Der Krieg um Iran verschiebt den Rohstoffmarkt zugunsten strategischer Metalle
Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran verändert die Rohstoffmärkte nicht nur kurzfristig, sondern strukturell. Nach Angaben von The Northern Miner ist die gemeinsame Börsenbewertung der 50 größten börsennotierten Bergbauunternehmen bis Ende des ersten Quartals auf 2,41 Bio. USD gestiegen. Das ist ein Plus von 250 Mrd. USD seit Jahresbeginn. Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus im Markt von klassischen Krisenmetallen auf strategische Rüstungsrohstoffe.
Der Sektor steigt, doch die Gewinner wechseln spürbar
Auffällig ist der Bruch im alten Krisenmuster. Gold notiert zwar weiterhin oberhalb von 4.700 USD je Unze und damit 2026 noch im Plus. Silber hält sich über 70 USD je Unze, liegt aber deutlich unter seinem vorherigen Hoch Der Krieg hat den klassischen Fluchtreflex also nicht in dem Maß ausgelöst, das Experten am Markt erwartet hätten. Stattdessen rücken Metalle in den Vordergrund, die unmittelbar für Rüstung, Elektronik und militärische Sensorik gebraucht werden.
Besonders deutlich wird das bei Wolfram, dessen europäischer Referenzpreis bei 2.250 USD je Tonne liegt. Das ist ein Anstieg von 557 % binnen eines Jahres. Auch Germanium, Antimon, Tantal und Niob gewinnen kräftig. Das passt zu einem Konfliktbild, das auf Drohnen, KI-gestützte Systeme und hochpräzise Lenkwaffen setzt. Je technischer die Kriegsführung, desto wichtiger werden Metalle, die bislang eher am Rand der öffentlichen Wahrnehmung standen.
Die großen Konzerne profitieren nicht alle im selben Maß
An der Börse zeigt sich das in einer neuen Spreizung. BHP AU000000BHP4 850524 und Rio Tinto GB0007188757 852147 führen das Ranking weiter an. Glencore JE00B4T3BW64 A1JAGV zählt mit einem Kursplus von 37 % zu den stärksten Werten, auch weil der Konzern neben Metallen stark im Öl- und Kohlehandel engagiert ist. Freeport-McMoRan US35671D8570 896476 erholt sich nach Rückschlägen in Indonesien ebenfalls deutlich.
Andere Namen zeigen, wie fragil der Aufschwung bleibt. Barrick Mining kämpft laut The Northern Miner mit Zweifeln an der Bewertung seines Portfolios und mit höheren Kosten beim Großprojekt Reko Diq in Pakistan. Ivanhoe Mines verliert nach gekürzter Produktionsprognose massiv an Wert und fällt aus den Top 50. Der Markt belohnt damit nicht einfach Größe, sondern vor allem belastbare Förderung, sichere Jurisdiktionen und glaubwürdige Lieferketten.
Versorgungssicherheit wird zur Machtfrage der Staaten
Genau hier liegt der politische springende Punkt. Die USA bauen ihre Lagerhaltung für kritische Mineralien aus, schmieden internationale Allianzen und verstärken parallel den Zugriff auf Projekte im Kongo und auf künftige Tiefseevorkommen. Hintergrund ist die starke Stellung Chinas in Verarbeitung und Raffination, etwa bei Antimon, Wolfram, Gallium, Kobalt, Lithium und Seltenen Erden. Beim Rohstoffwettlauf geht es damit längst um mehr als eine Preisgeschichte. Er wird zu einer Frage von Industriepolitik, Verteidigungsfähigkeit und geopolitischem Einfluss.
Für Anleger, Unternehmen und Regierungen ist das ernüchternd. Der Bergbau profitiert 2026 bislang vom Preisniveau und von der strategischen Neubewertung vieler Metalle. Doch der Krieg macht den Sektor zugleich anfälliger für Exportstopps, Projektverzögerungen und politischen Zugriff. Was heute wie ein Börsengewinn aussieht, ist deshalb auch ein Signal wachsender Abhängigkeiten. Diese Abhängigkeiten dürften den Markt noch lange prägen.

