Die Preise für Edelmetalle regeln sich durch Angebot und Nachfrage: Wird ein begehrter Stoff verknappt, steigt sein Wert. Derzeit treibt beispielsweise die instabile Energieversorgung in Südafrika den Palladium-Preis in die Höhe. Laut Marktbeobachtern könnte der Trend anhalten.

Südafrika erlebt seit Tagen eine ernste Energiekrise: Der staatliche Energieversorger Eskom ist aktuell nicht in der Lage, das Land solide mit Strom zu versorgen. Einer der Faktoren für diese Probleme: Anhaltende Regenfälle haben Kohle als Brennstoff für die Heizkraftwerke vorerst unbrauchbar gemacht. Die E-Werke sind zudem veraltet und störungsanfällig, Defekte sind an der Tagesordnung.

Lastabwürfe beeinträchtigen Wirtschaft

Die Stromversorgung im gesamten Land wird derzeit gedrosselt – Load-shedding, Lastabwurf heißt das. Dabei wird stundenweise in wechselnden Regionen der Strom abgeschaltet. Angesichts dessen, dass in Südafrika derzeit Tourismus-Hochsaison herrscht, ist dies eine Beeinträchtigung für die  ohnehin schwächelnde Konjunktur des Landes. Freilich hat die schwankende Stromversorgung ebenso auf einen anderen wichtigen Wirtschaftsbereich fatale Auswirkungen: auf den Bergbau.

Industrie im Notbetrieb: Palladium-Minen stellen Betrieb ein

Angesichts der instabilen Stromversorgung ist ein reibungsloser Produktionsablauf in den südafrikanischen Bergbaubetrieben gegenwärtig nicht zu gewährleisten – zumal durch die Lastabwürfe und Spannungsschwankungen auch deren Maschinerie beschädigt werden kann. Aus diesen Gründen haben zahlreiche Förderbetriebe, unter ihnen beispielsweise der Konzern Impala Platinum (Implats), den Betrieb pausiert. Wartungsteams halten die Stellung.

Verknappung treibt den Preis hinauf

Südafrika ist, neben Russland, der wichtigste Produzent von Palladium und Platin. Nachdem der Nachschub aus Südafrika aufgrund der Stromkrise vorerst ausbleibt, reagierten die Märkte mit dem zu erwartenden Kursanstieg. An der London Metal Exchange erreichten die Kurse für Palladium den Rekordwert von 1.900 USD pro Unze.

Ähnliche Entwicklungen zeigt der Spot-Markt in Bezug auf Platin: Der Preis für das Edelmetall kletterte um 1,6 Prozent auf einen Wert von aktuell 909,92 USD, ein deutlicher Aufschwung gegenüber dem Vormonat. Palladium legte im selben Zeitraum 0,7 Prozent zu – eine Preisentwicklung, die nun schon fast zwei Wochen kontinuierlich nach oben verläuft.

Etwas moderater, aber ebenfalls im Aufwärtstrend, sieht es bei Gold und Silber aus: Hier gingen die Kurse um 0,3 Prozent nach oben.

Palladium: begehrter Rohstoff für saubere Mobilität

Palladium ist ein Metall, dessen Wert in der jüngeren Vergangenheit im Höhenflug ist. Hauptantrieb dafür ist die Nachfrage aus der Automobilindustrie: Hier spielt Palladium als Filter in Katalysatoren für Verbrennungs- und Hybridmotoren eine wichtige Rolle, zumal weltweit die Emissionsvorschriften für PKW immer strenger werden. Palladium lässt sich nicht durch das preiswertere Platin oder Recyclingmetall ersetzen. Die Marktpreise sind im vergangenen Jahr um gut 50 Prozent angestiegen.

Die Ausgaben für Palladium machen indes nur einen Bruchteil der Gesamtproduktionskosten der Autohersteller aus, sodass im Ganzen die Verteuerung für diese Industriesparte nicht so stark ins Gewicht fällt.

Platinnachfrage etwas geringer, doch ebenfalls im Aufwärtstrend

Die Platinpreise haben sich 2019 lediglich um 13 Prozent erhöht. Der Bedarf an dem preiswerteren Edelmetall seitens der Automobilindustrie ist schwächer, weil Dieselfahrzeuge – in deren Katalysatoren Platin zum Einsatz kommt – auf dem Weltmarkt weniger nachgefragt wurden. Die Preisentwicklung wird neben dem Industriebedarf außerdem durch den Ankauf von physischem Edelmetall als Kapitalanlage gestützt.

Ungeachtet dessen dürfte sich für Platin mittelfristig ein weiteres Einsatzfeld ausweiten: Elektroden in Brennstoffzellen benötigen das Metall. Die steigende Nachfrage danach am asiatischen Markt kurble die Preise an, wie der deutsche Technologiekonzern Heraeus in einem Report notierte.

Prognosen: Palladium steigt weiter

Experten prognostizieren, dass die Platinkurse zwar bei Erreichen eines Schwellenwertes über einen gewissen Zeitraum stagnieren könnten, der Trend aber weiterhin für eine Preissteigerung spricht. Wie Bloomberg berichtete, hat Ole Hansen, Leiter der Warenstrategie beim dänischen Broker Saxo Bank, hat den Markt kritisch im Auge. Analysten der US-Investmentbank Citigroup prognostizieren weiterhin eine Steigerung des Unzenpreises für Palladium binnen des nächsten halben Jahres auf 2.500 USD.

Der Palladium-Preis dürfte weiter ansteigen, wenn der Stromausfall anhält. Dass dem so ist, ist nicht unwahrscheinlich: Südafrikas Staatspräsident Cyril Ramaphosa sagte zu Pressevertretern, der Stromkonzern habe ihm versichert, die Stabilität des Systems wieder herzustellen – bis März.