Reservenwachstum bei Kupferproduzenten stockt – Neue Projekte steigen im Wert
Ein aktueller Bericht von S&P Global kommt zu dem Schluss, dass nur vier der zehn größten Kupferproduzenten weltweit im Zeitraum von 2015 bis 2024 ihre Reserven so weit erhöhten, dass die Zahl der rechnerisch verbleibenden Produktionsjahre zunahm. Bei den anderen sechs Unternehmen kam es dagegen aufgrund einer zu langsamen Reservenaufstockung zu einem Rückgang der verbleibenden Produktionsjahre.
Im Berichtszeitraum verlängerten vier Unternehmen – Codelco, Freeport-McMoRan US35671D8570 896476, Glencore JE00B4T3BW64 A1JAGV und CMOC (ISIN: US1694ER1044) – ihre jährliche Kupferproduktion um durchschnittlich 4,5 Jahre, während die anderen sechs Produzenten aus den Top 10 einen Rückgang verzeichneten.
Top-10-Kupferproduzenten sitzen auf 363,5 Mio. Tonnen Reserven
Am stärksten fiel der Rückgang der verbleibenden Produktionsjahre bei Zijin Mining CNE100000502 A0M4ZR, Southern Copper US84265V1052 A0HG1Y und (mit deutlichem Abstand) Rio Tinto GB0007188757 852147 aus. Auch BHP AU000000BHP4 850524, KGHM Polska PLKGHM000017 908063 und Anglo American GB00BTK05J60 A41BF3 verzeichneten leichte Rückgänge.
Von 2015 bis 2024 stockten die zehn führenden Kupferproduzenten dem Bericht zufolge ihre Kupferreserven um 130,9 Mio. Tonnen auf, was 134 % ihrer Produktion in diesem Zeitraum in Höhe von 88,1 Mio. Tonnen entsprach.
Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) bei der Kupferproduktion lag bei 1 %. Das stärkste Wachstum verzeichnete dabei mit einer CAGR von 29 % CMOC – vor allem durch die Produktionssteigerungen in den Minen Tenke Fungurume und Kisanfu in der DR Kongo. Am unteren Ende der Wachstumsskala lag KGHM Polska.
Ende 2024 verfügte die Gruppe über Kupferreserven von 363,5 Mio. Tonnen. Dies würde eine Produktion auf dem gegenwärtigen Niveau rechnerisch für 37 Jahre ermöglichen. Zijin Mining, das im Produktionsranking den sechsten Platz belegt, besaß mit 70,9 Mio. Tonnen die größten nachgewiesenen und wahrscheinlichen Kupferreserven.
85 % des Reservenwachstums durch Exploration
Explorationsaktivitäten trugen mit 111,3 Mio. Tonnen zu 85 % zum Reservenwachstum bei, 15 % bzw. 19,6 Mio. Tonnen entfielen auf den Erwerb von Assets. Im Berichtszeitraum wurden 6,97 Mrd. USD in Exploration investiert. 14,43 Mrd. USD flossen in den Erwerb neuer Reserven. Dabei zahlten die Unternehmen im Durchschnitt 33 Cent/lb Kupfer.
Unter Berücksichtigung der durch Exploration hinzugewonnenen Reserven lagen die Kosten bei 7 Cent/lb. Die Bandbreite reichte dabei von 1 Cent/lb bei KGHM Polska bis hin zu 28 Cent/lb bei BHP.
Es braucht absehbar mehr Exploration, um die Pipeline zu füllen: Große Kupferfunde wurden mit den knapp 7 Mrd. USD an Explorationsausgaben nicht gemacht: Nur fünf der Top-10-Unternehmen konnten zwischen 2010 und 2024 größere Kupferfunde verzeichnen, die sich auf insgesamt 28,7 Mio. Tonnen Kupfer in Reserven, Ressourcen und der bisherigen Produktion belaufen.
Strategischer Fokus auf langfristige Projekte
"In den Jahren 2015–2024 vollzog die Kupferindustrie einen Wandel von der Sparpolitik nach dem Superzyklus hin zu einem Angebotsausblick, der von strukturellen Beschränkungen geprägt war", heißt es in dem Bericht. "In diesem Zeitraum fand eine strategische Weiterentwicklung statt, die durch eine differenzierte Mischung aus Brownfield-Exploration, gezielten Fusionen und Übernahmen, Joint Ventures und disziplinierten Explorationsbemühungen gekennzeichnet war."
Der Bericht konstatiert eine "deutliche Verlagerung" der M&A Aktivitäten und Partnerschaften "hin zu einem strategischen Fokus auf langfristige, auf bestehende Kupfervorkommen ausgerichtete Projekte und Konsolidierung." Bestrebungen zur Diversifizierung des Standortrisikos und zur Bewältigung geopolitischer und regulatorischer Risiken seien dabei treibende Kräfte.
"Beispiele hierfür sind die Akquisitionen von Glencore, das Joint-Venture-Projekt Resolution von Rio Tinto und BHP in Arizona, die Übernahme von El Pilar in Mexiko und Michiquillay in Peru durch Southern Copper sowie der Kauf der restlichen Anteile an Turquoise Hill Resources Ltd. durch Rio Tinto im Jahr 2022", heißt es erläuternd.
Reservenlücke erhöht Wert neuer Projekte
Für den Markt lässt sich daraus ableiten, dass selbst die größten Produzenten ihre Reserven nicht in ausreichendem Tempo ersetzen und größere Neufunde selten bleiben. Dadurch gewinnt der "Nachschub" an neuen Lagerstätten an Bedeutung – und der entsteht häufig bei kleineren Explorations- und Entwicklungsgesellschaften, die mit Bohrungen und technischen Arbeiten die Grundlage für spätere Reserven schaffen.
Dazu gehört z. B. das Kupferprojekt "Gunnison" von Gunnison Copper in Arizona CA4028801088 A40TP4, das als eines der umfangreichsten Tagebau-Kupfervorhaben in den USA gilt. Ebenfalls in den USA ist Prismo Metals CA74275P1071 A2QEGD mit seinem Kupferprojekt "Hot Breccia" im Kupfergürtel Arizonas aktiv, bei dem geophysikalische Daten auf ein größeres mineralisiertes System hindeuten. Auf der anderen Seite des Kontinents, in Neufundland (Kanada), treibt Visionary Copper & Gold CA9279521012 A41FV3 das Projekt "Point Leamington" voran – ein Vorkommen mit Gold-, Zink- und Kupferanteil vom Typ vulkanogenes Massivsulfid. Und in der mexikanischen Sonora-Region exploriert Algo Grande Copper CA0156071049 A41UK1 das "Adelita"-Projekt: Dort läuft aktuell ein Bohrprogramm, das in den folgenden Monaten KI-datengestützt fortgesetzt und zu raschen Projektfortschritten beitragen wird.
So unterschiedlich die Schauplätze auch sind, gemeinsam ist diesen Vorhaben, dass die nächsten Arbeitsschritte neue, aussagekräftige Daten liefern – und damit genau jenen Lagerstätten-Nachschub adressieren, den die großen Produzenten zunehmend suchen.

