Japan könnte bald über Seltene Erden aus der Tiefsee verfügen
Es stellt eine weitere Eskalation im Streit zwischen Peking und Tokio dar. Das chinesische Handelsministerium gab am Dienstag bekannt, die Lieferungen von sogenannten "Dual-Use"-Materialien an 20 japanische Unternehmen mit sofortiger Wirkung einzufrieren. Weitere 20 Unternehmen werden auf eine neu eingerichtete Beobachtungsliste gesetzt.
Von dem Schritt sind unter anderem Tochtergesellschaften von Mitsubishi Heavy Industries sowie die Fahrzeughersteller Subaru und Hino Motors betroffen. China begründet die Maßnahme mit dem Ziel, Japans "Remilitarisierung" sowie seine "nuklearen Ambitionen" eindämmen zu wollen.
Eiszeit zwischen Peking und Tokio nach Takaichi-Wahlsieg
Der überzeugende Wahlsieg von Premierministerin Sanae Takaichi Anfang des Monats dürfte im Zusammenhang mit den Maßnahmen stehen. Takaichi hat im Wahlkampf unter anderem in den Raum gestellt, die pazifistische japanische Verfassung ändern zu wollen.
Der Streit zwischen den beiden Ländern war bereits im November entbrannt, nachdem Takaichi erklärt hatte, eine mögliche Invasion Taiwans durch China könne eine existenzielle Bedrohung für Japan darstellen. Sie hatte damals angedeutet, dass auch eine Reaktion mit Waffengewalt auf ein solches Szenario möglich sein könnte.
Zu den von der Aussetzung der Lieferung betroffenen Rohstoffen gehören unter anderem kritische Mineralien wie Gallium, Germanium, Antimon und Graphit sowie Seltene Erden.
Überraschend kommt der Schritt aus japanischer Sicht nicht – schon allein, weil China im vergangenen Monat verschärfte Exportbeschränkungen angekündigt hatte. Akira Igata, Leiter des Labors für wirtschaftliche Sicherheitsaufklärung an der Universität Tokio, sieht in den jüngsten Beschränkungen einen "Moment der Wahrheit" für japanische Unternehmen, die zuletzt oft eigene Abteilungen eingerichtet hatten, um für Unterbrechungen in der Lieferkette vorzusorgen.
Tiefseebergbau soll Seltene Erden bringen
Bereits mittelfristig könnte Japan durch neue Verfahren der Rohstoffgewinnung die Abhängigkeit von China reduzieren. Eine durch den Staat unterstützte Expedition konnte in diesem Monat Schlamm aus 6.000 Metern Tiefe im Pazifik bergen. Der Schlamm ist reich an Seltenen Erden und befindet sich nahe Minamitorishima, einem Atoll 1.900 km südöstlich von Tokio. Japan ist nach China der größte Verbraucher von Seltenen Erden.
Das Interesse an den japanischen Aktivitäten im Tiefseebergbau ist weltweit groß. Regierungen und Unternehmen sehen das Potenzial, die Abhängigkeit von Peking durch die Gewinnung von Rohstoffen auf dem Meeresgrund deutlich zu verringern.
Japanische Regierungsbeamte und Wissenschaftler verweisen darauf, dass die Standorte in der Tiefsee hohe Konzentrationen an seltenen Erden aufweisen – insbesondere an schweren Elementen wie Dysprosium, Yttrium und Terbium – und deshalb prinzipiell konkurrenzfähig zu klassischen Bergbaustandorten seien. Sie verweisen zudem auf Vorteile, die der Abbau in der Tiefsee bieten kann, darunter die Abwesenheit radioaktiven Materials, das ansonsten in Seltenerdlagerstätten häufig vorkommt.
Thomas Kruemmer vom Rare Earth Observer sieht das Projekt in Japan jedoch zunächst keiner direkten Kostenkonkurrenz ausgesetzt.
"Das ist die letzte Möglichkeit", sagte er. "Sie müssen sehr schnell handeln, und zwar innerhalb kürzester Zeit. Es geht nicht mehr um Preis und Kosten. Es geht nur noch darum: "Haben Sie es oder nicht?""
"Es geht nicht mehr um Preis oder Kosten"
Sollte es in Folge der chinesischen Beschränkungen zu Engpässen kommen, dürfte der Tiefsee-Bergbau aktuell noch keine Lösung darstellen. Für die japanischen Automobilhersteller wird geschätzt, dass die Reserven bis zum Ende des Jahres reichen – maximal.
Schon kurz danach aber könnte die Lösung aus dem Meer Abhilfe schaffen. Shoichi Ishii, der Beamte des Kabinettsbüros, der das Minamitorishima-Programm seit sieben Jahren leitet, kündigte für Anfang 2027 einen Testlauf an, bei dem 350 t Schlamm täglich gefördert werden sollen. Bei dem Testlauf sollen Wirtschaftlichkeit, Entwässerung und Transport zum Festland sowie die Weiterverarbeitung geprüft werden. Er ist überzeugt: "Nach März 2028 könnte es zu einer Beschaffungsquelle werden und zur Lieferkette beitragen."