GlenTinto ist vorerst vom Tisch: Welche Deals werden als nächstes angebahnt?
GlenTinto ist vorerst vom Tisch. Nach dem Scheitern der Gespräche unterliegt Rio Tinto GB0007188757 852147 nun einer 6-monatigen Sperrfrist, während der kein weiteres verbindliches Angebot abgegeben werden kann. Ausnahmen sind jedoch auch hier möglich. Sollte ein Dritter in den Bieterkampf eintreten oder Glencores JE00B4T3BW64 A1JAGV Vorstand zu Gesprächen einladen, ist eine Fortsetzung bereits vorab möglich.
Trotz der geplatzten Gespräche dürfte die M&A-Aktivität im Sektor hoch bleiben. Morningstar DBRS ging während der laufenden Gespräche zwischen Rio Tinto und Glencore davon aus, dass 2026 ein bedeutendes Jahr für Fusionen und Übernahmen im Bergbausektor wird. Insbesondere der Druck auf BHP AU000000BHP4 850524 zum Abschluss eigener Deals ist Morningstar DBRS zufolge hoch. Generell aber gilt für alle Akteure: Kommt es zu einer großen Fusion, müssen andere Majors reagieren, um ihre Größen- und Kostenpositionen im Wettbewerb zu halten.
Große Deals erzeugen Druck auf andere Majors
Die strukturellen Motivationsgründe für Zusammenschlüsse bleiben erhalten. Große Deals wie der angekündigte und im regulatorischen Prozess befindliche zwischen Anglo American GB00BTK05J60 A41BF3 und Teck Resources CA8787422044 858265 zielen auf dominante Positionen in Kupfer, Zink und anderen Energiewende-Metallen ab.
Die Knappheit hochwertiger Assets bei Kupfer und in anderen zukunftsrelevanten Bereichen macht M&A zum schnellsten Weg zur Steigerung von Volumen und Laufzeit im Portfolio. Gleichzeitig verfügen die großen Unternehmen nach Jahren der Disziplin über starke Bilanzen mit soliden Cashflows, geringer Verschuldung und entsprechend vorhandenen Kapazitäten zur Finanzierung größerer Deals.
Das Scheitern der Gespräche zwischen Rio Tinto und Glencore sollte deshalb nicht als Ende der M&A-Aktivität fehlinterpretiert werden. "Die strategische Logik der Konsolidierung an der Spitze des Bergbausektors ist nach wie vor gegeben", sagt Andrea Hotter von Fastmarkets. Kupferknappheit, Nachhaltigkeitsdruck, geopolitische Zersplitterung und der enorme Kapitalbedarf der zukünftigen Fördermengen drängten die Bergbauunternehmen zu größeren Betrieben. Die Frage sei nicht mehr, ob eine Konsolidierung sinnvoll sei, sondern wer die Regeln festlege.
Hotter sieht die Ursache des Scheiterns der Verhandlungen in einem Zusammenprall zweier Unternehmenskulturen. Glencore fürchtete demnach um Macht und Einfluss – und konnte sich auf die Forderung von Rio Tinto nach weitreichender Kontrolle des fusionierten Unternehmens nicht einlassen.
"Glencore profitiert von Komplexität"
"Glencore ist nicht einfach nur ein weiterer diversifizierter Bergbaukonzern. Es ist ein Hybridunternehmen: Bergbau, Vermarktung und Risikobereitschaft. Sein Wert liegt ebenso sehr in seinen Handlungsoptionen und seinem Geschäftssinn wie in Kupferkathoden oder Kohlemengen", sagt Hotter. Glencore profitiere von Komplexität. Handelsdesks, Länderrisiken, politische Feinheiten und Bilanzhebel ermöglichen es dem Unternehmen, aus Volatilität Wert zu schöpfen." Rio Tinto dagegen habe "fast ein Jahrzehnt damit verbracht, sich als verantwortungsbewusster Akteur zu positionieren: Kapitaldisziplin, operative Einfachheit und ein fast schon religiöser Fokus auf erstklassige Vermögenswerte."
Zu welchen Deals es im Bergbau 2026 noch kommen könnte, ist naturgemäß Spekulation. Im Hinblick auf BHP (aktuelle Bewertung: 162 Mrd. USD) wird einerseits ein erneuter Versuch bei Anglo American diskutiert, wenngleich ein solches Szenario als sehr unwahrscheinlich gilt.
Denkbar erscheint auch ein Gegenangebot für Glencore – insbesondere mit Fokus auf Kupfer und der Vereinbarung zu späteren Assetverkäufen. Auch ein großer Kupfer- bzw. Nickel-Produzent wie Freeport McMoran US35671D8570 896476 (Bewertung: 75 Mrd. EUR) oder Vale Base Metals wird in Branchenkreisen als mögliches Übernahmeziel diskutiert.
Welche Schritte übernehmen Glencore und BHP?
Glencore indes hat nach dem Scheitern der Gespräche mit Rio Tinto bereits signalisiert, dass Übernahmen weiterhin eine mögliche Vorgehensweise darstellen. Dabei wurden auch Joint Ventures und Assets Swaps nicht ausgeschlossen.
Relativ unspektakulär wären Erhöhungen der Anteile bei den bestehenden Kupfer-Joint-Ventures. Das Potenzial hier erscheint allerdings begrenzt. So besitzt Glencoe 75 % der Anteile an der Kamoto Copper Company (KCC) in der DR Kongo. Die verbleibenden 25 % gehören jedoch dem staatlichen Bergbauunternehmen Gecamines.
Der Anteil an der im Norden Chilis gelegenen Kolahuasi beträgt 44 %. Ebenso viel besitzt Anglo American – dass dieses nach dem Deal mit Teck ausgerechnet den Anteil an einem Kupferasset reduziert, darf als unwahrscheinlich gelten. Die verbleibenden 12 % der Anteile gehören Japan Collahuasi Resources BV. Glencore’s Anteil an der Kupfer-Zink-Mine Antamina in Peru beträgt 33,75 %. Ebenso viel hält BHP. Tech hält 22,5 %, Mitsubishi 10 %.

