Kaum ein anderet Rohstoff löst derzeit unter Analysten so große Spekulationen aus wie Lithium: Während die einen den drohenden Preisverfall durch ein Überangebot am Markt prognostizieren, rechnet das andere Lager ganz im Gegenteil mittelfristig mit deutlichen Wertsteigerungen durch die Diskrepanz von verfügbarem Angebot und explodierender Nachfrage. Canaccord Genuity, globale Full-Service-Investmentbank mit Fokus auf Wachstumsunternehmen, liefert eine eigene Einschätzung  mit optimistischem Tenor.

Laut den Analysten sollten sich die Lithium-Preise und Aktienkurse neutral bis positiv weiterentwickeln. Ein bedeutender Faktor für die aktuellen Trends in der Lithiumbranche ist die Situation in der nordchilenischen Region Antofagasta am Salar de Acatama.

Big Player und das Recht am Wasser

Der Salar de Acatama ist eine Salztonebene in der Acatama-Wüste. Der See ist weltweit die bedeutendste Quelle für die Lithiumgewinnung via Sole – etwa ein Drittel der weltweiten Lithiumversorgung stammt aus dem Salar. Die wichtigsten Förderunternehmen vor Ort sind der chilenische Konzern SQM und Albemarle aus den USA. Wie der Nachrichtendienst Reuters am 23. August berichtete, mehren sich die Anzeichen dafür, dass die chilenischen Wasserbehörden planen, keine neuen Genehmigungen zur Entnahme von Wasser aus dem See zu erteilen. Mehr noch: Im Salar soll ein Süßwasserreservoir angelegt werden, was signifikante Auswirkungen auf die Fördertätigkeiten der beiden Großunternehmen haben kann.

Lithiumabbau und die Umwelt

Im Zuge von Lithium-Sole-Förderung wird zwar die abgereicherte Sole wieder in den Salar zurückgeleitet; bei der Anreicherung entstehen allerdings Verluste durch Verdunstung. Dieser Schwund an Wasser muss auf natürlichem Wege kompensiert und aufgefüllt werden. Sowohl die Wasserbehörde als auch die ortsansässige indigene Bevölkerung sind besorgt über die Wechselwirkung zwischen Sole und Süßwasser-Verhältnis innerhalb des Salar-Systems.

Rechtstatus als Unsicherheitsfaktor

Die Tragweite der neuen Wassersituation und ihr Auswirkungen sind Gegenstand von Spekulationen: Es ist derzeit nicht klar, ob die Erweiterungspläne von SQM und Albemarle durch bestehende Rechte abgedeckt sind oder ob neue Genehmigungen erforderlich wären – was natürlich durch die behördlichen Regelungen erschwert wird.

Derweil am Markt: Preisrutsch beim Lithium

Im laufenden Jahr und speziell im letzten Quartal war der Ertrag der Batterierohstoffe und Aktienkurse in verschiedener Hinsicht tendenziell nachlassend. Auf dem Höchststand hat der fallende Kurs des US-Dollar die Dollar-basierten Rohstoffe in Mitleidenschaft gezogen. Speziell bei den Batteriemetallen sind die Material- und Aktienkurse durch Prognosen der Analysten in Mitleidenschaft gezogen worden; Tarifbefürchtungen haben Nachfrageanliegen und risikoscheue Markttendenzen verschärft. Preisverfall durch ein – angenommenes – mittelfristiges Überangebot sowie Spekulationen bezüglich der Elektromobilitäts- und Energiespeicherindustrie kamen hinzu. Verunsichernde Meldungen über die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen aus dem Hause Tesla und die chinesische Marktsituation mit der expliziten Tendenz hin zum Elektroauto und weg vom Verbrennungsmotor brachte jede Menge Spekulationen in die Diskussion.

Keine Angst vor der Lithium-Schwemme

Betrachtet man nun die Entwicklungen in Chile, wird die These von der Überangebotswelle hinfällig. Sollten Albemarle und SQM erforderliche neue Genehmigungen für die Erweiterung des Soleabbaus nicht bekommen, kann der Output nicht gesteigert werden; sollten die bestehenden Genehmigungen ausreichen, wird der Ausbau der Kapazitäten dennoch in geringerem Tempo fortschreiten als von den Marktpessimisten prognostiziert. Aufklärung über den aktuellen Stand der Genehmigungen sollten weitere Informationen von SQM an die Investoren bieten.

Analysten sehen den nächsten Höhenflug voraus

Die Überangebotsthese, zu diesem Schluss kommen die Experten von Canaccord Genuity, sei also übertrieben und die Nachfrage an Lithium für Elektrofahrzeuge und Energiespeicher wird unterschatzt. Eine kurzfristige Aktienakkumulation der Batteriemetalle sei sehr wahrscheinlich.

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