Die Preise vieler Rohstoffe sind 2021 stark angestiegen. Grund dafür sind vielfältige Engpässe. Vieles spricht dafür, dass sich dieser Trend 2022 fortsetzt.

Drastische Preisanstiege bei Industriemetallen

Die Preise für Industriemetalle sind im Jahr 2021 teils drastisch gestiegen. Kupfer legte im Jahresverlauf um 22 % zu, Nickel um 19 % und Zink um 30 %. Der Aluminiumpreis stieg sogar um mehr als 40 %, der Preis für Zinn gar um fast 95 %. Der London Metal Exchange Industriemetalle Index markierte im Oktober ein Allzeithoch.

Analysten sehen die Ursache der steigenden Preise vor allem in wachsender Nachfrage nach dem vorherigen Corona Einbruch. Auch angebotsseitige gibt es allerdings Einflüsse wie etwa die hohen Energiepreise in vielen Ländern und logistische Probleme. Auf verschiedenen Märkten sind deshalb Angebotslücken entstanden.

Ausblick: Die Bestände in den Lagerhäusern der London Metal Exchange sind so niedrig wie seit 2005 nicht mehr. Dies spricht nicht dafür, dass sich der Metallmarkt bald normalisiert.

Edelmetalle: Gold noch unter Potenzial?

Edelmetalle entwickelten sich im Vergleich zu anderen Rohstoffen 2021 relativ schwach. Gold etwa gab im Gesamtjahr 2021 um 4 % nach. Auch Silber, Platin und Palladium sind heute billiger als Ende 2020. Dafür lassen sich unterschiedliche Gründe anführen wie vorangegangene Übertreibungen oder eine schwache Nachfrage aus der Automobil- und Schmuckindustrie. Insbesondere scheinen jedoch Finanzinvestoren derzeit eher zurückhaltend zu sein.

Energiekrise: Gekommen, um zu bleiben?

Die Energiekrise ist in Deutschland angekommen. Dies betrifft keinesfalls nur Verbraucher, denen der Strom- oder Gastarif durch den Versorger gekündigt wird. Manche dieser betroffenen werden von ihrem neuen Grundversorger mit extremen Preisen konfrontiert. In den Medien wurden Strompreise von bis zu 0,99 EUR pro Kilowattstunde berichtet.

Betroffen sind die Preise für Strom, Öl und Gas. Der Ölpreis hatte Ende Oktober den höchsten Stand seit 2014 erreicht. Noch deutlich eindrucksvoller entwickelt sich der Preis am Spotmarkt für Erdgas. Hier wurden im Frühjahr 2021 noch 20 EUR pro Megawattstunde gezahlt. Kurz vor Weihnachten waren es rund 190 EUR.

Ursächlich für die Krise auf dem Gasmarkt sind verschiedene Faktoren. Zum einen spielt die Politik eine Rolle. Die EU etwa lehnt aus politischen Gründen langfristige Verträge mit Russland über Gaslieferungen schon seit vielen Jahren ab. Die Gasbetreiber verfahren ähnlichen und kaufen eher kurzfristig ein.

Der vergleichsweise harte Winter 2020/21 sowie das geringe Windaufkommen haben die Nachfrage nach Gas zudem deutlich erhöht. Die Folge: Die Speicher leeren sich. Der Füllstand der europäischen Speicher liegt aktuell so niedrig wie 2013 (bei damals noch geringerem Verbrauch).

Für große Unsicherheit sagt auch die kürzlich fertiggestellte Pipeline Nord Stream 2. Russland hat in Aussicht gestellt, über diese zusätzliches Gas nach Europa zu leiten. Eine Mischung aus regulatorischen und politischen Motiven verzögert die Inbetriebnahme jedoch.

Da auch die Strompreise auf dem Spotmarkt nie gekannte Höhen erreicht haben, stellen viele Unternehmen ihre Produktion ganz oder teilweise ein. Bislang ist unklar, inwieweit die Politik auf diese Situation reagiert. Diskussionen über den Strommarkt konzentrieren sich derzeit auf langfristige Aspekte wie zum Beispiel die Nutzung der Atomkraft und deren Einstufung als grüne Energie im Sinne der EU Taxonomie. Konkrete Pläne in Bezug auf die aktuellen Engpässe wurden jedoch nicht kommuniziert. Frankreich allerdings hat angekündigt, ältere Kohlekraftwerke wieder hochzufahren.

Ausblick: Vor allem ein harter Winter mit wenig Wind und eskalierende politische Spannungen mit Russland könnten eine Normalisierung verzögern.

Hohe Energiepreise wirken sich vielfältig aus

Hohe Energiepreise wirken sich nicht nur auf die Industrieproduktion, sondern auch auf den Markt für Agrarrohstoffe aus. So führt teure Energie zu Preissteigerungen bei Düngemitteln (die Stickstoff enthalten). Aufgrund der hohen Einkaufspreise haben Düngemittelhersteller ihre Produktion heruntergefahren.

Dies könnte mit Verzögerung – also etwa im nächsten Frühherbst – zu einer schmerzhaften Verknappung führen. Bereits 2021 habe die Preise für Weizen, Baumwolle, Mais, Zucker und Kaffee deutlich zugelegt. Laut den Vereinten Nationen lag ein breiter Preisindex für Lebensmittel im November fast 30 % über dem Stand des Vorjahres.

Ausblick: Den Preisen für Agrarrohstoffe könnten die größten Steigerungen erst noch bevorstehen.

Unruhen in Kasachstan und Pipelineprobleme in Libyen

Der Preis für Rohöl war im November wieder deutlich gesunken und hatte um den Monatswechsel November/Dezember herum ein Zwischentief im Bereich von 67 USD (WTI) erreicht. Seitdem zieht der Preis des schwarzen Goldes jedoch wieder deutlich an. Aktuell notiert ein Barrel WTI bei knapp 89 USD.

Jüngste Entwicklungen sprechen dafür, dass Öl weiteres Aufwärtspotenzial besitzt. Zum einen spitzt sich die Lage in Kasachstan deutlich zu. Das Land gilt als gewaltiger Rohstoffspeicher und verfügt über Erdölreserven von rund 3900 Millionen t. Die extreme politische Unsicherheit im Land wirkt zudem verstärkend, weil ein größerer Konflikt und damit weitere Verknappungen auf dem Ölmarkt nicht auszuschließen sind. Durch das Eingreifen Russlands ist auch unklar, ob sich die Situation auf die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 auswirken könnte.

In einer so fragilen Lage wie derzeit führen auch kleinere Meldungen bereits zu Kurssteigerungen am Ölmarkt. So vermeldete Libyen einen Rückgang der Exporte aufgrund von Wartungsarbeiten an einer wichtigen Pipeline – der Preis von WTI reagierte zum Wochenauftakt sofort.