Übernahme des Mitbewerbers Goldcorp für 10 Milliarden USD

Der Goldmarkt ist eine komplexe Branche, in der viele Marktteilnehmer um vergleichsweise wenige Vermögenswerte konkurrieren. Der Zusammenschluss von Gold-Bergbauunternehmen kann jedoch zu einer Stärkung des Business führen. Wie das im konkreten Fall aussehen mag, zeigt aktuell die Newmont Mining Corp. Wie der Nachrichtendienst Reuters berichtete, übernimmt das amerikanische Unternehmen aus Denver den kanadischen Mitbewerber Goldcorp aus Vancouver – und wird damit zum marktführenden Goldproduzenten.

Der kanadische Goldbergbau-Riese Barrick Gold wird von seinem Spitzenplatz verdrängt. Mit dem Aufkauf des Mitbewerbers Goldcorp durch Newmont – bisher auf Rang zwei der Big Player – entsteht das nach Reserven und Ressourcen größte Unternehmen der Branche. Die neue Gesellschaft wird unter dem Namen Newmont Goldcorp wirtschaften und aus Minen in Amerika, Australien und Ghana fördern. Die Transaktion soll im zweiten Quartal 2019 abgeschlossen sein, ließen die Unternehmen verlauten. Newmont Goldcorp wird bis Ende 2019 von Newmont-Geschäftsführer Gary Goldberg geleitet. Dann geht dieser in den Ruhestand. Das Ruder übernimmt in der Folge Tom Palmer, aktuell Betriebsdirektor bei Newmont.

Transaktionen der Superlative

Laut Refinitiv, dem Finanzmarktdaten- und Infrastrukturanbieter von Reuters, handelt es sich bei dem 10-Milliarden-Dollar-Deal um das bislang größte Übernahmegeschäft im Goldsektor. Im vergangenen September hatte bereits Barrick Gold Corp seinen Konkurrenten Randgold Resources übernommen. Der Kaufpreis betrug bei dieser Transaktion 6,1 Milliarden USD. Newmont bietet 0,3280 seiner Aktien und 0,02 USD für jede Goldcorp-Aktie an. Abgeleitet vom Newmont-Schlusskurs vom vergangenen Freitag sind das 11,46 USD für jede Aktie, ein Aufschlag von rund 18% auf den New Yorker Freitagsabschluss von Goldcorp.

Fusionieren und explorieren statt konkurrieren

Gary Goldberg zeigte sich im Gespräch mit Analysten zufrieden. Da es immer schwieriger werde, Goldreserven aufzuspüren, schaffe die Bündelung der Kräfte sowohl eine hervorragende Projektpipeline als auch ein ansehnliches Explorations-Portfolio, die größte Reserven- und Ressourcenbasis im Goldsektor. Auch Michael Siperco, Wall Street Analyst von Macquarie Research glaubt, dass der Aufkauf von Goldcorp eine Kräftigung der Goldbranche bewirke. In der letzten Zeit waren die großen Goldfirmen in ihren Geschäftstätigkeiten stark auf das Kostenmanagement fokussiert, anstatt sich Neuakquisen zu widmen. Grund dafür war die Kritik der Anleger, die eine unzureichende Verwaltung des Kapitals bemängelten. Aktuell wird es nun aber immer notwendiger, die schwindenden Reserven zu stärken und die Produktion wieder anzukurbeln.

Goldpreise steigen: Aktienmarkt in Bewegung

Gold ist nach dem Preissturz im vergangenen Jahr derzeit an der Börse wieder gefragter. Im vergangenen Januar waren die Goldpreise um 15 Prozent gefallen und erreichten im August einen Tiefstand. Ausgehend davon sind die Goldpreise mittlerweile mit einer Steigerung um 11% wieder im Aufwärtstrend. Der zunehmende Goldpreis kurbelt seinerseits den Handel wieder an. Die Nachricht von der Fusion der Goldproduzenten erzeugte denn auch umgehend Kursänderungen der Unternehmensaktien an den Börsen. Die in Toronto gehandelten Anteile von Goldcorp steigen im Zuge der Meldung um 7 Prozent auf 13,75 CAD. Zugleich sank der Kurs der Newmont-Aktien an der New Yorker Börse um 8,8 Prozent auf 31,83 USD.

Förderwettrennen mit Barrick Gold

Die Analysten der kanadischen Scotiabank sehen die Vorteile auf Seiten von Newmont: Die Transaktion macht das Unternehmen zum weltweit führenden Goldproduzenten. Der frisch abgeschlossene Deal wirke sich positiv auf sämtliche notwendigen Kennzahlen aus. Auch die Zukunftspläne von Newmont Goldcorp sind vielversprechend. Ihr Ziel: Die Jahresproduktion von Barrick Gold zu überholen. Das neue Unternehmen soll, Prognosen zufolge, in den kommenden zehn Jahren 6-7 Millionen Unzen Gold jährlich produzieren. Die Prognose von Mitbewerber Barrick lag bei 4,5 bis 5 Millionen Unzen für das Jahr 2018.

Sparpotenzial und Fusionskosten

Der Zusammenschluss wirkt sich auch auf deren Ausgaben aus. Newmont wird etwa 100 Millionen USD jährlich einsparen und die fusionierten Unternehmen zusätzlich in den kommenden Jahren Vermögenswerte im Wert von 1 bis 1,5 Milliarden USD abstoßen, darunter die nicht zum Kerngeschäft gehörenden Minen. Einem ähnlichen System folgte auch Barrick bei der Übernahme von Randgold.