Brasilien liberalisiert Uranförderung

Die brasilianische Abgeordnetenkammer hat einer Verfassungsreform zugestimmt die Privatunternehmen den Einstieg in den Uransektor ermöglichen soll. Das größte Land Südamerikas könnte schon bald Uran exportieren – steht damit aber in Konkurrenz zum früheren Schwergewicht Kanada, das ein Comeback anstrebt.

Bislang besteht ein staatliches Monopol der im Staat befindlichen Indústrias Nucleares do Brasil (INB).Das Staatsunternehmen kontrolliert derzeit sämtliche Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Uranbergbau.

In Brasilien gibt es derzeit nur ein kommerzielles Kernkraftwerk. Das in der Provinz Rio de Janeiro gelegene Kernkraftwerk Angra (Originalschreibweise Central Nuclear Almirante Álvaro Alberto, CNAAA) verfügt über zwei Druckwasserreaktoren mit einer Gesamtleistung von knapp 2 GW. Ein dritter Block soll 2026 in Betrieb gehen.

Brasilien: Große Uranreserven, aber trotzdem Importeur

Obwohl es nur ein AKW gibt, muss Brasilien derzeit Uran importieren. Dabei verfügt das Land über die sechstgrößten Uranreserven der Welt, wobei lediglich ein Drittel des Landes überhaupt nach radioaktiven Materialien erkundet wurde.

Der Ausbau der Kernenergie steht auf der politischen Agenda. Ende 2020 wurde die einzige Uranmine des Landes – Caetité im Bundesstaat Bahia – wiedereröffnet, nachdem der Betrieb 2014 eingestellt worden war. Nun soll ein Tagebau die autarke Produktion von ausreichend Uran ermöglichen.

Der Regierung geht es jedoch nicht nur um den Bergbau, sondern auch die Weiterverarbeitung. Auch diese soll im Land stattfinden.

Der Staatskonzern INB gab am 15. November die Feststellung der zehnten Kaskade von Ultrazentrifugen in der Kernbrennstofffabrik (FCN) in Resende bekannt. Damit wurde die erste Phase der zur Anreicherung von Uranisotopen dienenden Anlage abgeschlossen.

Mit der Anlage will Brasilien die Abhängigkeit von der Weiterverarbeitung von Brennstoff im Ausland verringern. Zum aktuellen Stand deckt die Produktionskapazität der Anlage 70 % des Bedarfs für den Angra Block 1.

Uranverarbeitung soll im Inland geschehen

NIB-Präsident Carlos Freire Moreira zufolge wurde die Technologie durch die brasilianische Marine in Partnerschaft mit dem Institut für Energie und Kernforschung (IPEN) entwickelt. Das Beherrschen der Technologie sei ein grundlegender Schritt für die Herstellung von Brennelementen. Brasilien beherrsche den nuklearen Brennstoffkreislauf vollständig.

Moreira verwies in diesem Zusammenhang auf die großen Uranressourcen und kündigte den Aufbau eines Exportgeschäfts an. Hier kommt die Lockerung des Monopols ins Spiel, die bis zum 9. Dezember durch den Senat bestätigt werden muss.

Durch die Zulassung des Privatsektors werde INB in die Lage versetzt, auf dem Weltmarkt für Uran aktiv zu werden. Dies könne Arbeitsplätze und Einkommen für die brasilianische Gesellschaft schaffen. Im Zuge der geplanten Gesetzesänderung wird INB auch ermächtigt, sich an privaten Unternehmen zu beteiligen und mit diesen Joint Ventures einzugehen.

Vizeadmiral Guilherme Dionízio vom Technologiezentrum der Marine von São Paulo (CTMSP) schätzt Situation ganz ähnlich ein. Die Kernenergie entwickele sich zu einer zuverlässigen Alternative zur Bedienung der wachsenden weltweiten Energienachfrage. Brasilien befinde sich hier in einer herausragenden Position, da es über große Uranreserven verfüge und als eines der wenigen Länder auch die gesamte Technologie des Kernbrennstoffkreislaufs beherrsche.

Kanada vor Comeback als Uranproduzent

Der weltweit größte Uranproduzent war im Jahr 2021 mit knapp zwei 22.000 t Kasachstan. Mit deutlichem Abstand folgten Namibia, Kanada, Australien, Usbekistan und Russland. Nun könnte in den kommenden Jahren noch Brasilien auf die Liste der größten Produzenten treten.

Gleichzeitig erlebt ein anderer Akteur ein regelrechtes Comeback: Kanada. Das Land war bis zum Jahr 2009 über einen langen Zeitraum der weltweit größte Uranproduzent. Rund 22 % der Produktion würden laut World Nuclear Association dort produziert.

Kanada kann auf eine lange Historie als Uranproduzent zurückblicken. Bereits in den frühen 1930er Jahren traten Explorationsgesellschaften wie Eldorado Gold Mining Company auf den Plan. Damals wurde noch in den Nordwestterritorien gesucht.

Ende der 1960er Jahre schließlich wurde das Athabasca Basin in der nördlichen Provinz Saskatchewan entdeckt, das heute als eine der reichhaltigsten Uranlagerstätten der Welt gilt. Aktuell produziert Kanada vornehmlich in den Cameco-Minen McArthur River und Cigar Lake in eben diesem Gebiet.

Die Gegend zieht auch heute noch Explorer an. So hat etwa Skyharbour Resources Ltd. (TSXV: SYH, WKN: A2AJ7J, ISIN: CA8308166096) einen größeren  Bestand an Uran- und Thorium-Projekten im kanadischen Athabasca Becken erworben. Das Unternehmen fokussiert sich derzeit auf das Moore Projekt und erforscht gut 35.000 Hektar Gebiet nur 39 km südlich der McArthur River Mine.