gesamtangebot stieg um 7 % auf 1.090,4 Mio. Unzen. Die globale Minenproduktion wuchs um 3 % auf 846,6 Mio. Unzen. Zentraler Treiber war ein deutliches Produktionsplus in Peru, vor allem durch höhere Gehalte bei Glencore's JE00B4T3BW64 A1JAGV Antamina-Mine, sowie der Start der Prognoz-Mine in Russland. Mexiko, das weltgrößte Silberförderland, verzeichnete dagegen den dritten Rückgang in Folge auf 172,9 Mio. Unzen, bedingt durch Betriebsunterbrechungen, politische Veränderungen und abnehmende Erzgehalte.
Das Recycling wuchs um 2 % auf 197,6 Mio. Unzen, den höchsten Stand seit 13 Jahren. Schmuck- und Tafelsilberrecycling legten um 6 beziehungsweise 7 % zu, da steigende Preise Rückflüsse anreizten. Raffinerieengpässe in Nordamerika und Europa begrenzten jedoch das tatsächlich verarbeitete Volumen erheblich.
Die Gesamtnachfrage fiel um 2 % auf 1.130,6 Mio. Unzen, das niedrigste Niveau seit 2021. Die industrielle Nachfrage sank erstmals seit der Pandemie, um 3 % auf 657,4 Mio. Unzen. Hauptgrund war ein Rückgang der Nachfrage aus dem Photovoltaiksektor um 6 % auf 186,6 Mio. Unzen, da Hersteller die Silberanteile in Solarzellen durch technologische Weiterentwicklungen beschleunigt reduzierten. Gegenläufig wirkten Zuwächse bei KI-Infrastruktur, Rechenzentren und Elektromobilität. Die Schmuckfertigung sank um 8 % auf 189,3 Mio. Unzen, Tafelsilber um 21 % auf 42,1 Mio. Unzen, jeweils vor allem wegen des Preisdrucks in Indien. Die Münz- und Barrennachfrage stieg hingegen um 14 % auf 217,7 Mio. Unzen.
Londoner Liquiditätsklemme
Im Oktober 2025 kam es zu einem außergewöhnlichen Engpass am Londoner Silbermarkt. Gleichzeitig wirkten mehrere Faktoren zusammen: Der Abzug von rund 225 Mio. Unzen in CME-Vaults (zugelassene Lagerstätten für physische Edelmetalle, die börsengehandelte Terminkontrakte absichern) infolge von Zollsorgen, massiven Zuflüssen in börsengehandelte Produkte (ETPs) und einer explosiven Nachfrage aus Indien. Bis Ende September entfielen nach Berechnungen von Metals Focus 83 % der Londoner Bestände auf ETP-gedeckte Produkte; der frei verfügbare Bestand lag bei lediglich 136 Mio. Unzen, einem Rekordtief. Die 1-Monats-Leihsätze für Silber sprangen zeitweise auf über 30 %, die Tagesraten kurzzeitig auf 200 %. Seitdem floss Metall zurück nach London, die Tagesraten normalisierten sich auf rund 2 bis 3 % bis Mitte des ersten Quartals 2026.
Metals Focus wertet das als strukturelle Zäsur: Die Ära annähernd unbegrenzter Silberliquidität sei beendet. Engpässe werden zukünftig nicht permanent sein, aber Leihsätze und Preisschwankungen dürften generell volatiler bleiben als in der Vergangenheit.
Fusionen und Übernahmen auf Rekordhoch
Das Volumen angekündigter Transaktionen im primären Silbersektor erreichte 2025 mit 10,8 Mrd. USD einen Rekordwert, der die Summe aller Deals der Jahre 2015 bis 2024 übertrifft. Die größte Transaktion war die vollständig aktienbasierte Übernahme von New Gold durch Coeur Mining US1921085049 A0RNL2 im Wert von 7,0 Mrd. USD, die im ersten Quartal 2026 abgeschlossen wurde. Im dritten Quartal 2025 übernahm Pan American Silver CA6979001089 876617 MAG Silver für 2,1 Mrd. USD, inklusive eines 44-prozentigen Anteils an der Juanicipio-Mine in Mexiko.
Ausblick 2026
Metals Focus prognostiziert für 2026 ein sechstes Defizitjahr von 46,3 Mio. Unzen (1.439 Tonnen). Die globale Minenproduktion soll minimal um 0,3 % sinken; Zuwächse in Mexiko und Marokko werden durch Rückgänge andernorts ausgeglichen. Das Recycling soll um 7 % wachsen und den höchsten Stand seit 2012 erreichen. Die industrielle Nachfrage wird voraussichtlich um weitere 3 % fallen, vor allem durch anhaltende Rückgänge im PV-Segment. Die Münz- und Barrennachfrage soll um 18 % auf 257,6 Mio. Unzen steigen, den höchsten Stand seit 2022.
Nachdem Silber am 29. Januar 2026 ein Allzeithoch von über 121 USD je Unze erreichte, fiel der Preis bis Ende März deutlich, belastet durch den Irankonflikt und gestiegene US-Zinserwartungen. Metals Focus bewertet das makroökonomische und geopolitische Umfeld für Silber mittelfristig dennoch als vielversprechend.

