Seit sich 2011 das Atomunglück von Fukushima ereignete und die Rolle der Kernenergie weltweit neu diskutiert wird, waren die Förderung von und der Handel mit Uran global erheblichen Schwankungen unterworfen. Nun verzeichnet das begehrte natürliche Nuklid einen anhaltenden Kursanstieg, der durch verschiedene Faktoren vorangetrieben wird. Ben Sharples vom Wirtschaftsinformationsdienst Bloomberg erläuterte mit einem Schlaglicht auf den Uranmarkt die aktuelle Lage.

Nicht nur Kernkraftwerke und das Militär benötigen Uran. Abgereichertes Uran kann im Strahlenschutz zum Einsatz kommen und aufgrund seiner hohen Dichte ebenso als Trimmgewicht im zivilen Flugzeug- und Bootsbau genutzt werden. Auch Forschungsinstitute sind auf Uran angewiesen. Doch die Abnehmer für das Material müssen sich auf steigende Preise einrichten.

Uranpreise im Höhenflug

Uran befindet sich derzeit auf Erfolgskurs: Der Spot-Preis für das begehrte Metall stieg zuletzt  kontinuierlich. Im August verzeichnete es 2,1% Kursgewinn, den vierten Monat in Folge. Vergleichbares geschah zuletzt im November 2014. Seit seinem Tiefstand im April 2018 ist der Börsenkurs für Uran um insgesamt mehr als 30 % gestiegen. Ux Consulting, ein Dienstleister für Forschung in der Kernenergie mit Sitz in Roswell, Georgia, erwartet auch für den Rest des Jahres weitere Zugewinne.

Warum Uran teurer wird

Ein Grund für den Preisanstieg ist die Verknappung der Produktion durch die Stilllegung von Minen. Die Zeichen stehen mittelfristig weiterhin auf Verringerung des Outputs. Kasachstan wird die Produktion im weiteren Jahresverlauf noch mehr reduzieren, Paladin Energy Ltd. aus Perth in Australien sowie Cameco Cop. mit Sitz im kanadischen Saskatoon haben einige Projekte bis auf weiteres eingestellt. Bei Cameco betrifft dies die Minen McArthur River und Key Lake in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Einer der Faktoren für die Reduzierung der Förderung ist US-Präsident Trumps Ankündigung, Exportzölle auf Uran zu verschärfen.

Bevorratung mit Uran

Auch Investoren und Produzenten versorgen sich in Zeiten geringerer Zulieferung: Um vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen, kauft Cameco auf dem Spotmarkt Uran an. Das Unternehmen ist damit nicht allein: Das Unternehmen Yellow Cake Plc mit Sitz in Jersey etwa wurde erst in diesem Jahr gegründet. Geschäftsgegenstand sind der Kauf und die Lagerung von physischem Uran und der Erwerb von Uran- oder Uranabgaben. Erst diesen Monat teilte Yellow Cake mit, dass sich seine Lagerbestände auf 8,4 Millionen Pfund erhöht haben. Kürzlich hatte man 350.000 Pfund Uran von NAC Kazatomprom JSC, einem in Kasachstan ansässigen Uran-Händler, gekauft – zu einem durchschnittlichen Preis von 21,10 USD/Pfund gegenüber einem aktuellen Spotpreis von 26,11 USD/ Pfund.

Wohin werden die Preise steigen?

Jonathan Hinze, Präsident von Ux Consulting, äußert sich vorsichtlich hinsichtlich der Prognose, ob ein Preis von 30 USD/ Pfund erreicht werden könne. Diesen Grenzwert bezeichnet er als eine psychologische Barriere. Seiner Einschätzung nach sind jedoch alle am Handel Beteiligten auf weitere Preisanstiege eingestellt. Händler werden versuchen, dem durch Einkäufe zuvorzukommen.

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