JP Morgan sieht Ölpreis Ende 2027 bei 30 USD

JP Morgan sieht Ölpreis Ende 2027 bei 30 USD Unsplash / Getty Images

Warum sind so viele Ölunternehmen seit geraumer Zeit so niedrig bewertet, wie es etwa Morningstar zuletzt in einer Analyse bemerkte? Vielleicht ahnt der Markt, dass der Ölpreis von seinem aktuellen Niveau aus nicht zwingend einen Turnaround nach oben absolvieren muss, auch wenn es einige Anzeichen für eine Stabilisierung gibt. Der Preis des Rohstoffs könnte auch drastisch fallen.

Brent Ölpreis vor Halbierung?

Die US-Investmentbank JP Morgan jedenfalls prognostiziert, dass der internationale Rohöl-Benchmarkpreis Brent aufgrund eines überwältigenden Marktüberangebots bis 2027 auf unter 30 USD pro Barrel fallen könnte. Der Hinweis auf die Prognose findet sich bei X. Grund für den möglichen Preisrutsch ist demnach "ein Überangebot, da die Produktion der Nicht-OPEC-Staaten die weltweite Nachfrage übersteigt."

Die meisten Ölpreisprognosen sind nicht so pessimistisch wie die Analysten von JP Morgan, gehen aber dennoch von sinkenden Preisen aus. Goldman Sachs etwa schätzt den durchschnittlichen Preis für WTI Öl im kommenden Jahr auf 53 USD (aktuell: 59 USD). Daan Struyven, Co-Leiter der globalen Rohstoffforschung bei Goldman Sachs, empfahl Anlegern vor dem Hintergrund des globalen Ölüberangebots in der vergangenen Woche bereits, auf fallende Kurse zu setzen.

Er schätzt den Überschuss auf dem Ölmarkt im kommenden Jahr auf zwei Millionen Barrel pro Tag. Struyven geht jedoch von einer Entspannung des Marktes im Folgejahr aus, da 2026 "die letzte große Ölangebotswelle sein wird, die der Markt verarbeiten muss."

Manches spricht dafür, dass es bereits bei moderat sinkenden Ölpreisen schneller zu einem Abbau des Angebotsüberhangs kommen könnte.  So warnte das Analysehaus Kpler bereits im Oktober, dass die US-Ölproduktion um 700.000 Barrel pro Tag sinken könnte, sollten die internationalen Ölpreise unter 60 USD pro Barrel fallen. Kpler  verwies dabei auf Daten zu gebohrten, aber noch nicht fertiggestellten Bohrlöchern, die zeigen, dass der Bestand dieser Bohrlöcher in wichtigen Fördergebieten wie Bakken in North Dakota und Montana und Eagle Ford in Texas seit Anfang 2025 um 25 bis 30 % zurückgegangen ist.

Indikatoren deuten auf Abflauen der US-Ölproduktion hin

In eine ähnliche Richtung weist eine Reuters-Umfrage unter Unternehmen und Führungskräften, der zufolge auch im Perm Becken weniger investiert wird und es zur Stilllegung von Bohranlagen kommt. Daten des US-Arbeitsministeriums deuten auf einen Rückgang der Gesamtbeschäftigung in der US-Ölindustrie um 4.000 zwischen Januar und Juli dieses Jahres hin. Allerdings sind die Daten nur bedingt aussagekräftig, da die Produktion in diesem Zeitraum gestiegen ist. 

Das Wachstum der US-Ölproduktion könnte bei weiter sinkenden Ölpreisen allerdings enden. "Wir haben mit der Regierung gesprochen und ihr mitgeteilt, dass Ölpreise im Bereich von 50 bis 55 US-Dollar die Rentabilität von Investitionen zunehmend erschweren. Dies wird die derzeitigen Produktionsniveaus letztendlich untragbar machen", wird der Geschäftsführer eines Ölunternehmens bei Reuters zitiert. "Die Investitionsrenditen bei 55 bis 60 Dollar pro Barrel sind nicht mehr mit denen vor fünf Jahren vergleichbar, da die besten Bohrungen bereits abgeschlossen sind."

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Wo liegt die Schmerzgrenze für die US-Ölindustrie?

Vom weiteren Wachstum der Schieferölproduktion in den USA wird die Preisentwicklung ganz maßgeblich abhängen. Kpler-Analyst Johannes Raubal sagte im Oktober: "Ein drastisches, anhaltendes Szenario mit einem Preis von 50 US-Dollar pro Barrel – eine Ansicht, die von einigen Agenturen und Banken wie Goldman Sachs vertreten wird – würde die US-Rohölversorgung massiv beeinträchtigen." JP Morgan sieht es anders: Die gewagte, sehr bearishe Prognose geht davon aus, dass das Produktionswachstum sich auch auf einem niedrigeren Preisniveau fortsetzt. Sollte dieses Szenario eintreten, wäre klar: Die Schmerzgrenze der US-Ölförderung liegt deutlich niedriger als bislang allgemein angenommen.