Kupferpreis 2026: Was Experten jetzt erwarten

Kupferpreis 2026: Was Experten jetzt erwarten picture alliance / dpa / Bodo Marks

Der Kupferpreis an der LME hat 2025 um rund 36 % zugelegt. Der Markt blickt einem anhaltenden Defizit entgegen: Die Nachfrage in vielen wichtigen Sektoren steigt, das Angebot kann aufgrund langer Vorlaufzeiten bei der Projektentwicklung, sinkender Erzgehalte in großen Minen und einer leeren Pipeline kaum in benötigtem Umfang hochfahren. Eigentlich können die Kupferpreise 2026 nur steigen, oder? Wir haben uns die Preisprognosen für Kupfer von verschiedenen Banken und Analysten angesehen.

Goldman Sachs Research geht davon aus, dass die Kupferpreise im Jahr 2026 gegenüber ihren jüngsten Rekordhochs etwas sinken und erst Ende 2026 wieder ansteigen werden. Die Investmentbank erwartet erst für 2029 ein Überschreiten der 12.000 USD-Marke.

Goldman Sachs sieht Kupferpreise 2026 zwischen 10.000 und 11.000 USD

Dem Bericht von GS-Analyst Eoin Dinsmore zufolge wird ein anhaltender globaler Angebotsüberschuss verhindern, dass die Kupferpreise im Jahr 2026 dauerhaft die Marke von 11.000 USD überschreiten. "Die chinesische Nachfrage nach raffiniertem Kupfer dürfte im vierten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 8 % gesunken sein, da der positive Effekt der Konjunkturprogramme und der zu Jahresbeginn eingeführten, zollbedingten Vorverlagerungen nachgelassen hat", heißt es bei der Investmentbank.

Goldman Sachs prognostiziert für 2026 deshalb LME-Kupferpreise zwischen 10.000 und 11.000 USD pro Tonne, bei einem durchschnittlichen Preis von 10.710 USD pro Tonne im ersten Halbjahr. Nach unten wird dieser Bereich den Analysten zufolge durch das starke globale Nachfragewachstum im Bereich der Stromnetze und der Energieinfrastruktur, unterstützt durch Investitionen in strategische Sektoren wie KI und Verteidigung abgesichert.

Für 2025 rechnet Goldman Sachs mit einem globalen Überschuss von 500.000 Tonnen Kupfer. 2026 sollen es noch 160.000 Tonnen sein. Das "bringt den Markt zwar näher an ein Gleichgewicht heran, bedeutet aber nicht, dass wir in absehbarer Zeit mit einem globalen Kupfermangel rechnen", schreibt Dinsmore.

JP Morgan Kupferpreisprognose 2026: 12.075 USD im Jahresdurchschnitt

JP Morgan ist sehr viel bullisher eingestellt. Die Investmentbank erwartet, dass das Marktungleichgewicht anhalten wird, mit einem globalen Defizit an raffiniertem Kupfer von ~330.000 Tonnen im Jahr 2026. Die Analysten von JP Morgan Global Research prognostizieren deshalb, dass die Kupferpreise im zweiten Quartal 2026 12.500 US-Dollar/Tonne erreichen und im Gesamtjahr im Durchschnitt bei etwa 12.075 US-Dollar/Tonne liegen werden.

Die Analysten betonen angebotsseitige Argumente für ihre Prognose. "Nachdem wir in diesem Jahr mit einem im Wesentlichen stagnierenden Minenangebot gerechnet hatten, sind unsere Prognosen für das Minenangebotswachstum im Jahr 2026 auf nur noch rund +1,4 % gesunken, was etwa 500 kt weniger sind als unsere Schätzungen zu Beginn des Jahres", sagte Gregory Shearer, Leiter der Abteilung Basis- und Edelmetallstrategie.

Die Analysten verweisen auf große Kupferbestände in den USA, die dort aufgrund möglicher Zölle gemäß Abschnitt 232 gewissermaßen gebunden seien – und dass aufgrund des Preisaufschlags an in New York gegenüber London noch immer Kupfer in die USA fließe.

