Hohe Ölpreise werden zum Risiko für die Margen im Bergbau
Bergbauaktien gehören seit geraumer Zeit zu den Gewinnern an den Börsen. Doch seit dem Kriegsausbruch im Iran und der darauffolgenden Ölkrise haben die Kurse vieler großer ETFs nachgegeben. Der VanEck Gold Miners ETF US92189F1066 A2AHFU etwa gab im letzten Monat in USD gerechnet etwa 10 % seines Wertes ab.
Bergbauaktien zuletzt schwächer
Beim VanEck Vectors Global Mining ETF IE00BDFBTQ78 A2JDEJ beläuft sich das Minus auf rund 6 %. Zum Vergleich: Der S&P 500 hat im selben Zeitraum um etwa 2 % nachgegeben. Natürlich war der Bergbausektor nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Monate reif für eine Korrektur. Dennoch sollten Anleger ein Risiko für die Margen von Bergbauunternehmen im Auge behalten: Den Ölpreisschock.
BMO Capital Markets jedenfalls warnt, dass steigende Ölpreise aufgrund der aktuellen Spannungen im Nahen Osten die Abbaukosten deutlich erhöhen und die Gewinnmargen des Sektors unter Druck setzen könnten. Die Analysten untersuchten auf Basis von Daten von Wood Mackenzie die Auswirkungen von steigenden Ölpreisen auf die Kosten im Bergbau. Dabei gilt: Mit steigenden Ölpreisen steigen auch die Kosten an, die Höhe des Anstiegs fällt aber je nach Rohstoff bzw. Metall unterschiedlich aus.
Eisenerzabbau reagiert demnach am stärksten auf höhere Ölpreise: Hier erhöhen sich die Kosten um etwa 4,2 % für jeden Anstieg des Ölpreises um 10 %. Zum Vergleich: Bei Kupfer liegt der Anstieg bei etwa 3,5 % und bei Gold bei etwa 2 %. Sollte der Rohölpreis im Durchschnitt bei etwa 100 US-Dollar pro Barrel liegen – rund 47 % über dem Durchschnitt von 2025 –, könnten die Bergbaukosten für Eisenerz um etwa 20 %, für Kupfer um 16 % und für Gold um 9 % steigen.
Sechs Monate als kritisches Zeitfenster
Auch andere Analysten warnen: "Höhere Ölpreise belasten die Kosten der Bergbauunternehmen", sagt etwa Patricia Barreto von S&P Global Energy CERA. Sie nennt auch ein kritisches Zeitfenster und die Folgen bei dessen Überschreitung: "Die Besorgnis wächst nach mehr als sechs Monaten und führt zu Kürzungen der Investitionsausgaben."
Auch steigende Strompreise können in einem angespannten Energiemarkt zum Problem werden. "Unsere Branche ist extrem energieintensiv, daher beeinträchtigen selbst moderate Strompreisspitzen schnell die Wettbewerbsfähigkeit", sagt etwa James Watson vom Branchenverband European Metals. Watson zufolge besteht für europäische Metall- und Bergbauunternehmen eine Wiederholung der Energiekrise von 2022, als die Preise sprunghaft anstiegen. Der Nahostkrieg habe zwar noch nicht dieselben Auswirkungen gehabt, "doch die Lage könnte sich rasch verschlechtern, wenn die Störungen anhalten."
Die Analysten betonen, dass nicht nur der direkte Effekt steigender Ölpreise die Kosten von Bergbauunternehmen nach oben treibt. So machten Ausgaben für Diesel heute noch etwa 5 % der Betriebskosten von Kupferminenbetreibern aus, während es vor 20 Jahren noch 8 % gewesen seien. Höhere Energiepreise treiben jedoch auch die Kosten anderer Input-Faktoren wie Verbrauchsmaterialien, Arbeitskräfte und Ausrüstung und erhöhen so den Druck auf die Margen.
Staglation könnte Nachfrage reduzieren
Im Falle länger anhaltender Störungen könnten zudem nachfrageseitige Probleme die Metallpreise und damit die Margen der Produzenten drücken. "Nachfragerisiken entstehen, wenn der Ölpreis über einen längeren Zeitraum auf einem höheren Niveau verharrt, und zwar durch Inflation, eine restriktivere Geldpolitik und einen möglichen Rückgang des BIP – was die Nachfrage drastisch senkt", warnt etwa Barreto.
Der Krieg im Iran bedroht neben Öl auch weitere Lieferungen von Relevanz für die Bergbauindustrie. So könnten kaut BMO Capital höhere Schwefelpreise die Kosten für die Kupfergewinnung mittels Lösungsmittelextraktion und Elektrolyse erhöhen. Ein erheblicher Teil der globalen Ammoniakexporte muss die Straße von Hormus passieren. Dies kann die Kosten für Ammoniumnitrat, das in Sprengstoffen für den Bergbau verwendet wird, erhöhen.
Regionale und unternehmensspezifische Unterschiede bei den Auswirkungen sind dem BMO-Bericht zufolge wahrscheinlich. So haben Unternehmen ihren Energiebedarf für unterschiedlich lange Zeiträume im Voraus eingekauft und/oder Preisrisiken abgesichert. Bergwerke in Afrika können oft auf günstigere lokale Energiequellen zurückgreifen, während asiatische Betriebe sehr direkt von Lieferausfällen am Persischen Golf betroffen sind.
Sollte sich ein stagflationäres Szenario einstellen, müssten Bergbauunternehmen zudem angesichts der hohen Metallpreise und gestiegenen Gewinne mit offensiv vorgetragenen Lohnforderungen rechnen.

