Fusion von Rio Tinto und Glencore: Aktueller Stand und Hintergründe zu GlenTinto

Fusion von Rio Tinto und Glencore: Aktueller Stand und Hintergründe zu GlenTinto picture alliance / Photoshot

Knapp ein Jahr nach dem Scheitern früherer Verhandlungen haben Rio Tinto GB0007188757 852147 und Glencore JE00B4T3BW64 A1JAGV die Gespräche über einen Zusammenschluss wieder aufgenommen. Die "vorläufigen Gespräche" über einen "möglichen Zusammenschluss einiger oder aller ihrer Geschäftsbereiche" lassen die Schaffung eines Bergbauriesen im Wert von 260 Mrd. USD wieder möglich erscheinen.

Gemäß den britischen Übernahmeregeln hat Rio Tinto bis zum 5. Februar Zeit, entweder ein Angebot für Glencore abzugeben oder zu erklären, dass es dies nicht beabsichtigt – dann wäre ein Angebot sechs Monate lang ausgeschlossen.

Bei "GlenTinto" geht es primär um Kupfer

Das fusionierte Unternehmen könnte eine global führende Rolle bei Eisenerz, Kobalt, Lithium und Kupfer einnehmen. Vor allem Kupfer-Assets sind in der Branche derzeit sehr begehrt, weil dem Kupfermarkt eine lange Phase der Unterversorgung prophezeit wird. Exploration ist aus Sicht der Konzerne keine ausreichende Lösung: In den letzten Jahren wurden immer weniger neue Lagerstätten entdeckt. Das abgelehnte Übernahmeangebot von BHP AU000000BHP4 850524 für Anglo American fokussierte ebenso Kupfer wie die Fusion von Anglo American und Teck Resources CA8787422044 858265.

Glencore hält Anteile an der Mine Collahuasi in Chile, einem der weltweit ergiebigsten Kupfervorkommen, sowie an mehreren anderen Kupferminen, Hüttenwerken und Raffinerien weltweit.  CEO Gary Nagle hatte im Dezember erklärt, Glencore zum größten Kupferproduzenten weltweit ausbauen zu wollen.

Durch Expansionsvorhaben wie die Entwicklung der neuen Kupfermine El Pachón in Argentinien soll die jährliche Kupferproduktion bis 2035 auf 1,6 Mio. in etwa verdoppelt werden. Nagle hatte sich zudem für die Schaffung großer Unternehmen ausgesprochen. "Es ist sinnvoll, größere Unternehmen zu gründen. Nicht nur um der Größe willen, sondern auch um wesentliche Synergien zu schaffen, Relevanz zu gewinnen, Talente und Kapital anzuziehen."

Derren Nathan, der Leiter des Aktienresearch von Hargreaves Lansdown, sieht diese Effekte bei dem im Raum stehenden Deal durchaus gegeben: "Die diversen Assets und möglichen Synergien haben das Potenzial, weiteren Schutz vor künftigen Rohstoffpreisschwankungen zu bieten."

Rio Tintos Kupfergeschäft umfasst die Mine Kennecott in Utah und das lange verzögerte Projekt Resurgent in Arizona, das nach seiner Inbetriebnahme ein Viertel des US-Kupferbedarfs für Jahrzehnte decken könnte.

George Cheveley, Portfoliomanager bei Ninety One, sagt: "Auf ihren Kapitalmarkttagen im vergangenen Monat hatte Rio Probleme, Wachstum bei Kupfer über 2030 hinaus zu formulieren, während Glencore eine klare Pipeline von Greenfield- und Brownfield-Kupferprojekten vorzeigen konnte."

Was wird aus Glencores Kohlegeschäft?

Eine entscheidende Frage betrifft die Zukunft von Glencores Kohlegeschäft: Die Schweizer sind der größte börsennotierte Kohleproduzent weltweit. Auch an diesem Punkt waren die letzten Gespräche gescheitert. Zwischenzeitlich hat Glencore seine Kohlebeteiligungen allerdings in eine separate australische Gesellschaft ausgegliedert. Dies würde eine vollständige Abspaltung erleichtern.

Rio Tinto hat sich schon vor langer Zeit aus dem Geschäft mit Kohle zurückgezogen. Die letzte Mine wurde 2018 verkauft. Am Freitag berichtete unter anderem Bloomberg, das Unternehmen sei zumindest zu einer vorübergehenden Übernahme des Kohlegeschäfts von Glencore bereit. Dies würde den Deal zumindest technisch erleichtern, weil keine komplizierten Übernahmeregeln ausgehandelt werden müssten.

Auch, aber nicht nur aufgrund des Kohlegeschäfts gibt es Zweifel am langfristigen Erfolg eines Zusammenschlusses.  Andy Forster vom  Rio-Aktionär Argo Investments etwa sieht laut FT bei Glencore einige "ordentliche Assets", ist sich aber "nicht sicher, ob die Passung so überzeugend ist."  Die beiden Unternehmen gelten als kulturell recht unterschiedlich.

"Letztendlich wird es für die Rio-Aktionäre darauf ankommen, wie viel sie für die Teile bezahlen, die sie haben wollen", sagt Tony White von MKI Global Partners. Er sieht die Übernahme im Branchenkontext: "Jeder muss darüber nachdenken, was Anglo Teck für ihn bedeutet."  Unternehmen seien nun möglicherweise eher bereit, "flexibel zu sein und nicht nach dem perfekten Deal zu suchen."

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Wie reagiert BHP?

RBC-Analyst Ben Davis sieht es ähnlich: "Das war wahrscheinlich die schlimmstmögliche Nachricht, die sich BHP-CEO Mike Henry heute Morgen hätte vorstellen können." Analysten der Bank of America sehen diesen Zusammenhang ebenfalls. Der Zusammenschluss von Anglo und Teck habe einen Jetzt-oder-nie-Moment geschaffen. Die Schlüsselfrage laute: "Was wird BHP machen?"

Cheveley glaubt, dass BHP sich einen möglichen Deal "genau ansehen" und möglicherweise sogar intervenieren werde.