Auch China spielt für die Kupferpreisprognose eine wichtige Rolle: "Akute Angebotsengpässe werden uns voraussichtlich mindestens mehrere Quartale lang begleiten, was unserer Ansicht nach Chinas Fähigkeit einschränkt, höhere Preise einfach auszusitzen. (…) Daher gehen wir davon aus, dass China bald gezwungen sein wird, angesichts der steigenden Kupferpreise zunehmend und widerwillig zuzukaufen", heißt es in dem Bericht.

Benchmark Minerals sieht Rallye von fundamentalen Faktoren entfernt

Benchmark Minerals Analyst Albert Mackenzie konstatiert ebenfalls, dass bis Oktober dieses Jahres in den USA 730.000 bis 830.000 Tonnen wirtschaftlich nutzbares Material in die Lagerbestände geflossen seien "Wir verwenden den Begriff "wirtschaftlich gefangen", um auf dieses Kupfer hinzuweisen, da das aktuelle Arbitrage- und Preisumfeld keinen Anreiz bietet, dieses Material aus den USA abzuführen", so Mackenzie. 

Am generellen Narrativ des unausweichlichen Kupferdefizits hat der Analyst aber Zweifel. Die Preisentwicklung habe sich von den fundamentalen Faktoren entfernt.  Die Kurse seien ebenso sehr durch Absicherungsgeschäfte gegen Zölle und eine Investitionsstrategie im Zusammenhang mit Elektromobilität, künstlicher Intelligenz und Energiewende getrieben worden wie durch tatsächliche Knappheit.

"Die Bergbauunternehmen propagieren eine überzeugende Erzählung von einem langfristigen Rohstoffmangel – und der Markt glaubt ihnen", sagte Mackenzie. "Aber Glaube und Fundamentaldaten sind nicht dasselbe." Zwar sei die langfristige Situation im Hinblick auf steigende Kupferpreise klar positiv, die kurzfristige Marktsituation aber komplexer.

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BloombergNEF: Defizit könnte bis 2050 auf 19 Mio. Tonnen ansteigen

Langfristig, da sind sich die meisten Analysten einig, wird der Kupferpreis aufgrund eines Nachfrageüberhangs steigen. BloombergNEF warnte zuletzt, dass sich das jährliche Kupferdefizit ohne hohe Investitionen in neue Projekte und Recycling bei wie erwartet steigender Nachfrage bis 2050 auf 19 Millionen Tonnen erhöhen könnte.

Fazit: Kupferentwickler und -explorer mit Bewertungshebel

Für Anleger wird im Kontext der Kupferpreisprognosen 2026 deutlich: Entscheidend ist weniger das exakte Preisniveau, sondern die Frage, welche Unternehmen welchen Hebel auf den Kupferpreis bieten. Bei moderaten Preisen um 10.000–11.000 USD je Tonne bleiben große, kostengünstige Produzenten attraktive Cashflow- und Dividendenwerte. Steigen die Preise jedoch nachhaltig über 12.000 USD je Tonne, verlagert sich das Renditepotenzial zunehmend Richtung Entwicklern und Explorern, deren Projektwerte dann überproportional steigen.

Sehr aussichtsreiche Titel für dieses Szenario sind Gunnison Copper CA4028801088 A40TP4, Arctic Minerals SE0024172779 A411LJ oder Prismo Metals CA74275P1071 A2QEGD. Während Gunnison Copper mit einem fortgeschrittenen Projekt in einer etablierten US-Bergbauregion direkt von besseren Wirtschaftlichkeitsannahmen und sinkenden Finanzierungshürden profitiert, stehen bei Arctic Minerals und Prismo Metals vor allem das hohe Explorationspotenzial, die Projektpipeline und der strategische Wert für größere Produzenten im Vordergrund. In einem Umfeld struktureller Kupferknappheit gewinnen auch frühe Projekte an Bedeutung, da große Bergbaukonzerne gezwungen sind, ihre künftige Versorgung frühzeitig abzusichern.

Unabhängig von kurzfristigen Preisschwankungen bleibt der langfristige Ausblick für Kupfer klar positiv. Für Investoren bedeutet dies: Etablierte Produzenten sorgen für Stabilität im Depot, kleinere Kupferunternehmen bieten einen Hebel auf steigende Preise und Übernahmeszenarien. Durch Kombination beider Segmente können Anleger vom erwarteten strukturellen Kupferdefizit überdurchschnittlich profitieren.