Kupfer war in den vergangenen Jahren nicht gerade der Lieblingsrohstoff der Anleger. Insbesondere die vergleichsweise schwache Konjunktur in China hat den Kupferpreis deutlich unter Druck gesetzt, sodass der Kurs lange Zeit in einem Bereich zwischen 4500 – 5000 USD/t lag. Nachdem es Ende des letzten Jahres einige positive Konjunktursignale gab, und getrieben von der Aussicht auf ein großes Infrastrukturprogramm in den USA, kletterte der Kupferkurs dann auf fast 6000 USD/t.

Wie geht es nun in 2017 mit dem Kupferpreis weiter? Ich will Ihnen eine seriöse Antwort geben, die Ihnen aber vermutlich nicht viel helfen wird. Man weiß es schlichtweg nicht. Zu viele Faktoren und Störgrößen sind hier vorhanden, um eine seriöse Prognose für den Kupferpreis abzugeben. Auch die Schätzungen führender Analysten gehen hier relativ weit auseinander.

Die positivste Prognose stammt ausgerechnet von den Analysten von Goldman Sachs, die in der Vergangenheit besonders skeptisch bezüglich Kupfer gewesen sind. Goldman Sachs erwartet einen Anstieg des Kupferpreises in den nächsten 12 Monaten auf 6100 USD/t, getrieben von einer wieder erstarkenden Wirtschaft in China, Indien und anderen Teilen Südostasiens und dem bereits erwähnten 500 Mrd. USD Infrastrukturprogramm in den USA.

Die Analysten von BMI Research sind zwar langfristig ebenfalls positiv zu Kupfer eingestellt, erwarten aber erst im Jahre 2019 ein spürbares Defizit auf dem Kupfermarkt. Dementsprechend erwartet man dort für 2017 fallende Kupferpreise und einen Rückgang des Kupferpreises auf 5150 USD/t, knapp über dem Ausgangsniveau der jüngsten Kupferrally.

Ähnliche Töne gibt es von Codelco, dem staatlichen Chilenischen Bergbaukonzern und weltweit größten Kupferproduzenten. Auch bei Codelco hält man sich für 2017 eher bedeckt und gibt eine Preisprognose von 5150 USD/t ab. Codelco sieht aktuell noch ein Überangebot von Kupfer auf dem Markt und bezeichnet den jüngsten Preisanstieg als spekulationsgetrieben und übertrieben. Immerhin wurde die ursprüngliche Prognose von 4900 USD/t auf 5150 USD/t angehoben.

Die Analysten der Citygroup sehen den Kupfermarkt aktuell als im Wesentlichen ausgeglichen an und erwarten zum Jahresende ein Preisniveau, das etwas auf dem heutigen Niveau von 5600 USD/t liegt, erwartet jedoch, dass der Markt weiterhin nervös agiert und unter größeren Schwankungen volatil bleibt.

Die Analysten der Toronto-Dominion Bank sehen den Kupferpreis zum Jahresende bei 5800 USD/t.

Aktuell gibt es an den Terminmärkten immer noch einen hohen Überschuss an Long Positionen (96708), welche die Short Positionen (24556) deutlich übertreffen und somit zu einer Netto-Long-Position von 72152 führen. Somit liegen die Netto-Long-Positionen beim Kupfer weiterhin nahe ihrem 5 Jahres-Hoch, welches Anfang Dezember 2016 erreicht wurde.

Aktuell scheint der Kupfermarkt etwas überhitzt zu sein, was kurzfristig zu entsprechenden Kursrücksetzern führen dürfte. Dementgegen stehen jedoch positiven Wirtschaftsdaten nicht nur aus Fernost, sondern (dank des gegenüber dem USD stark gefallene Euro) auch aus Europa, welche zu einer steigenden Nachfrage des begehrten Industriemetalls führen könnten. Nach den ersten Erfahrungen, was bei Donald Trump zwischen den Ankündigungen und den tatsächlichen Umsetzungen liegt, habe ich auch Zweifel, ob das angekündigte Infrastrukturprogramm in dieser Größenordnung kommt, oder ob hier auf eine vollmundige Ankündigung ein doch eher kleines Programm folgen wird. Zudem wird sich zeigen, ob sich weltweit eine eher protektionistische Wirtschaftsordnung mit einem dadurch eingeschränkten Welthandel durchsetzt, was sich ebenfalls negativ auf die Kupfernachfrage auswirken dürfte.