Alte Minen sterben nicht – sie gehen in die Tiefe, sagt eine alte Bergbauweisheit. Kommt dann auch noch ein Impuls wie der aktuelle Rekord-Goldkurs hinzu, erleben Minen einen zweiten Frühling. Wie das australische Mediennetzwerk ABC News berichtet,  lässt sich das gegenwärtig an zwei Beispielen beobachten: St. Barbara Limited investiert in eine umfangreiche Erweiterung, Pantoro Limited überprüft die Reaktivierung einer historischen Goldgrube.

Wenn Krisen die Wirtschaftswelt durcheinander schütteln, entdecken Anleger die Vorteile von materiellen Werten. Edelmetalle wie Gold sind Klassiker. Somit erklärt die COVID-19-Pandemie das wachsende Interesse und die steigenden Kurse. Laut Dr. Sandra Close von der unabhängigen Beratungsgruppe Surbiton Associates führen die Goldpreise dazu, dass in der Folge stillgelegte Gruben reaktiviert werden und auch neue Minen die Produktion aufnehmen dürften, wenn der Trend bei den Goldpreisen anhält.

Ein neues Leben für alte Minen

Speziell für australische Goldunternehmen bietet die steigende Nachfrage exzellente Anreize. Die Goldpreise stiegen in dieser Woche erstmals auf einen Wert von über 1.950 USD pro Unze und damit über den bisherigen Rekordwert von 2011. Unter Berücksichtigung des Wechselkurses beschert diese Entwicklung den Goldminen Down Under einen Boom mit lokalen Preisen von mehr als 2.700 USD pro Unze. Da lohnt es sich, tief zu graben.

Gwalia: Erweiterungen kurz vor Fertigstellung

Die Goldmine Gwalia, ein Projekt des Betreibers St. Barbara mit Sitz in Melbourne, befindet sich in rund drei Kilometern Entfernung von Leonora, Western Australia. Gegründet wurde die Mine vor mehr als 120 Jahren, im Jahr 1897 vom späteren US-Präsidenten Herbert Hoover. Der war damals, als junger Mann, als Geologe tätig. St. Barbara hat den Betrieb in dieser Mine im Jahr 2008 wieder aufgenommen.

Aktuell reicht die Gwalia-Goldmine bis auf 1.600 Meter herab. Man plant den Abbau des Edelmetalls allerdings aus noch größerer Tiefe: Im Jahr 2031 sollen 2.300 Meter erreicht werden. Aus einer so großen Tiefe zu fördern, erfordert einen immensen technischen Aufwand. Projekte, die die Lebensdauer von Gwalia verlängern sollen, sind seit 2017 in Gange und nun fast abgeschlossen.

Frische Luft und Zerkleinerungsanlage

100 Millionen US-Dollar wurden in die Erweiterung der Goldmine investiert. So wurde ein mehrere Kilometer umfassendes Lüftungssystem installiert, um kühle Luft von der Oberfläche zu den Bergarbeitern in die Tiefe zu leiten. Der letzte Schacht, so teilte Geschäftsführer Craig Jetson mit, soll im Laufe des kommenden Monats fertiggestellt werden. Dieser Schacht wird dann in eine Tiefe von 517 Metern reichen.

Ein weiterer innovativer Aspekt der Gwalia-Erweiterung ist der Bau einer Zerkleinerungsanlage für Gesteinsabfälle im Wert von 20 Millionen Dollar. Mit dieser Maschinerie kann Abraum zerstoßen. und mit Zement vermischt werden. Diese Masse kann zum Verfüllen alter Abbaubereiche dienen, sodass der Abtransport des Schutts durch Lastwagen an die Oberfläche entfällt. Das bedeutet eine bedeutende Arbeitsersparnis: Derzeit dauert eine solche Tour für einen LKW gut zwei Stunden.

Tiefes Graben zahlt sich aus

St. Barbara veröffentlichte jüngst seine Quartalsergebnisse: Im Geschäftsjahr 2019-2020 produzierte Gwalia 171.156 Unzen Gold. Dieser Ertrag wird nach Abschluss der Expansion vermutlich auf annähernd 190.000 Unzen ansteigen. Bis Juni 2023 soll die Produktion voraussichtlich zwischen 190.000 und 200.000 Unzen jährlich liegen.

Die Investition in Gwalia wird sich nach Ansicht des Goldunternehmens auf die kommenden zehn Jahre gesehen deutlich amortisieren. Man erwarte, so Jetson, sehr starke Margen über einen langen Zeitraum hinweg und einen stabilen Betrieb. Er freue sich auf die Zukunft von Gwalia, wo man in den kommenden Jahren für lange Zeit beste Erträge erwartet, auch wenn das Erz nicht mehr so hochgradig ausfalle wie in der Vergangenheit.

Zwischenzeitlich will St. Barbara 200 Millionen USD Kredite an die Banken zurückzahlen. Diese Summe hatte das Unternehmen sich vorsorglich zur Überwindung der Corona-Krise geliehen.

Central Norseman: Machbarkeitsstudie kurz vor Abschluss

Eine weitere Miene, die ihr Comeback feiern könnte, ist die historische Förderung aus Central Norseman, ebenfalls in Western Australia, zwischen den Städten Kalgoorlie und Esperance. Central Norseman war in Australien die am längsten ununterbrochen operative Goldmine. Zwischen 1935 bis zur Stilllegung 2014 produzierte sie etwa sechs Millionen Unzen.

Tatsächlich bestätigt Paul Cmrlec, der Geschäftsführer des Minenbetreibers Pantoro mit Sitz in Perth, dass in einigen Wochen die Machbarkeitsstudie für eine Wiederaufnahme des Förderbetriebes vorliegen werde.

Von Vorteil für Central Norseman ist, dass der Großteil der benötigten Infrastruktur bereits vorhanden ist und sich in einem gut nutzbaren Zustand befindet.