Glencore nimmt Fahrt auf: Die Schweizer Unternehmensgruppe, weltweit größter Rohstoffstoffhändler mit Sitz in Baar, befindet sich in Verhandlungen mit den wichtigen Playern der Elektromobilitäts-Branche. Apple, Tesla und VW benötigen für ihre Batterieentwicklungen Kobalt: Bis zum Jahr 2019, so die aktuellen Prognosen, könnte das für Glencore zur Kontrolle von 40% des Weltmarkts führen, wie der Nachrichtendienst Bloomberg berichtet.

Glencore setzt auf Kobalt

Glencore will mit der Verdopplung seiner Produktion den globalen Kobalt-Markt sicher in den Griff bekommen. Kobalt ist ein zentrales Batteriemetall und Schlüsselkomponente für die Entwicklung neuer Energiespeichersysteme, wie sie für die Hersteller von Elektromobilen wichtig sind. Derzeit forschen weltweit verschiedene Unternehmen an möglichst effizienten Batterien, die künftig Elektrofahrzeugen größere Reichweiten und bessere Leistung bei geringeren Ladezeiten verschaffen sollen.

Batteriemetall aus Afrika

Ein wichtiger Faktor bei den Schweizer Produktionsplänen ist die Katanga Mining Ltd.. Dieses kanadische Rohstoffunternehmen fördert in der Demokratischen Republik Kongo Kobalt und hat sich zum Ziel gesetzt, im kommenden Jahr seine Produktion auf 34.000 Tonnen Jahresausbeute heraufzusetzen. Nach Zahlen von August 2017 liegt die Jahresfördermenge bislang bei etwa 20.000 Tonnen. Den Berechnungen zufolge würde Glencore damit 40% der weltweiten Lieferungen dominieren. Mutanda Mining, ein weiterer Förderbetrieb für Kobalt, ebenfalls mit Gruben im Kongo, führte laut Erhebungen des britischen Kobalthändlers Darton Commodities Ltd. 2017 die Rangliste der Kobaltproduzenten an. Mutanda hatte mit 24.500 Tonnen zum weltweiten Angebot von 109.500 Tonnen Kobalt beigetragen. Für dieses Jahr ist ein Output von 11.000 Tonnen vorgesehen – was auf Grundlage des aktuellen Pricings Glencore Einnahmen von 800 Millionen USD bescheren sollte.

Der Kongo will mitverdienen: Neue Bergbaugesetze

Etwa 60% der weltweiten Kobaltressourcen sind im Kongo verortet. Das Land möchte nun seinerseits mehr von den Entwicklungen am Kobaltmarkt profitieren und erhebt höhere Lizenzgebühren: Diese stiegen nach neuesten Regelungen in der Bergbaugesetzgebung von 2 auf 3,5 Prozent; außerdem soll eine Spekulationssteuer auf Gewinne eingeführt werden. Diese neue rechtliche Entwicklung trifft nicht nur auf den Widerstand von Glencore: Zahleiche Bergbaubetriebe argumentieren, dass in der Folge Investoren abwandern könnten. Auf den aktuellen Förderbetrieb haben die neuen Gesetze vorerst allerdings keine Auswirkungen, da die bestehenden Vorschriften einen zehnjährigen Vertragschutz laufender Vereinbarungen vorsehen.

Hoher Bedarf – knappe Ressourcen

Glencore handelt mit rund einhundert verschiedenen Rohstoffen von Kohle bis Zink, fokussiert sich derzeit aber auf Kobalt, nachdem die Nachfrage von Elektromobil- und Batterieherstellern die Nachfrage an diesem Metall allein 2017 mehr als verdoppelt haben. Ivan Glasenberg, Geschäftsführer von Glencore gab bekannt, dass bereits Lieferverträge mit renommierten Player wie Volkswagen, Tesla und Apple ausgehandelt werden. Viele Kunden, so Glasenberg in einer Information für Glencore-Investoren, seien bedacht darauf, sich rechtzeitig das Angebot zu sichern. Doch die Nachfrage der Industrie an Kobalt droht, die Förderkapazitäten zu überholen: Glasenberg merkt an, dass Glencore selbst bei verdoppeltem Output nicht genug Kobalt bereitstellen kann, um den gesamten Bedarf der rasant wachsenden Elektromobil-Branche zu decken. Schätzungen zufolge würden bis 2030 etwa 314.000 zusätzliche Tonnen Kobalt benötigt, um auch nur 30 Prozent aller Neufahrzeuge zu elektrifizieren. Mittelfristig muss die Forschung sich auf die Entwicklung neuer Technologien konzentrieren, die entweder weniger oder gar kein Kobalt benötigen.

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