Analysten prognostizieren 300 % Preisanstieg für Uran
Der Uranpreis befindet sich im Aufwind. Ende Januar lag der Spotpreis dem kanadischen Produzenten Cameco zufolge bei 94,28 USD pro Pfund. Dies entsprach dem höchsten Stand seit Ende Februar 2024. Die Spotpreise schwankten im Jahr 2025 zwischen gut 64 USD Ende März und knapp 83 USD Ende September.
Spot und Terminmarkt: Uranpreise im Aufwind
Auch die Uranpreise im Terminhandel zeigen einen Aufwärtstrend an. Ende Januar durchbrachen diese kurzzeitig die Marke von 100 USD pro Pfund, was ebenfalls dem höchsten Stand seit Februar 2024 entsprach. In dieser Woche notieren die Uranpreise bei gut 90 USD.
An den Märkten laufen Wetten auf eine steigende Nachfrage. Anfang Januar hatte das US-Energieministerium bekannt gegeben, drei Dienstleistern im Bereich der Uran-Anreicherung Aufträge im Wert von jeweils 900 Mio. USD erteilt zu haben. Betroffen sind American Centrifuge Operating (eine Tochtergesellschaft von Centrus Energy) und General Matter, die beide inländische Kapazitäten zur Anreicherung von hochangereichertem Uran (HALEU) aufbauen werden, sowie Orano Federal Services, das inländische Kapazitäten zur Anreicherung von niedrigangereichertem Uran (LEU) errichten wird. Zusätzlich erhielt Global Laser Enrichment 28 Mio. USD zur Weiterentwicklung der Anreicherungstechnologie der nächsten Generation.
Die Aufträge, deren Volumen das Ministerium bereits im Herbst in Aussicht gestellt hatte, kommen nicht von ungefähr. Die Renaissance der Kernenergie treibt die Nachfrage nach Uran, so dass Regierungen sich zum Handel gezwungen sehen.
So steigt der Strombedarf, unter anderem durch große Technologieunternehmen und deren KI-Lösungen. Außerdem ändern sich die globalen Rahmenbedingungen. Teile der globalen Produktion stehen für die westlichen Lieferketten mit Risiken oder gar nicht zur Verfügung.
Globale Urannachfrage könnte sich bis 2040 verdoppeln
Gleichzeitig verläuft das Angebot schleppend, da der Bau von Minen sich lange hinzieht. Die Projektpipeline ist weitgehend ausgeschöpft. Analysten der in Abu Dhabi ansässigen Investmentbank Teniz Capital rechnen laut einem letzte Woche veröffentlichten Research Report mit einem Anstieg der Nachfrage nach Uran um 28 % bis zum Ende des Jahrzehnts und einer Verdoppelung der Nachfrage bis 2040. Dieser Dynamik stehe keine entsprechende Ausweitung des Angebots gegenüber.
Zitat aus dem Bericht: "Historische Parallelen zur Mitte der 2000er Jahre deuten darauf hin, dass der aktuelle Preisanstieg nur der Anfang einer massiven Rallye ist. Uran hat einen Wendepunkt erreicht, der in den nächsten Jahren zu einer Verdreifachung oder sogar Vervierfachung seines Wertes führen könnte, was es zu einem der vielversprechendsten Vermögenswerte im Energiesektor macht."
Die Einschätzung wird durch Zahlen aus anderen Quellen bestätigt. So geht die Weltbank davon aus, dass Uranminen derzeit nur 74 bis 90 % des Bedarfs decken können und dass sich dieses Defizit in Zukunft noch ausweiten wird. Teniz Capital führt an, dass auch die in der Vergangenheit genutzten Sekundärquellen, wie Wiederaufbereitung und kommerzielle Lagerbestände, mittlerweile weitgehend erschöpft sind. Sie sehen deshalb einen langfristigen strukturellen Aufwärtstrend.
"Versorgungsdefizit ist vorprogrammiert"
"Das Versorgungsdefizit in den 2030er Jahren ist bereits vorprogrammiert. Es lässt sich weder durch politische Entscheidungen noch durch Investitionen beseitigen", heißt es in dem Bericht.
Andere Uran-Experten bestätigen diese Auffassung. Ben Elvidge, Produktleiter bei Uranium.io, sagt: "Dieser Uranzyklus unterscheidet sich wesentlich von früheren Rohstoffaufschwüngen, da die Angebotselastizität strukturell niedrig ist, während die Nachfrage politisch gesteuert und nicht diskretionär ist."
An diesen Fundamentaldaten ändert auch die jüngste Guidance des kasachischen Produzenten Kazatomprom nichts, der einen Produktionsanstieg von etwa 9 % auf 71,5 bis 75,4 Millionen Pfund im Vergleich zum Vorjahr in Aussicht stellte. BMO Capital Analyst Alexander Pearce sieht dadurch allenfalls "kurzfristig durch ein leicht verringertes Angebotsdefizit" einen gewissen Druck auf den Uranpreisen.
Anleger können auf verschiedenen Wegen in Uran investieren. Eine Möglichkeit ist der Kauf von Aktien großer Produzenten wie Cameco. Eine weitere Option bieten Uran-ETFs, die in Aktien von Unternehmen investieren, die mit der Gewinnung und der Weiterverarbeitung von Uran in Zusammenhang stehen. Ein Beispiel dafür ist der Global X Uranium ETF US37954Y8710 A143H1, der in den letzten zwölf Monaten um gut 67 % zulegen konnte. Im ETF finden sich Unternehmen wie Cameco, Uranium Energy, NextGen Energy und Energy Fuels.
Eine weitere Option ist der Kauf physischen Urans, wie ihn etwa der auf Rohstoffe spezialisierte Vermögensverwalter Sprott mit dem Sprott Physical Uranium Trust CA85210A1049 A3CU5R ermöglicht.