Gold und Goldminenaktien werden von Marktteilnehmern wieder deutlich positiver bewertet. In den Preisen schlägt sich dies noch nicht nieder. Eine Kaufchance?

Strategischer Bias bei Gold und Goldminenaktien springt an

Wie der Sentix Neujahrsausgabe zu entnehmen ist, springt das sogenannte strategische Grundvertrauen in Goldminenaktien und Gold an. Der Sentix Strategic Bias Index weist sowohl für Goldminenaktien als auch für Gold an sich einen deutlichen Anstieg in der jüngsten Vergangenheit auf.

Der strategische Bias misst die mittelfristigen Markterwartungen von Finanzmarktteilnehmern auf Sicht von sechs Monaten. In den strategischen Markterwartungen spiegeln sich die Grundüberzeugungen und Wertvorstellungen der Marktteilnehmer wieder und signalisieren so die grundsätzliche Kauf- und Verkaufsbereitschaft der Anleger –  so wird es auf der Sentix Website erläutert.

Wie die Herausgeber des Indikators mitteilen, soll die Interpretation nicht antizyklisch erfolgen. Vielmehr laufe der Indikator dem Gesamtmarkt regelmäßig voraus – oftmals um mehrere Wochen. Der strategische Bias ist demnach von der Weisheit der Vielen geprägt und beinhaltet das im Markt befindliche, verstreute wissen.

Ein signifikanter Anstieg dieses Indexes lässt sich nun sowohl für Goldminenaktien als auch für Gold erkennen. Bei Gold stieg der Index innerhalb kürzester Zeit von 0,37 auf 0,45. Im Fall der Goldminenaktien erfolgte ein Anstieg von 0,30 auf 0,45.

Weder der Goldmarkt noch Goldminenaktien reflektieren diesen Zuwachs bei den strategischen Erwartungen bislang in den Marktpreisen. Zuletzt hatten sich sowohl Goldminenaktien als auch Gold eher seitwärts bewegt. In diesem Kontext lässt sich der Anstieg des strategischen Bias als Hinweis auf mögliches Potenzial dieser Märkte interpretieren.

Auch Entwicklung bei Silber spricht für Gold

Untermauert wird diese Sichtweise durch die Entwicklung des Bias bei Silber. Hier ist ein Rückgang zu erkennen. Werden nun die Entwicklungen bei Gold und Silber in Relation gesetzt, schlägt der relative Bias deutlich für Gold nach oben aus. Dies lässt sich als bullishes Kaufsignal für Gold interpretieren.

Aktuell notiert der Goldpreis bei rund 1800 USD pro Feinunze (31,103 g). Damit bewegt sich der Markt in der Mitte einer mittelfristigen Handelsspanne zwischen 1700 USD und 1900 USD. Technisch befindet sich der Markt nach dem Bruch eines längerfristigen Aufwärtstrends im Jahr 2020 noch immer in einer Konsolidierungsphase.

Der Sentix Overconfidence Index liegt aktuell in einem leicht positiven, fast neutralen Bereich. Dies lässt darauf schließen, dass die Marktteilnehmer Gold derzeit eher als trendlosen Markt wahrnehmen. Dies wiederum lässt vermuten, dass Marktteilnehmer sich zuletzt eher zurückhaltend positioniert haben. In Märkten mit sehr hohen oder sehr niedrigen Werten neigen Marktteilnehmer dazu, größere Risiken einzugehen und sich stärker zu positionieren. Hier steigt dann das Risiko eines Rückschlags. Dies ist gemäß den Daten bei Gold nicht der Fall.

Was ist der Sentix?

Der Sentix Sentiment Indikator wird seit dem Jahr 2001 i.d.R. wöchentlich veröffentlicht. Die Basis für die Daten bildet eine wöchentliche Umfrage unter Marktteilnehmern. Diese werden u.a. zu ihren kurz- und mittelfristigen Markterwartungen befragt. Gefragt wird nach Aktien- und Anleihemärkten ebenso wie zu den Erwartungen bei bestimmten Rohstoffen wie Gold und Öl sowie den Entwicklungen wichtiger Wechselkurse. Auch zu ihren Konjunkturerwartungen werden die Teilnehmer befragt.

Herausgeberin des Indexes ist die in Frankfurt am Main ansässige Sentix GmbH. Die beiden Geschäftsführer  – Manfred Hübner und Patrick Hussy – sind bekannte Behavioral Finance Spezialisten. Behavioral Finance befasst sich mit den Auswirkungen (massen-)psychologischer Aspekte auf die Kapitalmärkte sowie Möglichkeiten für Anleger, von diesen Auswirkungen zu profitieren.

Nach Angaben der Initiatoren ist „Sentix  einmalig in der Datengüte, Datenvielfalt und einer der größten, regelmäßigen Kapitalmarktumfragen weltweit“. Demnach nutze „eine Vielzahl global agierender Asset Manager die sentix Daten zur Verbesserung ihrer Anlageergebnisse“. Längst nicht alle Datenquellen, die als Sentiment bezeichnet werden, stellen nach Auffassung der Sentix GmbH auch tatsächlich Sentimentdaten dar.  

Der Sentix Overconfidence Index basiert allerdings nicht auf den Daten aus der wöchentlichen Umfrage, sondern auf den Kursbewegungen eines Marktes.