Analysten sehen Uranmarkt in neue Phase eintreten
Aktuell ist der Uranmarkt durch knappes Angebot, die Tendenz zu steigenden Preisen und die Dominanz einzelner großer Produzenten geprägt. Doch bereits Anfang der 2030er Jahre wird sich dieses Bild ändern. Neue Produzenten treten auf den Markt und verändern die Angebotskurve. Davon gehen die Analysten von Visible Alpha aus.
Visible Alpha, das zu S&P Global gehört, hat eine detaillierte Prognose des Uranmarktes angefertigt. Demnach steigt nicht nur die Nachfrage, sondern auch das Angebot. Die Analysten gehen davon aus, dass die Einnahmen von elf in der Analyse berücksichtigten Uranproduzenten von 4,7 Mrd. USD im Jahr 2023 auf 14,9 Mrd. USD im Jahr 2033 steigen dürften. Vor allem in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wird die Inbetriebnahme neuer Minen erwartet. Die Einnahmen steigen jedoch nicht nur aufgrund der steigenden Fördermengen, sondern auch aufgrund steigender Preise.
Uranpreise langfristig erhöht
"Es wird prognostiziert, dass die durchschnittlich realisierten Uranpreise in der gesamten Gruppe von 59,6 USD pro Pfund im Jahr 2023 auf 98,7 USD im Jahr 2033 steigen werden, wobei die Preise auch danach weiter leicht steigen dürften", heißt es in dem Bericht.
Bislang ist der Markt auf zwei Produzenten konzentriert: Die kasachische Kazatomprom und das kanadische Unternehmen Cameco. Dieser erzielten im vergangenen Jahr 3,3 Mrd. USD bzw. 2,1 Mrd. USD an Erlösen durch den Verkauf von Uran. Danach wird die Luft schnell dünn. An dritter Stelle liegt das chinesische Unternehmen CGN Mining mit Uranumsätzen in Höhe von 253 Mio. USD im vergangenen Jahr.
Es folgen: Paladin Energy mit 247 Mio. USD, Boss Energy mit 96 Mio. USD, Uranium Energy mit 56 Mio. USD und Denison Mines mit 9 Mio. USD.
Doch dieses Bild dürfte sich den Analysten von Visible Alpha zufolge ändern. Akteure wie NextGen Energy, Deep Yellow, Bannermann Energy und Lotus Resources explorieren und entwickeln derzeit Projekte, die innerhalb der nächsten 3 bis 7 Jahre den Produktionsstatus erreichen. NextGen etwa, das bis heute nahezu keine Einnahmen erzielt, rechnet bis 2030 mit Uran-Erlösen in Höhe von 1,3 Mrd. USD. Denison Mines erwartet 2030 768 Mio. USD; Uranium Energy 548 Mio. USD.
Uranproduktion steigt bis 2033 deutlich
Diese Erwartungen spiegeln sich in der Prognose des langfristigen Angebots wider. Die Gesamt-Uranproduktion der Gruppe wird voraussichtlich von 58,5 Millionen Pfund im Jahr 2025 auf 141,2 Millionen Pfund bis 2033 steigen. Das entspricht einer Steigerung um fast das 2,5-Fache in weniger als zehn Jahren.
Für diese Produktionssteigerung investieren die Akteure mehr Geld. Visible Alpha erwartet, dass die gesamten Uran-Capex von 704 Mio. USD im Jahr 2024 auf 969 Mio. USD im Jahr 2025 steigen und im Jahr 2027 einen Höchststand von 1.Mrd. USD erreichen werden, bevor sie im Jahr 2028 vor allem aufgrund von Kürzungen bei Kazatomprom und Cameco auf 1,5 Mrd. USD sinken.
Aus Anlegerperspektive ist ein anderer Punkt interessant: Die Analysten beobachten einen zunehmend segmentierten Markt zwischen etablierten Premium-Unternehmen und preisreduzierten Projektentwicklern. Festgemacht wird dies am Nettoinventarwert NAV. Dieser liegt bei 2,3 bei Cameco und 1,0 bei Kazatomprom. Die Analysten sehen die Bewertung des kasachischen Unternehmens durch geopolitische und rechtliche Risiken begrenzt.
"Mittelgroße Namen wie NexGen, Denison und Uranium Energy befinden sich im Mittelfeld und werden mit dem 1,3- bis 1,6-Fachen des Nettoinventarwerts gehandelt, was darauf hindeutet, dass die Märkte bereits ein erhebliches Aufwärtspotenzial von Projekten einpreisen, die sich noch in der Ausbauphase befinden", heißt es in dem Bericht.
Kleinere Uranentwickler aus Down Under werden unter NAV gehandelt
Im Gegensatz dazu werden dem Bericht zufolge die kleineren australischen Entwickler Deep Yellow und Boss unterhalb des Nettoinventarwerts gehandelt, wobei Lotus Resources nur mit dem 0,6-Fachen des NAV bewertet wird.
Die Nachfrage nach Uran steigt beständig. KI, Rechenzentren und die Elektrifizierung treiben den Stromverbrauch, das Bestreben nach der Reduzierung von CO2-Emissionen und der Zugang zu geopolitisch sicherer Energieversorgung sprechen aus Sicht vieler Regierungen für den Ausbau der Kernkraft. Die Internationale Atomenergieorganisation IAEO geht davon aus, dass sich die weltweite Kernkraftkapazität bis 2050 mindestens verdoppeln wird.
Die Politische Unterstützung nimmt in zahlreichen Ländern zu: Im Mai 2025 erließen die USA eine Reihe von Präsidialverordnungen mit dem Ziel, die heimische Kernkraftkapazität bis 2050 von derzeit rund 100 Gigawatt auf 400 Gigawatt zu vervierfachen. Andere Länder wie China, Indien, Russland, die Türkei und Südafrika haben ebenfalls Ausbaupläne vorgelegt.