Wie aus dem Umfeld der Ölexporteure Saudi-Arabien und Kuwait verlautet, plant die OPEC im zweiten Halbjahr, die Vereinbarung mit Nicht-Mitgliedern des Ölkartells zur Drosselung der Fördermenge von Rohöl zu verlängern. Die Förderländer seien sich inzwischen einig, dass die Vereinbarung zur Drosselung der Förderung, die im Januar zunächst für ein halbes Jahr geschlossen wurde, verlängert werden sollte, betont beispielsweise der saudische Energieminister Khalid al-Falih. Details müssten allerdings noch geklärt werden. Auch Kuwaits Ölminister Essam al-Marzouq deutete an, die Vereinbarung fortsetzen zu wollen und ließ verlauten, dass auch Russland diesen Weg unterstütze.

Die Unterstützung von Nicht-OPEC-Staaten beim Versuch, die Ölpreise nachhaltig zu stabilisieren, gilt innerhalb des Förderkartells als entscheidend. Am 25. Mai treffen sich sämtliche Förderländer, um über die Fortsetzung der bisherigen Vereinbarung zu diskutieren. Eine interne Studie der OPEC zeigt, dass ein Scheitern der Verhandlungen drastische Folgen haben könnte. Das Förderkartell geht in diesem Fall von einem Preisrutsch in Regionen zwischen 30 und 40 US-Dollar aus.

Russland und afrikanisches Förderland für weitere Drosselung

Al-Falih sieht den Abbau der weltweiten Ölreserven als Zeichen dafür an, dass die Maßnahmen fruchteten. Zuletzt sind Lagerbestände auf See und innerhalb von Produzentenländern bereits gesunken. In klassischen Öl-Konsumentenregionen wie Asien und den Vereinigten Staaten seien die Lagerbestände aber hoch geblieben. Dies bestätigt auch die Internationale Energieagentur. Demnach liegen die Lagerbestände in Industrieländern aktuell noch immer zehn Prozent über dem Fünf-Jahres-Mittel.

Auf Seiten der OPEC ist man angesichts der Unterstützung seitens der Nicht-OPEC-Staaten zuversichtlich, dass die Maßnahmen zur Stabilisierung der Preise fruchten werden. Obwohl Russland bislang noch nicht offiziell bestätigt hat, die eigene Förderkürzung über den vereinbarten Zeitraum verlängern zu wollen, zeigt man sich in Moskau gesprächsbereit. Wie Kuwaits Ölminister Marzouq andeutet, gebe es zudem in einem bedeutenden afrikanischen Förderland Interesse, sich auch im zweiten Halbjahr an Maßnahmen zur Drosselung der Fördermenge zu beteiligen.

Lediglich Irak will mehr fördern

Eine abweichende Meinung gibt es derzeit nur im Irak. Dort kündigte man bereits an, die andern Förderländer um höhere Förderquoten bitten zu wollen. Hintergrund sei der anhaltende Kampf des Irak gegen den so genannten Islamischen Staat. Grundsätzlich unterstütze man jedoch auch im Irak den Kurs des beschränkten Angebots, um die Ölpreise weiter zu stabilisieren. Keine Gefahr für die in der zweiten Jahreshälfte anstehende Vereinbarung dürfte der Iran sein. Das von Sanktionen betroffene Land hat seine Ölproduktion bereits im Rahmen der Einigung im Januar angehoben und agiert derzeit im Bereich des Fördermaximums.