Bergbau schafft Grundlagen für nachhaltige Energien: Rohstoffe wie Kupfer, Vanadium und Co. sind als Batterie- beziehungsweise Leitermaterial ein in der Branche vielbeachtetes Thema. Nun gerät eine weitere Substanz in den Fokus, die ebenfalls eine wesentliche Rolle bei der Energiewende spielt: Silber. Eine vielversprechende Perspektive für ein australisches Unternehmen namens Silver Mines Inc. (ASX: SVL), das derzeit sein Großprojekt „Bowdens“ für den Produktionsstart klar macht.

Silber ist ein klassischer, inflationssicherer Anlagewert. Darüber darf man aber nicht aus den Augen verlieren, dass das weißglänzende Edelmetall ob seiner chemischen und physikalischen Eigenschaften elementar für allerlei industrielle, technische und medizinische Anwendungen ist. Es verfügt über hohe thermische und elektrische Leitfähigkeit und ist damit unter anderem auch ein wichtiger Bestandteil von Solarzellen. Zur Orientierung: in einer Photovoltaik-Zelle stecken etwa 111 Milligramm Silber.

Vom Tresor- zum Techno-Wert?

In Deutschland machte die Photovoltaik (statistisch zusammengefasst mit der hierzulande zu vernachlässigenden Geothermik) im Jahr 2019 etwa 7,2 Prozent Anteil an den erneuerbaren Energien aus. Weltweit betrachtet waren es 2,8 Prozent. Den Hauptanteil stellen (global) weiterhin Wind- und Wasserkraft, also Technologien, bei denen Bewegung in Energie umgesetzt wird.

Doch die Stromerzeugung durch die Umwandlung von Licht in elektrische Energie holt auf. Allein von 2019 bis 2020 legte die Nennleistung weltweit von 621 auf 760 Gigawatt zu. Zehn Jahre zuvor, im Jahr 2010, waren es gerade einmal 38 Gigawatt. (Quelle: Statista, Daten von Juni 2021). Vorreiter in Sachen Solarausbau ist derzeit Asien, gefolgt von Nordamerika und Europa. Photovoltaik ist namentlich in Regionen mit zuverlässig sonnigen Verhältnissen eine effiziente Option zur Energiegewinnung.

Aus diesem Boom lässt sich ein Trend ableiten: Silber könnte schon mittelfristig eine Verschiebung vom Anlagewert zum „Energie“-Metall erfahren. Im vergangenen Jahr lag die globale Nachfrage bei ungefähr 900 Millionen Unzen. Etwa die Hälfte davon erfolgte seitens industrieller Abnehmer.

Silber aus Australien: „Bowdens“ am Start

Ein wichtiger globaler Versorger in diesem Szenario könnte Silver Mines Ltd. werden. Das australische Explorationsunternehmen mit Sitz in Sydney steht mit seinem Projekt „Bowdens“ in New South Wales kurz vor dem Produktionsbeginn. Bereits im übernächsten Jahr soll die Mine in Betrieb gehen; angepeilt ist die Förderung von anfänglich sechs Millionen Unzen jährlich. Das würde für sehr viele Solarzellen reichen.

„Bowdens“ wird dann die größte neu in Betrieb gehende Silbermine des Kontinents seit zwei Jahrzehnten sein. Sie wäre zugleich der zweitgrößte Silberproduzent des Landes, gleich nach der in Queensland gelegenen Mine „Cannington“, betrieben von South32 Ltd. Entdeckt wurde die Lagerstätte bereits in den Achtzigerjahren; ihre bisher definierte Ressource umfasst eine Fläche von etwa 113 Hektar. Das Projekt liegt ungefähr 26 Kilometer entfernt von der Stadt Mudgee im Inneren des Bundesstaates.

Silver Mines hatte das Projekt im Jahr 2016 für 25 Millionen AUD vom Vorbesitzer Kingsgate Consolidated Ltd. erworben. Der Abbau soll zunächst im Tagebau erfolgen und in einigen Jahren untertage erweitert werden – dort werden hochgradige Flöze verortet. Die identifizierten Ressourcen liegen aktuell bei 163 Millionen Unzen; möglicherweise mit Potenzial auf einer Verdreifachung, was freilich noch durch Explorationsbohrungen zu verifizieren ist.

Ernstzunehmender Mitbewerber für südamerikanische Produzenten

Anthony MacClure, der Geschäftsführer von Silver Mines, betonte nun ebenfalls die Schlüsselrolle, die Silber im Zuge der Energiewende spielen werde. Die Entwicklung des Silberbedarfs in der Solar-Sparte sollte entsprechend den Fundamentaldaten des Unternehmens zugutekommen. Bei „Bowdens“, so betont MacClure, handele es sich um das größte noch unerschlossene Silberprojekt Australiens und eines der größten weltweit – ein Potenzial, das die Marktvorherschafft lateinamerikanischer Länder im Silber-Sektor ins Wanken bringen könnte. 

Denn: Aufgrund seiner Lage konnte „Bowdens“ gegenüber den in den USA notierten Mitbewerbern mit Abschlag gehandelt werden. Zudem strebten die Australier eine größere nordamerikanische Beteiligung an. Zu den wichtigen Investoren gehören bereits jetzt Rohstofffirmen wie Sprott Inc. und die Van Eck Associates Corp.

Entwicklung der Silberpreise: Ruhe vor dem Sturm?

Während die Bedarfsentwicklung an Silber in den kommenden Jahren und Jahrzehnten durch die Photovoltaik ansteigen sollte, wird die Entwicklung der Silberpreise aktuell von anderen Faktoren bestimmt. Tatsächlich waren die Spotpreise zuletzt eher moderat. Noch im Februar hatten Kleinanleger im Gefolge des durch das Forum „WallStreetBets“ inspirierten „Gamestop-Hypes“ den Silberpreis kurzzeitig auf ein Acht-Jahres-Hoch getrieben. Seither haben sich die Kurse wieder abgekühlt und pegeln sich derzeit, nach einem neuerlichen Einbruch im August, wieder etwas nach oben ein. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, bewegt sich Silber jedoch nach wie vor auf einem guten Preisniveau.

Bei Silver Mines sieht man diese derzeit noch verhaltene Preisentwicklung gelassen. McClure betonte in einem Statement, dass die Risikominimierung für das Großprojekt Priorität hatte. Umso besser also, wenn die künftige Produktion mit einem erstarkenden Markt zusammenfällt.

Silberförderung in Australien

Australien ist mit einer Jahresproduktion von 44 Millionen Unzen Silber der fünftgrößte Silberproduzent der Welt – mit großem Abstand hinter Peru (110 Millionen Unzen) und Mexiko (178 Millionen Unzen). Bemerkenswert daran ist allerdings, dass der australische Output sich großenteils aus Nebenprodukten der Förderung diverser anderer Bodenschätze ergibt. Tatsächlich sind die bei Explorationen identifizierten Ressourcen im Land in der Regel nicht groß genug, um einen explizit aufs Silber fokussierten Abbau zu rechtfertigen.

„Bowdens“ könnte ein Gamechanger werden.