Gold- und PGM Rallye belebt Südafrikas gebeutelten Bergbau
Südafrikas Bergbau erfährt durch die hohen Metallpreise eine gewisse Belebung. Mehrere Minen gingen zuletzt an den Start. Eine davon ist Qala Shallows im Besitz des australischen Unternehmens West Wits Mining. Im Oktober wurde hier, rund 16 Kilometer von Johannesburg entfernt, nach Investitionen in Höhe von 100 Mio. USD das erste Gold gefördert. Qala Shallows soll Gold zu AISC von 1.291 USD pro Feinunze fördern – deutlich günstiger als andere Minen in Südafrika. Für das laufende Jahr ist eine Produktion von 6.000 Feinunzen vorgesehen, die bis 2029 auf 70.000 Unzen pro Jahr ansteigen soll.
Trotz einzelner Lichtblicke: In Südafrikas Bergbau stehen die Zeichen auf Abstieg
Es gibt weitere Beispiele für die Wiederbelebung des südafrikanischen Edelmetallbergbaus. Harmony Gold, der größte Goldproduzent des Landes, erweitert die über 4 Kilometer in die Tiefe reichende Mponeng-Mine und verdoppelt damit deren erwartete Lebensdauer auf 20 Jahre.
Südafrika blickt auf eine lange und erfolgreiche Bergbautradition zurück. Das Land war im Großteil des 20. Jahrhunderts die Goldhauptstadt der Welt und produzierte fast die Hälfte aller jemals hergestellten Goldbarren und -schmuckstücke. Doch der Sektor leidet unter multiplen Schwierigkeiten und war zuletzt nur noch der zwölftgrößte Goldproduzent weltweit (2007 lag Südafrika noch vorn).
Dem südafrikanischen Bergbau fehlt es an Investitionen. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Viele der Minen liegen tief und werden mit veralteten Methoden betrieben, was die Kosten in einem Land mit starken Gesellschaften zu den höchsten weltweit ansteigen ließ. Der zweitgrößte südafrikanische Produzent, Sibanye Stillwater, zieht die Wiedereröffnung seiner Burnstone-Mine in Betracht.
"Der südafrikanische Goldminensektor hat in den letzten Jahren immer wieder mit Gegenwind zu kämpfen gehabt", sagte Izak Odendaal, Anlagestratege beim Vermögensverwalter Old Mutual. "Dass er nun endlich einen solchen Aufschwung durch den Goldpreis erfährt, ist phänomenal."
Hohe Inflation schreckt Investoren ab
Die hohen Metallpreise überdecken die vielfältigen strukturellen Probleme des Landes, die allzu oft zu direkten Problemen der Bergbauunternehmen werden. Zu diesen Problemen zählen massive Kostensteigerungen im Bereich von 16 % für Strom, knapp 12 % für Wasser und 6 % für Arbeitskräfte.
Doch hohe Kosten sind nicht das einzige Problem. Die Stromversorgung des Landes ist unzuverlässig. Dasselbe gilt für die Exportkapazitäten, die vor allem über die Terminals in Durban, Richards Bay und Saldanha Bay und durch Hafenstaus und Verzögerungen stark schwanken. Dies betrifft zwar vor allem die Kohle- und Eisenerzindustrie, hinterlässt jedoch im gesamten Bergbau Spuren.
Wie stark die Preissteigerungen die Engpässe kompensieren, zeigt ein Blick auf die Produktionszahlen des südafrikanischen Bergbaus im vergangenen Jahr. Im Zeitraum von Januar bis November ging die Goldproduktion um 6 % zurück. Die Einnahmen legten jedoch um mehr als 19 Mrd. ZAR zu. Die PGM-Metall-Produktion sank um 2,8 % gegenüber dem Vorjahr, während die Einnahmen um knapp 26 Mrd. ZAR anstiegen.
Der preisbedingte Aufschwung kommt gelegen. Laut einer Berechnung von "Business Day" zahlten die lokalen Bergbauunternehmen im Jahr 2024 nur 43,6 Mrd. ZAR Steuern, ein Rückgang um 49 % gegenüber 2023. Grund dafür waren die seit über zwei Jahren gedämpften Preise für Platingruppenmetalle, zweistellige Strompreiserhöhungen sowie steigende Arbeits- und Wasserkosten, die die Rentabilität belastet hatten.
Höhere Goldpreise füllen Kassen – aber ist die Entwicklung nachhaltig?
Azar Jammine, Direktor und Chefökonom bei Econometrix, rechnet vor, was die steigenden Preise für die Einnahmen des Sektors bedeuten: "Wir produzieren jährlich 3,5 Millionen Unzen Gold, und der Goldpreis ist um 2.500 US-Dollar pro Unze gestiegen. Wenn die Preise auf dem aktuellen Niveau bleiben, ergibt das zusätzliche jährliche Einnahmen von 100 Mrd. ZAR im Vergleich zum Vorjahr." Die deutlich gestiegenen Preise für Platin und Palladium wirken in dieselbe Richtung.
Fraglich ist allerdings, ob die Rallye ausreicht, um – neben den Begehrlichkeiten der öffentlichen Hand – auch die Investitionen zu finanzieren, die für eine weitreichende Modernisierung des südafrikanischen Bergbaus notwendig sind. Shaun Jacobs vom Daily Investor etwa sagt, das Land habe sich "von einem der besten Standorte weltweit für den Betrieb eines Bergwerks zu einem der schlechtesten entwickelt."
Peter Major, Bergbauanalyst bei Modern Corporate Solutions, verweist auf das Beispiel des South Deep Vorkommens. "South Deep war ein Juwel ohne Illusionen. South Deep verfügte vermutlich über 100 Millionen Unzen Goldvorkommen." Doch die Ressourcen hätten "aufgrund der hohen Kosten in diesem Land fast jedes Jahr nach unten korrigiert" werden müssen. Dies sei nur zum Teil auf die anspruchsvolle (tiefe) Lagerstätte zurückzuführen.

