Batteriemetalle und Seltene Erden werden zum Nadelöhr der Robotik
Humanoide Roboter sind keine Zukunftsmusik mehr. Jüngst verkündete Tesla CEO Elon Musk, dass das Unternehmen ab 2027 den Verkauf von Robotern starten will. Langfristig wird eine jährliche Produktion von einer Million Einheiten angestrebt. Unternehmen wie Hangzhou Yushu Technology (Unitree Robotics) und Fourier Intelligence arbeiten ebenfalls an der Einführung kommerzieller humanoider Roboter.
In einem aktuellen Bericht erwähnt der Rohstoffinformationsdienst Platts, der zu S&P Global Energy gehört, nun ein sich abzeichnendes kritisches Problem dieser Skalierung. Es fehlen ausreichend Mengen an Batteriemetallen sowie Neodym-Eisen-Bor-Magneten.
Roboter benötigen Permanentmagnete, Kupfer und Lithium
Permanentmagnete liefern die für präzise Roboterbewegungen und Steuerungssysteme erforderliche Magnetkraft und Temperaturstabilität. Roboter benötigen mehrere Motoren pro Einheit, die jeweils mit Seltenerdmagneten ausgestattet sind, welche eine höhere Leistungsdichte als alternative Motortechnologien bieten.
"Die Produktion und der Einsatz von zehn Milliarden Robotern bis 2040, wie Musk es prognostiziert hat, würden eine Vervielfachung der weltweiten Produktion kritischer Rohstoffe wie Kupfer, Lithium und Seltenen Erden erfordern – allein für Roboter", erklärte Ryan Castilloux, Geschäftsführer von Adamas Intelligence, gegenüber Platts.
Castilloux rechnet vor: "Für Neodym-Eisen-Bor -Magnete wäre mehr als das Hundertfache der aktuellen Weltproduktion erforderlich; für Lithium sogar mehr als das Zehnfache. Im Fall von Kupfer könnten zehn Milliarden humanoide Roboter das Vierfache der aktuellen Weltproduktion verbrauchen."
Die Prognose von Elon Musk ist ambitioniert, doch auch andere Analysten rechnen mit einem deutlichen Anstieg des globalen Einsatzes von Robotern. Citi Global Perspectives and Solutions etwa geht von 1,3 Milliarden KI-Robotern bis 2035 und 4 Milliarden Robotern bis 2050 aus. Morgan Stanley schätzt, dass bis Mitte des Jahrhunderts mehr als eine Milliarde Roboter im Einsatz sein werden. Auch diese deutlich konservativeren Einschätzungen implizieren einen signifikanten Anstieg der Nachfrage nach Neodym-Eisen-Bor-Magneten, Kupfer und anderen Rohstoffen durch Robotik.
S&P Global Energy and Market Intelligence schätzt, dass es ohne Ausweitung des Angebots auf dem Kupfermarkt bis 2040 zu einem Defizit von 10 Millionen Tonnen kommen wird. Diese Zahl berücksichtigt noch nicht die steigende Kupfernachfrage durch humanoide Roboter. In derselben Studie findet sich der Hinweis, dass der Einsatz von 10 Milliarden humanoiden Robotern bis 2040 weitere 16,5 Millionen Tonnen Kupfer erfordern würde. Die Angebotslücke würde dann also auf 26,5 Millionen Tonnen pro Jahr steigen. Zur Einordnung: 2025 lag die weltweite Minenproduktion bei rund 23 Millionen Tonnen.
Chris Berry vom Beratungsunternehmen House Mountain Partners warnt, dass die derzeitigen Produktionsmengen für Seltene Erden, Kupfer und Nickel sowie Lithium bei weitem nicht ausreichen, um die erwartete Nachfrage durch Robotik zu decken.
Preis für Neodym-Praseodym-Oxid verdoppelt
Er verweist auf erste Preisspitzen an den Märkten: "Die Tatsache, dass NdPr-Oxid derzeit für über 120.000 USD pro Kilogramm gehandelt wird, während es im Juli letzten Jahres noch bei etwa 60.000 USD pro Kilogramm lag, ist ein Zeichen dafür, dass die Endverbraucher aggressiv nach diesem Rohstoff suchen."
Er glaubt, dass die Roboterhersteller "sich der Rohstoffknappheit bewusst sind und entweder Magnete auf Vorrat kaufen oder versuchen, Lieferketten aufzubauen und in solche zu investieren, die den Einsatz von Seltenen Erden minimieren."
Ein Problem liegt darin, dass die benannten Rohstoffe auch in anderen Sektoren sehr begehrt sind, wie etwa im Bereich der Elektrifizierung, Verteidigung oder in Rechenzentren. Aus westlicher Sicht liegt die Schwierigkeit nicht nur in einem langfristig knappen Angebot, sondern auch darin, dass China viele Märkte, wie etwa den für Seltene Erden, weitreichend dominiert. Es reicht also aus westlicher Sicht nicht, die globale Produktion hochzufahren. Notwendig ist Produktion außerhalb Pekings Einflussbereich.
Die gute Nachricht: Viele Regierungen haben die Problematik längst erkannt und unterstützen Maßnahmen zur Produktionssteigerung. Japan etwa erprobt derzeit in großem Stil die Gewinnung von Seltenen Erden aus der Tiefsee. In den USA suchen Unternehmen in alten Kohlebergwerken nach seltenen Erden. Tier-1-Projekte in Brasilien könnten bald viel neues Angebot auf den Markt bringen.
"Das Angebot ist in den 2030er Jahren ein strukturelles Problem, aber die Menge an Kapital, die jetzt zur Verfügung steht, und die Ausweitung der staatlichen Interventionen zur Beschaffung dieser Vorleistungen sind letztendlich günstig für eine stärkere Angebotsreaktion", sagt Nick Trickett von S&P Global Energy Horizons.

