Lange hat sich Europa und vor allem die Automobilindustrie dagegen gesperrt und tut es immer noch. Man agiert nach dem Motto, so lange kein Druck aus Brüssel kommt, machen wir weiter wie bisher. Doch der Elektropionier Tesla (WKN:A1CX3T; ISIN:US88160R1014) und auch „Dieselgate“ bei Volkswagen (WKN: 766403; ISIN: DE0007664039) führen zu einem langsamen Umdenken. Doch für Investoren sind weniger die Automobilaktien, sondern die Zulieferer interessant. Und hier meine ich nicht die klassischen Zulieferer wie Continental oder Bosch, sondern die Rohstofflieferanten wie Lithium-, Kobalt- oder Graphitunternehmen. Man steht hier sozusagen vor einem Boom wie beim Internet in den 90er Jahren.

Doch Vorsicht: viele Firmen haben keinerlei Überlebenschance, man sollte auf die Grossen der Branche setzen. Wo Lithium draufsteht, muss nicht unbedingt auch Lithium drin sein. Der Markt ist noch sehr klein, wir sprechen über eine Grössenordnung von ca. 1 Mrd. USD, beim Kobalt das Doppelte und Graphit steckt noch in den Kinderschuhen. Dem entsprechend gibt es kaum Firmen, in die man investieren kann. Pennystocks sollte man aussen vor lassen. Von den grossen Batterieherstellern sind neben Tesla noch BYD und die FMC Corp. interessant.

Die chinesische Build Your Dreams (BYD) ist die chinesische Tesla und betreibt mit BYD Energy Storage eine eigene Sparte, die Energie-Speichersysteme für Windfarmen und Solarstromanlagen baut. BYD hat ähnlich wie Tesla seine seine eigene Batterie-Fabrik in Planung. Die amerikanische FMC Corp gehört mit seiner Tochtergesellschaft FMC Lithium neben der in Chile ansässigen Sociedad Quimica y Minera (SQM) zu den weltgrößten Lithium-Produzenten. FMC Lithium kontrolliert eine grosse Lithium- Mine in Argentinien und ist einer der führenden Zulieferer für die Elektroauto-Industrie. In Australien gibt es noch reine Lithiumproduzenten, die durchaus auch das Zeug zum global player haben. Zu nennen sind hier Lithium Australia (ASX: LIT; WKN: A14XX2; ISIN: AU000000LIT3) und Neometals (ASX: NMT; WKN: A12G4J; ISIN: AU000000NMT1), die aber auch Titan- und Vanadiumprojekte haben sowie Pilbara Minerals (ASX: PLS; WKN: A0YGCV; ISIN: AU000000PLS0). Pilbara ist auf dem Weg zum Produzenten und verfügt mit seinem Projekt über eine Grössenordnung, die es wahrscheinlich macht, dass das Unternehmen über kurz oder lang übernommen wird.

Eine Sorge der Automobilbranche scheint allerdings unbegründet – eine Knappheit des Rohstoffes. Im Gegensatz zu Rohöl kann der größte Teil des einmal zum Einsatz gekommenen Lithiums recycelt und wiederverwendet werden. Das ist auch bitter notwendig: Lithium wird vielseitig verwendet, in der Medizin, in Batterien für Handys, Laptops, Kameras, vor allem in der Zukunft in Fahrzeugmotoren. Auffällig und negativ aus geopraphischen Gesichtspunkten ist die hohe regionale Konzentration von Lithium. 70 Prozent der Vorkommen befinden sich im sogenannten Lithium-Dreieck Bolivien, Chile und Argentinien. Hier muss man abwarten wie stabil die Erzeugerländer bleiben, Argentinien war hier ein Negativbeispiel par excellence in der Vergangenheit.

Es wäre gut, wenn grössere Automobilhersteller oder auch Chemie- und Batterieproduzenten Kooperationen mit den Ländern eingehen, um durch off-take Vereinbarungen oder Direktinvestitionen direkten Zugriff auf den Rohstoff zu bekommen. China ist hierfür ein gutes Beispiel, welches seit Jahren weltweit engagiert ist, um seine Rohstoffreserven und -resourcen aufzurüsten, um einer Knappheit vorzubeugen. Ein anderer Aspekt ist auch nicht zu unterschätzen: Technologiefonds, welche Apple, Google und Tesla gross gemacht haben, schauen sich derzeit intensiv im Lithium- und Kobaltbereich um, denn sie wollen die ganze Wertschöpfungskette abbilden. Hier sollte man in der Zukunft noch viel Positives hören.

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