Fitch erwartet steigende Metallpreise bei stabilisierter Weltwirtschaft
Die Rohstoffmärkte gehen laut einer aktuellen Analyse von Fitch Solutions mit verhaltenem Optimismus ins neue Jahr. Vor allem Industriemetalle und kritische Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium, Lithium und Nickel dürften 2026 im Durchschnitt teurer werden als im Vorjahr. Treiber sind die weltweit anziehenden Investitionen in grüne Technologien und der langsam abebbende Handelsstreit zwischen den USA und ihren Handelspartnern.
Nachfrage zieht an aber Zölle bleiben ein Risiko
BMI, eine Einheit von Fitch Solutions, sieht rückläufige Unsicherheiten rund um neue Zölle als unterstützenden Faktor für die Rohstoffmärkte. Die Eskalation der US-Zollpolitik unter Präsident Donald Trump erreichte im August 2025 ihren Höhepunkt. Zwar seien erneute Spannungen möglich, doch insgesamt erwartet Fitch eine schrittweise Entspannung.
Ein Wermutstropfen bleibt: Vor allem Kupfer könnte bald erneut unter Druck geraten. Die US-Regierung prüft laut Fitch aktuell, ob ab 2027 ein landesweiter Einfuhrzoll auf raffiniertes Kupfer von 15 % gelten soll, der 2028 sogar auf 30 % steigen könnte.
Immobilienflaute in China belastet die Aussichten
Trotz positiver Trends bei der Energiewende bleibt Chinas Immobilienmarkt ein Unsicherheitsfaktor. Die schwache Baukonjunktur im weltweit größten Verbrauchermarkt für Metalle bremst die Nachfrage nach klassischen Industriemetallen wie Stahl und Aluminium. Fitch erwartet, dass dieser negative Effekt teilweise durch den Boom bei grüner Infrastruktur kompensiert wird.
Wichtigster Hoffnungsträger ist der Sektor der erneuerbaren Energien, der den Bedarf an Lithium, Nickel und Kupfer steigen lässt. Auch westliche Investoren verstärken laut Fitch ihr Engagement in rohstoffreichen Ländern, um sich langfristig Zugang zu kritischen Ressourcen zu sichern.
Gold schwankt mit der Geldpolitik
Bei den Edelmetallen rechnet Fitch mit einem durchschnittlich höheren Goldpreis als 2025, allerdings nur vorübergehend. Die Rallye, die mit dem Beginn der Zinssenkungsrunde 2024 begann, könnte 2026 ins Stocken geraten. Sobald die US-Notenbank die Leitzinssenkungen stoppt, erwarten die Analysten sinkende Kurse – insbesondere ab dem dritten Quartal.
Die Prognose sieht einen Rückgang unter 4.000 USD je Unze vor. Eine stabile US-Wirtschaft könnte zusätzlich zu einem stärkeren US-Dollar führen, was die Preise für Edelmetalle zusätzlich dämpfen würde. Fitch rechnet mit einem Dollarkurs im Bereich von 95 bis 100 Punkten auf den DXY-Index, also ohne große Ausschläge.
M&A und neue Allianzen prägen den Markt
Insgesamt sieht Fitch die Rohstoffbranche vor einem Jahr intensiver Umbrüche. Die Jagd nach kritischen Rohstoffen hat die M&A-Aktivitäten angeheizt. Unternehmen aus Technologie, Automobil und Luftfahrt sichern sich laut Analyse zunehmend über langfristige Abnahmeverträge den Zugang zu knappen Ressourcen.
Auch das Thema "Ressourcennationalismus" bleibt aktuell: Staaten in Afrika und anderen rohstoffreichen Regionen fordern mehr Mitsprache bei der Nutzung ihrer Vorkommen. Fitch geht davon aus, dass Investoren künftig stärker auf lokale Bedingungen eingehen müssen. Projekte mit lokaler Weiterverarbeitung könnten zunehmen – auch weil internationale Konzerne kaum noch Ausweichmöglichkeiten haben.

