ERG CEO: Bergbau braucht Abbau in riskanteren Regionen

Bergbauunternehmen müssen in Länder mit größeren Risiken vordringen, um die Nachfrage nach Rohstoffen zu decken, meint der ERG CEO. In Kanada und Australien sei die Erschließung großer Vorkommen langwieriger als in anderen Regionen mit großen Vorkommen.

Der Minensektor müsse seine Zurückhaltung im Hinblick auf Länder mit Hochrisikoprofilen überwinden. Nur so sei der Übergang zu einer neuen Generation von Energiemärkten zu erreichen. Dies sagte Benedikt Sobotka, Chief Executive Officer der Eurasian Resources Group (ERG) am Rande des Future Minerals Forum in Riad in Saudi-Arabien gegenüber dem Branchendienst Fastmarkets. ERG befindet sich zu 40 % im Besitz der kasachischen Regierung.

"Wachstum muss in riskanteren Regionen stattfinden"

Sobotka konstatiert, dass insbesondere große, börsennotierte Bergbauunternehmen sich den als risikoarm eingestuften Ländern wie Kanada und Australien zugewandt hätten. Dabei könne es jedoch nicht bleiben, da es außerhalb dieser Länder "riesige Ressourcen" gebe.

Die Situation zwinge Bergbauunternehmen dazu, in früher gemiedene Jurisdiktionen vorzudringen. Gerade die ESG Anforderungen machten es zunehmend schwieriger, den Zugang zu Rohstoffen zu erhalten und im operativen Abbau tätig zu werden.

In Kanada, Australien und ähnlichen Ländern sei es schwierig, schnell große Lagerstätten zu erschließen. Das Wachstum müsse in riskanteren Regionen stattfinden. Bergbauunternehmen müssten in der Lage sein, dort zu operieren. In den etablierten Regionen seien die Genehmigungs- und Entwicklungsprozesse von Projekten so langwierig, dass die Branche nicht die notwendigen Volumina produzieren könne.

Entscheidend ist dafür laut Sobotka jedoch der politische Wille. Hier verwies er auf das Beispiel Deutschlands, das lange Zeit mit Russland als Gasversorger kooperiert hatte und nach dem Ukrainekrieg einen anderen Weg eingeschlagen hatte. Von dort an habe es 150 Tage gebraucht, um eine LNG Terminal zu bauen – während es sonst 6-7 Jahre dauere.

"Je riskanter das Land, desto wahrscheinlicher bleibt das Metall im Boden"

Der CEO erläuterte, dass sich etwa geopolitische und juristische Risiken auf die Kalkulation der Unternehmen auswirkten. Je riskanter das Land, desto wahrscheinlicher bleibe das Metall im Boden. Der Erzgehalt müsse viel höher sein, um angesichts der höheren Risiken eine Investition zu rechtfertigen.

ERG ist der weltweit größte Hersteller von Ferrochrom mit hohem Kohlenstoffgehalt und zudem einer der größten Kobaltproduzenten. Weitere Produktionsschwerpunkte sind Kupfer und Aluminium. ERG ist der einzige Produzent hochwertigen Aluminiums in Kasachstan.

Nach Europa und Asien liefert das Unternehmen Tonerde und Eisenerz und ist hier einer der größten Lieferanten. ERG ist  nicht nur in Kasachstan, sondern auch in der Demokratischen Republik Kongo (DRK), Sambia, Südafrika, Simbabwe, Mali und Mosambik sowie in Brasilien tätig.

Gute Aussichten für Kupfer und Kobalt

Sobotka ließ im Interview mit Fastmarkets auch seine Prognosen für die Entwicklung der Rohstoffmärkte 2023 durchblicken. Kupfer und Kobalt hält er für "Top Picks" des Jahres.

Bei Kupfer verschiebe sich der Markt zunehmend von einem Überschuss zu einem Defizit. Der Grund sei die hohe Nachfrage nach Baumaterial und elektrisch betriebenen Fahrzeugen sowie erneuerbaren Energien. Der CEO geht davon aus, dass dieses Jahr die Preismarke von 10.000 USD pro Tonne "leicht" überschritten werden könnte.

Einen Anstieg der Nachfrage sieht der ERG-Chef auch bei Kobalt, das für die Autobatterien verwendet wird. Das Angebot sei dagegen mit "enormen Abwärtsrisiken konfrontiert" so könne sich im weiteren Jahresverlauf schnell ein Defizit entwickeln. Die Nachfrage nach Kobalt in den kommenden fünf Jahren werde den Verbrauch der ersten zwei Dekaden dieses Jahrhunderts übersteigen.

"In den nächsten 10 Jahren wird die Welt mindestens 20 weitere Kobaltproduktionsanlagen ähnlicher Größe wie Metalkol RTR benötigen, um die wachsende Nachfrage nach kritischen Mineralien zu decken" sagte Sobotka mit Blick auf die ERG Aktivitäten in der DR Kongo. Sein Unternehmen werde die Kobaltproduktion in den nächsten vier Jahren verdoppeln. Drei in Entwicklung befindliche Projekte könnten zusätzliche 20.000 t auf den Markt bringen.

Die DR Kongo spielt als Rohstofflieferant eine entscheidende Rolle: Mehr als 70 % des weltweit abgebauten Kobalts kommen von dort.  Das Interesse westlicher Länder ist groß. So veröffentlichte das US-Außenministerium am Mittwoch eine Absichtserklärung, die den gemeinsamen Aufbau von EV-Batterien durch DR Kongo und Sambia unterstützen soll. Die Lieferkette soll "von der Mine bis zum Fließband" reichen und sieht auch Maßnahmen gegen Korruption vor.