GlenTinto: Beim Merger von Rio Tinto und Glencore geht es um Kupfer und Handelsmacht
Ein Zusammenschluss von Rio Tinto und Glencore wäre eine der größten Transaktionen der letzten 30 Jahre – und ein Wegweiser für Veränderungen auf wichtigen Rohstoffmärkten.
Ein ganz wesentlicher Aspekt der im Raum stehenden Fusion betrifft Kupfer. Durch einen Zusammenschluss entstünde das größte Kupferunternehmen der Welt – und zwar zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt, da Kupfer als das Industriemetall der Stunde gilt und für alle wichtigen Megatrends von KI über Elektrifizierung bis hin zu Rüstung benötigt wird.
Daten von Benchmark Mineral Intelligence zufolge würde das kombinierte Unternehmen im Jahr 2026 rund 7 % des globalen Kupferangebots stellen – und damit deutlich mehr als das geplante Anglo Teck mit 4 %.
Bei Kupfer stehen die Zeichen auf Wachstum
Die Weichen wären bereits jetzt in Richtung weiteren Produktionswachstums gestellt: Glencore allein plante zuletzt bereits, die jährliche Produktion bis 2035 auf 1,6 Mio. Tonnen auszuweiten. Das Wachstum soll dabei überwiegend durch kosteneffiziente Brownfield-Projekte generiert werden. Rio Tinto strebt an, die Kupferproduktion bis zum Ende des Jahrzehnts auf 1 Million Tonnen pro Jahr zu steigern, gegenüber etwa 700.000 Tonnen im Jahr 2024.
James Hayter, Chief Investment Officer bei Orion Resource Equities, geht davon aus, dass Rio Tinto bei einem Zustandekommen des Deals eine Prämie für Glencore zahlen wird und dass diese sich am aktuellen und potenziellen zukünftigen Wert des Kupferportfolios des Konzerns orientieren wird.
Doch es geht bei dem Deal nicht nur um den Zugang zu Kupfer und um Größe. "Glentinto", wie das mögliche künftige Unternehmen mitunter genannt wird, könnte den globalen Rohstoffhandel entscheidend verändern. Andrea Hotter vom Branchendienst Fastmarkets etwa sieht ein Unternehmen entstehen, "das in der Lage ist, Angebot, Logistik und Preisgestaltung auf mehreren Märkten zu beeinflussen." Grund sei die Kombination aus Glencores Marketingplattform, die zu den besten der Welt zähle, und Bergbauportfolio mit Rio Tintos Produktion. Hotter zufolge entsteht dadurch ein integrierter Konzern, "der sowohl die Lieferkette als auch die Vertriebswege kontrolliert."
GlenTinto würde Produktion und Vertrieb kontrollieren
Der fusionierte Konzern würde demnach sowohl die vorgelagerte Produktion als auch die Vertriebskanäle kontrollieren und dadurch mehr Handlungsspielraum in Bezug auf Rohstoffe, Regionen und Preiszyklen erhalten.
"Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Glencores Marketingexpertise genutzt werden könnte, um Lieferengpässe zu beheben, Absicherungsstrategien zu optimieren und Marktverwerfungen effizienter zu monetarisieren, während das riesige Produktionsimperium der fusionierten Unternehmen das Portfolio stabilisiert", schreibt Hotter. Die Gestaltungsmacht auf den Rohstoffmärkten werde durch Synergien in den Bereichen Versand, Lagerung und Risikomanagement noch verstärkt.
Die Folgen für andere Marktteilnehmer: Engere Lieferketten, bevorzugter Zugang für einige Akteure und Veränderungen in der Preisdynamik bei Kupfer, Eisenerz, Kohle und anderen wichtigen Märkten. "Der fusionierte Konzern würde sowohl die vorgelagerte Produktion als auch die Vertriebskanäle kontrollieren und dadurch mehr Handlungsspielraum in Bezug auf Rohstoffe, Regionen und Preiszyklen erhalten", sagt Hotter.
Bergbauanalyst Dumisani Pamba weist auf die Bedeutung eines möglichen Zusammenschlusses auf andere Rohstoffe hin. So entstünde in den Märkten für Eisenerz und Eisenmetalle ein neuer Riese mit einer jährlichen Produktion von 390-400 Mio. Tonnen Eisenerz und 2,7-2,8 Mio. Tonnen Eisenmetallen. Pampa sieht durch Rio Tintos Bauxitproduktion im Fall einer starken Integration einen wachsenden Einfluss auf die Preise für Aluminium und durch Glencore Handelsnetzwerk auch bei Nickel, Zink und Blei eine globale Marktpräsenz und Preisgestaltungsmacht.