Brasilien will seine Minengesetze ändern. Das hat bisher zahlreiche Reaktionen von verschiedenen Seiten ausgelöst. Einerseits beklagen sich Umweltschützer darüber, dass mehr als eine Million Hektar geschützten Landes künftig Rohstoffunternehmen zur Verfügung stehen soll. Auch Unternehmen aus der Branche selbst sehen das Gesetzesvorhaben kritisch: Wie Unternehmen, die sich ein Engagement in Brasilien vorstellen können, melden, könnte das neue Gesetz zu höheren Steuern und Kosten sowie einer geringeren Nachfrage seitens der Investoren führen.

Eisenerz: Besteuerung je nach Preislage

Während ein Teil der Regelungen bereits Anfang August in Kraft getreten ist, sollen weitere Neuerungen im November folgen, sobald der brasilianische Kongress den Plänen zugestimmt hat. Kern der neuen Regelungen sind Steuern auf Umsätze aus dem Minengeschäft. Während Diamanten, Gold und viele andere Rohstoffe pauschal versteuert werden sollen, wird es bei Eisenerz flexible Steuerquoten geben, die von den Weltmarktpreisen abhängen. Die Bandbreite für die Steuer liegt zwischen zwei und vier Prozent.

Maßgeblich zur Berechnung der Minensteuer sollen anders als bislang die Bruttoeinnahmen sein, die Steuern nicht berücksichtigen. Bisher waren zur Berechnung der Steuer die Einnahmen nach anderen Steuern entscheidend. Vor allem aus diesem Grund halten viele Rohstoffproduzenten das Gesetzesvorhaben für gefährlich und rechnen mit steigenden Kosten. Diese Kosten könnten auch nicht durch Einsparungen wettgemacht werden, gibt ein Vertreter der brasilianischen Bergbauvereinigung zu Bedenken. Als Folge der neuen Steuer würden Unternehmen, die in Brasilien tätig sind, an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, so der Sprecher.

Höhere Steuern und weniger Bürokratie

Das neue Gesetzesvorhaben sieht neben den Neuerungen bei der Steuer auch die Schaffung einer nationalen Bergbauagentur vor, welche das bisherige Minenministerium ersetzen soll. Die Maßnahmen sollen die Transparenz erhöhen und bürokratische Prozesse vereinfachen. Brasiliens Präsident Michel Temer hat betont, dass die Reformen im Bergbausektor ein wichtiger Baustein seien, um das Land nach der größten Rezession seiner Geschichte auf die Zukunft vorzubereiten. Während viele Vertreter von Rohstoffunternehmen wegen der neuen Gesetze Alarm schlagen, gibt es seitens Analysten auch beschwichtigende Stimmen. So betont Analyst Pedro Galdi in nordamerikanischen Branchenmedien, dass Produzenten die höheren Abgaben an Kunden weitergeben können. Weiterhin würden die Steuererhöhungen angesichts der stark sinkenden Inflation in Brasilien nicht so stark ins Gewicht fallen, so der Analyst.