Russland denkt offenbar über eine Kopplung des Russischen Rubels (RUB) an Gold nach. Könnte dies den Rubel nachhaltig stärken – und eventuell sogar zu einer Gefahr für die Vorherrschaft des US-Dollar werden?

Ende April äußerte sich mehrere Stellen in Russland zu einer möglichen Bindung des Russischen Rubel an den Goldpreis. Laut Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow werde ein solcher Schritt mit Präsident Wladimir Putin diskutiert.

Zuvor hatte der Sekretär des Sicherheitsrates und enge Putin-Vertraute Nikolai Patruschew erklärt, Vorschläge zur Bindung der Währung an „Gold und andere Güter“ würden derzeit ausgearbeitet. Die russische Zentralbankchefin Elvira Nabiullina erklärte hingegen, eine Goldbindung werde nicht diskutiert.

Russlands Finanzsystem steht unter Druck: Goldbindung als Ausweg?

Das russische Finanzsystem steht aufgrund der internationalen Sanktionen erheblich unter Druck. Durch die internationalen Maßnahmen fehlt es zu Investitionen und Einnahmen aus Handelsgeschäften. Zudem kann die russische Zentralbank auf einen Großteil ihrer Guthaben im Ausland nicht zugreifen.

Tatsache ist: Bereits im März existierte kurzzeitig eine Goldbindung. Damals hatte die russische Zentralbank erklärt, sie würde bis zum 30. Juni Gold zu einem festen Preis von 5000 RUB pro Gramm ankaufen. Diese Maßnahme wurde eher als Signal an die Goldproduzenten einverstanden – könnte aber auch den Vorboten einer dauerhaften Bindung des Rubel an Gold darstellen.

Tatsächlich hielt die Zentralbank sich nicht lange an ihr Versprechen. Nach zwei Wochen erklärte die Notenbank, der Kauf von Gold werde zu den ausgehandelten Preisen stattfinden. In Russland werden rund 10 % des weltweiten Goldangebots gefördert.

Nikolai Patruschew sieht im „Vertrauen auf das interne Potenzial“ des Landes die wichtigste Voraussetzung für Russlands wirtschaftliche Sicherheit. Dies ließ er kürzlich gegenüber der Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“ verlauten. Eine Kopplung des Rubel an Gold widerspräche nicht den Schlussfolgerungen der Wirtschaftswissenschaft, sondern lediglich den Schlussfolgerungen „westlicher Wirtschaftslehrbücher“.

Goldbindung ist lediglich politische Garantie

Die Bindung einer Währung an Gold soll Besitzern dieser Währung Sicherheit verschaffen. Es handelt sich bei einer Kopplung jedoch nicht um eine naturgesetzlich gedeckte Garantie. Vielmehr garantiert lediglich die Politik dafür, dass ein Rubel, Dollar oder Pfund jederzeit gegen eine bestimmte Menge Gold eingetauscht werden kann. Dass diese Garantien sehr viel vergänglicher sind als der Wert des gelben Edelmetalls, zeigt ein Blick in die Historie.

Früher waren diverse wichtige Weltwährungen an Gold gebunden – auch Russland hatte 1897 den Goldstandard eingeführt. Die Bindung des Rubel an Gold wurde jedoch im Laufe des Ersten Weltkriegs notgedrungen aufgehoben. Der russische Staat benötigte mehr Geld als zur Verfügung stand – und griff auf die Druckerpresse zurück. Ganz ähnlich verhielt es sich in anderen Staaten. 1971 fiel schließlich auch die Goldbindung des USD.

Nixon Schock 1971: Goldstandard plötzlich weg

Ein  bestehender Goldstandard kann prinzipiell jederzeit und ohne Vorwarnung aufgehoben werden. Dies war auch beim sogenannten „Nixon-Schock“ 1971 der Fall. Der damalige US Präsident teilte am 15. August des Jahres in einer abendlichen Ansprache mit, die „Konvertibilität des Dollar in Gold“ ausgesetzt zu haben.

Schon 1933 hatten die USA mit dem „New Deal“ einen wesentlichen Schritt weg vom Goldstandard getan. Damals wurde US-Bürgern privater Goldbesitz verboten. Zudem wurde der Wechselkurs auf willkürlich ausgewählte 35 USD pro Feinunze festgelegt.

Eine politische Garantie ist nur so glaubwürdig wie die Politik sowie die wirtschaftliche und militärische Leistungsfähigkeit  des Landes, das sie ausspricht. Das Vertrauen in Russland dürfte in den letzten Monaten erheblich zurückgegangen sein. Eine Bindung des Rubel an Gold dürfte deshalb kaum geeignet sein, das Vertrauen in die Währung zu stärken und Investitionen anzuziehen.

Selbst wenn es gelänge, mit einer Golddeckung den Rubel nachhaltig aufzuwerten, wäre der Nutzen für Russland zunächst begrenzt. Schließlich handelt es sich bei dem Land um einen Nettoexporteur vieler wichtiger Rohstoffe. Diese werden jedoch auch weiterhin in US-Dollar gehandelt. Eine Aufwertung des Rubel wäre also gleichbedeutend mit einer Verringerung der Einnahmen aus dem Rohstoffexport in heimischer Währung.

Auch wenn möglicherweise gerade das Zeitalter der Rohstoffwährungen anbricht: Der Rubel wird absehbar keine solche Währung. Dafür ist er aus vielerlei Gründen deutlich zu politisch.