Der Platinpreis ist unter Druck geraten und nähert sich den Tiefs vom September. Unterdessen berichtet Heraeus über eine Rekordproduktion von Platingruppenmetallen (PGM) in Simbabwe. Droht dem Edelmetall dadurch ein weiterer Kursrutsch?

Der Platinpreis entwickelt sich seit längerer Zeit schwach. Aktuell notiert der Kurs für eine Feinunze bei 937 USD – und damit unterhalb eines technischen Widerstands bei 948 USD. Der intakte Abwärtstrend weist in Richtung des letzten Tiefs und einer zentralen Unterstützung bei 901 USD. Sollte diese Marke brechen, wäre aus Sicht von Chartanalysten ein weiterer Kursrückgang bis in den Bereich von 860 USD denkbar. Weitere signifikante Unterstützungsmarken liegen auf den Niveaus bei 822 USD, 813 USD und 773 USD.

PGM Produktion in Simbabwe auf Rekordhoch

Unterdessen vermeldet der Edelmetallhändlern Heraeus in seinem wöchentlichen Bericht, dass niedrige Kosten zu einer Rekordproduktion von Platingruppenmetallen (PGM) in Simbabwe führen könnten. Demnach hat Zimplats, eine Tochtergesellschaft von Impala Platinum, Investitionen in Höhe von 1,8 Milliarden USD angekündigt.

Mit den Investitionen sollen Produktions- und Verarbeitungskapazitäten für PGM in Simbabwe ausgebaut werden. Start des Programms ist 2021. Die Kapazitätserweiterung soll über Zeitraum von zehn Jahren laufen und neben Ersatzprojekten für bereits ausgebeutete Minen auch die Infrastruktur bestehender Minen verbessern. Als Ersatzstandorte für bereits ausgebeutete Lagerstätten dienen etwa die Minen Mupani und Bimha.

Auch zusätzliche Schmelzkapazitäten sowie eine weitere Gravitationsanlage für NE Metalle (NE = Nichteisen) sie Bestandteil der Pläne.

Mehr Raffineriekapazitäten bei Impala

Die PGM Förderung in Simbabwe geht mit einen hohen Anteil an NE Metallen einher. Die nun neu entstehenden Kapazitäten dürften sich auf die Muttergesellschaft Impala Platinum auswirken. Diese verfügt nun über freie Kapazitäten in der Raffinerie von Nichteisenmetallen. Dadurch könnten Heraeus zufolge fortan größere PGM Mengen mit hohem Anteil von Nichteisenmetallen anderer PGM Produzenten verarbeitet werden.

Wie Heraeus weiter berichtet, wird die jährliche Kapazität des Zimplats Concentrators um mehr als 30 % von 6,7 auf 8,8 Millionen Tonnen vergrößert. Die Schmelzkapazität für Minenkonzentrat soll auf 380.000 t pro Jahr erhöht werden.

Die Gewinnungskosten in Simbabwe sind Heraeus zufolge niedrig, weil der Erzkörper flach ist und deshalb einen hohen Mechanisierungsgrad erlaubt. Auf Simbabwe entfallen rund 10 % der weltweiten Platinproduktion. Für 2021 schätzt Heraeus die Produktion im Land auf 500.000 Feinunzen (ca. 15,6 t). Durch die beiden neuen Minen Mupani und Bimha werden nicht nur vorhandene Standorte ersetzt, sondern die Produktion zusätzlich ausgeweitet. Der Bericht geht von einer durchschnittlichen Ausweitung um 2,5 % pro Jahr in den kommenden Jahren aus. Dies entspricht rund 10.000 oz.

Impala Platinum erwirbt 35 % an Royal Bafokeng Platinum (RBP)

Der in Südafrika ansässige Bergbaukonzern im Impala Platinum Holdings hatte zuletzt die Übernahme von 35 % der Anteile am Konkurrenten Royal Bafokeng Platinum (RBP) bekannt gegeben. Das Management erhofft sich erhebliche Synergieeffekte, da die eigenen Rustenburg Liegenschaften nahe der RBP Minen BRPM und Styldrift liegen. Impala  produziert jährlich rund 1,1 Millionen Feinunzen an raffiniertem Platin. Auf RBP entfallen weitere 260.010 – aufgrund von Produktionsausweitungen bei Styldrift mit steigender Tendenz.

Die Preise der wichtigsten Edelmetalle haben sich in den letzten Monaten eher schwach entwickelt. Insbesondere seit Mitte des Jahres sinken die Notierungen. Dies gilt für Platin ebenso wie für Silber, Gold und Palladium. Auf 12-Monats-Sicht ist Palladium das schwächste Edelmetall – der Verlust beträgt hier rund 30 %. Silber gab im selben Zeitraum um 15 % , Platin um 12 % nach. Gold verlor 5 %.

Bezogen auf die letzten drei Jahre hat sich der Platinpreis allerdings am schwächsten entwickelt. Im Vergleich zu Ende 2018 legte der Kurs um lediglich 19 % zu. Palladium hat im selben Zeitraum um 44 %, Gold um 40 % zulegen können. Der Silberpreis stieg sogar um 54 %. In den letzten Wochen entwickelte sich der Palladiumpreis mit deutlichem Abstand am schwächsten.

Die Entwicklung am Edelmetallmarkt ist derzeit von verschiedenen, zum Teil gegensätzlich wirkenden Einflüssen geprägt. Einerseits wachsen die Inflationssorgen, was Edelmetalle begünstigt. Andererseits scheinen verschiedene große Notenbanken mittlerweile Änderungen an ihrer Geldpolitik einzuleiten. Ein höheres Zinsniveau ist für Metalle eher ungünstig.